Indonesien

Wissenswertes über Indonesien

Natur und Klima:

Mit mehr als 13.600 Inseln bildet Indonesien das Herz des Malaiischen Archipels, der nahezu alle tropischen und subtropischen Landschaftstypen der Erde in einer kontrastreichen Vielfalt vereint. Das Inselreich erstreckt sich von West nach Ost über 5100 Kilometern beziehunsgweise drei Zeitzonen. Zum Staatsgebiet gehören die Großen Sundainseln Sumatra, Java, Borneo (Kalimantan, ohne Brunei und die malaysischen Gebiete im Norden), Celebes (Sulawesi), die Kleinen Sundainseln (ohne den Ostteil von Timor), die Molukken und der Westteil der Insel Neuguinea (Papua).

Vulkanismus, Erdbeben, Tsunamis:

Die indonesische Inselwelt war einst eine feste Landverbindung zwischen Asien und Australien und hat erst vor 10.000 Jahren ihr heutiges Gesicht erhalten, das allerdings durch einen ausgeprägten Vulkanismus und Verschiebungen der Kontinentalplatten weiter verändert wird. Eingebettet in mehr als 3000 Meter hohe Gebirge, die sich in einem großen Bogen am West- und Südrand des Inselstaates erheben, durchzieht den Archipel eine Kette von etwa 300 Vulkanen; 70 gelten als aktiv.

Katastrophale Folgen hatte 1883 die Explosion des Krakatau in der Sundastraße zwischen Sumatra und Java, bei der etwa 36 000 Menschen starben. Gewaltige Zerstörungen und über 200 000 Todesopfer in Aceh hinterließ ein Tsunami, der Ende 2004 von einem Seebeben mit dem Epizentrum vor der Nordwestküste von Sumatra ausgelöst worden war.

Landschaftsvielfalt:

Indonesien vereint die unterschiedlichsten Landschaftstypen der Erde: fruchtbares Schwemmland entlang der Flüsse auf Sumatra, Reisfelder und Reisterrassen auf Java beziehungsweise Bali, savannenähnliche Trockengebiete auf Timor, tropische Regenwälder auf Borneo, schneebedeckte Berge in Papua, Palmenstrände auf Bali und im gesamten Archipel Vulkane, die an die Entstehungsgeschichte der Inselwelt erinnern.

Der Vulkanismus hat sehr fruchtbare, an mineralischen Substanzen reiche, vulkanische Böden entstehen lassen, die vor allem auf Java und Bali für hohe Erträge im Reisanbau sorgen. Auf Sumatra, Borneo und im Westen Neuguineas gibt es sinkstoffreiche Flüsse, die fruchtbares Schwemmland aufgeschüttet haben. An ihren Mündungen und Unterläufen sowie an den flachen Küsten wachsen Sumpfwälder und Mangroven; vielfach wurden auch Kautschukplantagen angelegt. Auf den trockeneren Kleinen Sundainseln überwiegen lichte Monsunwälder, die in Savannen übergehen. Tropische Regenwälder, in denen die Mehrzahl der mehr als 40.000 in Indonesien heimischen Pflanzenarten zu finden ist und die früher weite Teile der Inselwelt bedeckt haben, sind heute fast nur noch in Papua, auf Sumatra und Borneo zu finden.

Gefährdete Natur:

Fortdauernde, oft illegale Abholzung und Brandrodung - für Ackerbau, Plantagenwirtschaft sowie zur Brenn- und Nutzholzgewinnung - lassen auch die Restbestände an Regenwäldern immer weniger werden. Mit Ausnahme von Brasilien geht in Indonesien jedes Jahr mehr Regenwald verloren als in irgendeinem anderen Land. Außer Kontrolle geratene Waldbrände und durch sie verursachte schwelende Torfbrände erzeugen in trockenen Jahren eine riesige smogähnliche und gesundheitsschädigende Rauchwolke (Haze), die sich über Indonesien, Malaysia und Singapur ausbreitet.

Auch die einst reiche Tierwelt ist stark dezimiert worden; viele Arten sind ausgestorben, bedroht oder nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden, etwa Tiger, Elefanten, Panther und Krokodile. Streng geschützt in ihrer Heimat Borneo und Sumatra sind die Orang-Utans. In Reservaten leben die letzten Panzernashörner Javas. Als ein letzter Überlebender prähistorischer Zeit gilt der nur auf Komodo lebende, bis drei Meter lange Riesenwaran.

Feuchtheißes Tropenklima:

Klimatisch wird Indonesien von zwei Jahreszeiten geprägt, der trockenen von Juni bis September und der feuchten von Oktober bis April. In der Regenzeit herrscht wechselhaftes Wetter mit heftigen Schauern, meist in der zweiten Tageshälfte. Die Niederschläge nehmen nach Osten hin ab; im Osten Javas und auf den Kleinen Sundainseln herrscht von Juni bis September eine ausgeprägte Trockenzeit. Heiß und schwül ist es das ganze Jahr über. In den Niederungen und Küstengebieten liegen die Tagestemperaturen zwischen 25 und 35 Grad, bei einer Luftfeuchtigkeit von 80 bis Prozent. Stärker schwanken die Temperaturen in den Gebirgen, wo mit bis zu 6000 mm pro Jahr auch die höchsten Niederschlagsmengen zu verzeichnen sind.

Bevölkerung

Im Vielvölkerstaat leben größtenteils (Jung-)Indonesier, darunter Javaner, Sundanesen, Maduresen und Balinesen, sowie altindonesische (altmalaiische) Völker und Melanesier (vor allem in Neuguinea). Die schon seit Jahrhunderten ansässige chinesische Minderheit spielt vor allem im städtischen Wirtschaftsleben eine wichtige Rolle.

Die meisten Indonesier sind Muslime (vor allem Sunniten), die vielfach in mächtigen islamischen Verbänden organisiert sind. Hindus leben vor allem auf Bali, Christen auf den Molukken. Amtssprache und zugleich "Band" zwischen den Völkern ist Bahasa Indonesia, eine Form des Malaiischen, die von den meisten Indonesiern zumindest verstanden wird. Die größte ethnische und sprachliche Vielfalt weist Papua (West-Neuguinea) auf. Viele kleine Ethnien haben infolge der Rodung der Regenwälder und der Ausweitung der Agrarflächen nur noch geringe Überlebenschancen.

Etwa tausend Inseln sind ständig bewohnt; die meisten Indonesier leben auf Java, der seit jeher am dichtesten besiedelten Insel mit der Hauptstadt Jakarta, die sich zusammen mit Bogor, Tangerang, Bekasi zu einem mehr als 15 Millionen Menschen umfassenden Ballungsraum entwickelt hat. Zwei Drittel der Bevölkerung drängen sich auf den Inseln Java, Madura und Bali, die aber nur etwa acht Prozent der Landfläche ausmachen. Am dünnsten besiedelt sind Teile Borneos und Papua.

Dem Bevölkerungsdruck auf Java, Bali und Madura wollten schon die niederländischen Kolonialherren mit Umsiedlungen begegnen. Die Zwangsumsiedlung (Transmigrasi) wurde seit 1969 vom Suharto-Regime forciert, doch hat sie den Geburtenüberschuss und die Zuwanderung von den äußeren Inseln bei weitem nicht ausgleichen können und in den Neuansiedlungsgebieten zu teils gewaltsamen Konflikten mit der indigenen Bevölkerung geführt, etwa mit den Dajak auf Borneo.

Bildung:

Für alle Kinder ab dem siebten Lebensjahr besteht sechs Jahre Schulpflicht, die in einer sechsjährigen Volksschule (Primarschule) abgeleistet wird; daneben gibt es islamische Religionsschulen. Unterrichtssprache ist Indonesisch, in den ersten drei Schuljahren kann jedoch in der jeweiligen Regionalsprache unterrichtet werden; ab der vierten Klasse ist Englisch Pflichtfremdsprache. An die Primarstufe schließt sich eine dreijährige Mittelschule und eine ebenfalls dreijährige Oberschule mit Möglichkeiten der fachlichen Spezialisierung an (Sekundarstufe). Der Oberschulabschluss berechtigt zum Besuch einer Hochschule (Dauer: drei bis fünfJahre). Fortschritte gab es vor allem bei der Grundbildung der Frauen; hier ging die Analphabetenrate 1990 bis 2003 von 25 auf 16 Prozent zurück.

Staat und Politik

Nach der zuletzt 2003 geänderten Verfassung von 1945 ist Indonesien eine präsidiale Republik mit einem für fünf Jahre direkt vom Volk gewählten Präsidenten an der Spitze. Er ist zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte und wird durch einen ebenfalls für fünf Jahre gewählten Vizepräsidenten vertreten. Das Parlament besteht aus dem Repräsentantenhaus mit 550 Abgeordneten und einer fünfjährigen Legislaturperiode sowie dem Haus der Regionalvertreter mit 128 Mitgliedern aus den Provinzen. Beide Kammern gemeinsam bilden die Beratende Volksversammlung, die über Verfassungsfragen entscheidet.

Die einstige Suharto-Partei Golkar (Partei der funktionellen Gruppen), die Demokratische Partei (DP), die den Präsidenten stellt, die Vereinigte Entwicklungspartei (PPP), die Nationale Mandatspartei (PAN), die Wohlstands- und Gerechtigkeitspartei (PKS) bilden mit anderen kleineren Parteien das Regierungslager. Stärkste Kraft der Opposition ist die Demokratische Partei Indonesiens-Kampf (PDI-P), die viele christliche Mitglieder hat. Die Unabhängigkeit des Justizwesens mit dem Obersten Gerichtshof an der Spitze wurde 2003 mit der Schaffung eines Verfassungsgerichtshofes gestärkt.

Wirtschaft und Verkehr

Indonesien gehört zwar zu den ost- und südostasiatischen sogenannten "Tigerstaaten" mit einer sich besonders dynamisch entwickelnden Volkswirtschaft, ist aber immer noch ein Entwicklungsland, dessen ökonomische Anfälligkeit sich in der asiatische Wirtschaftskrise 1997/98 gezeigt hat, als die Währung Rupiah dramatisch an Wert verlor, zahlreiche Betriebe schließen mussten und die Arbeitslosenrate auf über 20 Prozent in die Höhe schnellte. Mittlerweile hat sich das Land von diesem Einbruch wieder erholt und weist robuste Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent auf; jedoch lebt noch immer rund ein Viertel der ländlichen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Wichtige Wirtschaftszweige wie der Bankensektor und die Energiewirtschaft liegen noch immer größtenteils in staatlichen Händen. Durch die zunehmende Privatisierung und Öffnung für den Weltmarkt ist ein allmählicher Anstieg der ausländischen Investitionstätigkeit zu verzeichnen. Als am höchsten verschuldetes Entwicklungsland (außer China) ist Indonesien jedoch noch immer in starkem Maß von internationalen Krediten abhängig.

Tropische Landwirtschaft:

Schon die ersten Siedler vor 5000 Jahren haben Reis, Ananas und Bananen kultiviert; Nassreis ist auch heute noch das Hauptnahrungsmittel. Außer Reis ist die Gewinnung von Palmöl für die Landwirtschaft von Bedeutung. Der Reichtum an Gewürzen wie Pfeffer, Nelken, Zimt und Muskat hat einst die Europäer angelockt. Sie begründeten auch die Plantagenwirtschaft für Tabak, Tee, Kaffee, Kautschuk, Zuckerrohr und Kakao.

Neben den Großbetrieben arbeiten Hunderttausende von Kleinbauern auf eigenen Parzellen als Zulieferer vor allem in der Kaffeeproduktion. Der zersplitterte Landbesitz auf Sumatra, Java und Bali reicht ihnen kaum mehr zur Sicherung der eigenen wirtschaftlichen Existenz, so dass sie sich als Tagelöhner verdingen müssen oder in die Städte abwandern. Die umfangreiche Küstenfischerei und Geflügelhaltung dient in erster Linie der Inlandsnachfrage.

Bergbau, Industrie, Tourismus:

Indonesien hat eine Vielzahl von Bodenschätzen, darunter Metallerze (Kupfer, Zinn, Nickel), Bauxit, Phosphat und Schwefel, Edelmetalle (Gold, Silber), vor allem aber die fossilen Energieträger Steinkohle, Erdöl und Erdgas. Bis in die Mitte der achtziger Jahre stammten zwei Drittel der Exporteinnahmen aus dem Ölgeschäft. Heute hat dieser Sektor seine beherrschende Stellung eingebüßt, da durch den Ausbau der Industrie der Eigenbedarf massiv gestiegen ist und die Erdölvorräte allmählich zur Neige gehen.

An Bedeutung haben die Herstellung von Zement, die chemische Industrie (Kunstdünger, Kunstfasern, Gummi) und der Fahrzeugbau gewonnen. Nach wie vor eine große Rolle spielt die Textilindustrie und die Verarbeitung von Nahrungsmitteln. Die Edelhölzer aus den tropischen Regenwäldern werden in der Holz- und Möbelindustrie sowie in kunsthandwerklichen Kleinbetrieben verarbeitet.

Der Tourismus mit rund vier Millionen ausländischen Besuchern pro Jahr konzentriert sich auf die "Badeinsel" Bali (mit Lombok), daneben sind die Tempel- und Palastbauten auf Bali und Java (zum Beispiel Prambanan, Borobodur) sowie Natur- und Nationalparks, zum Beispiel auf Java (Ujung Kolon), Sumatra und Komodo, attraktive Ziele.

Ungleiche Verkehrserschließung:

Der Ausbau der Infrastruktur konnte mit den wachsenden Anforderungen der Wirtschaft nicht Schritt halten. Das Verkehrsnetz hat einen sehr unterschiedlichen Entwicklungsgrad: Java etwa besitzt ein dichtes Straßen- und - als einzige Insel - ein ausgebautes Eisenbahnnetz. Im unwegsamen Papua dagegen stehen im Wesentlichen nur die Flüsse als Transportwege zur Verfügung. In der weiten Inselwelt spielt naturgemäß der Schiffs- und Flugverkehr eine bedeutende Rolle. Von den etwa 400 Häfen können 15 von Hochseeschiffen angelaufen werden. Dem Luftverkehr stehen mehr als 600 Start- und Landeplätze zur Verfügung.

Geschichte

Erste Reichsbildungen und Kolonialherrschaft:

Auf dem Gebiet des heutigen Indonesien wirkten in der Frühzeit hinduistische und buddhistische Einflüsse. Das führte seit dem 5. Jahrhundert zu Reichsbildungen auf Java und Sumatra. Auf Sumatra entwickelte sich Shrivijaya seit dem 7. Jahrhundert zur Seemacht. Die Shailendra-Dynastie (um 700 bis 950), die Zentraljava beherrschte, schuf gewaltige Kultbauten (Borobudur). Das Reich Majapahit (um 1292-um 1520) beherrschte fast das gesamte Territorium des heutigen Staates und eroberte auch Shrivijaya. Im 15. Jahrhundert beschleunigte sich die Islamisierung. Auf Java bildeten sich im 16. Jahrhundert mehrere Sultanate.

Der Gewürzhandel zog die Portugiesen an, die Anfang des 16. Jahrhunderts Malakka eroberten. Ihnen folgten die Niederländer (1602 Gründung der niederländischen Vereinigten Ostindischen Handelscompagnie, VOC). Sie erweiterten von ihrem Stützpunkt Batavia (Jakarta) aus ihr Einflussgebiet innerhalb von 300 Jahren über ganz Indonesien. Das Kolonialreich Niederländisch-Indien wurde im Zweiten Weltkrieg von den Japanern erobert (1942).

Unabhängigkeit und Suharto-Regime:

Am 17. August 1945 proklamierte der Nationalistenführer Achmed Sukarno die Indonesische Republik. 1949 gewährten die Niederlande ihr nach vergeblichem militärischen Widerstand die vollständige Unabhängigkeit. 1954 wurde die Union mit der niederländischen Krone aufgelöst. Die Hoheitsrechte für West-Neuguinea erhielt Indonesien 1963.

1965 scheiterte ein kommunistischer Putschversuch; er führte 1966 zur Entmachtung Sukarnos und zum Verbot der indonesischen KP. Anschließenden Kommunistenverfolgungen fielen Hunderttausende zum Opfer. Der neue "starke Mann", General Suharto, errichtete ein autoritäres Regime, das, gestützt auf die Staatsideologie Pancasila ("Fünf Prinzipien"), alle oppositionellen Bestrebungen unterband. 1976 besetzte Indonesien die portugiesische Kolonie Osttimor und erklärte sie zu einem Teil Indonesiens. Der Konflikt mit der Unabhängigkeitsbewegung Fretilin forderte rund 200.000 Tote. Die Wirtschaftskrise in Südostasien führte 1998 zu politischen und sozialen Konflikten. Nach schweren Unruhen musste Suharto zurücktreten.

Gefährdete Demokratisierung:

1999 wurde der Muslimführer Abdurrahman Wahid zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Er wurde bereits 2001 (unter anderem wegen des Vorwurfs der Korruption) seines Amtes enthoben. Zu seiner Nachfolgerin wurde die bisherige Vizepräsidentin Sukarnoputri, eine Tochter Sukarnos, bestimmt.

Ethnisch-separatistische Konflikte insbesondere auf den Molukken sowie in Aceh und Papua überschatteten den Demokratisierungsprozess genauso wie das Erstarken des islamischen Extremismus. Aceh und Papua erhielten 2002 Sonderautonomie. 2002 wurde auch Osttimor endgültig unabhängig. Die ersten direkten Präsidentschaftswahlen 2004 gewann der frühere General Susilo Bambang Yudhoyono. 2005 konnte mit der Freiheitsbewegung auf Aceh ein Friedensabkommen geschlossen werden.


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