Georgien

Wissenswertes über Georgien

Natur und Klima:

Der Großteil der Landschaft wird von Gebirgen bestimmt. Entlang der Nordgrenze durchziehen die teils dicht bewaldeten Gebirgsketten des Großen Kaukasus (über 5000 Meter hoch) mit ihren stark vergletscherten Kämmen das Land. Der Süden wird von den bis 3000 Meter hohen Gebirgszügen des Kleinen Kaukasus eingenommen. Dazwischen liegt die transkaukasische Senkungszone mit den Flusstälern des Rioni und der oberen Kura. Landwirtschaftlicher Kernraum ist das Kolchis-Tiefland im Mündungsgebiet des Rioni am Schwarzen Meer.

An der Schwarzmeerküste und in den küstennahen Regionen herrscht subtropisches Klima mit milden Wintern und warmen Sommern. Die jährliche Niederschlagsmengen liegen zwischen 1000 mm in den tiefer gelegenen Regionen und 2000 mm an den Westhängen der Gebirge. Die sich nach Osten verstärkenden kontinentalen Einflüsse lassen die jährlichen Niederschlagsmengen auf 400 mm sinken.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung Georgiens besteht aus mehreren kulturell sehr unterschiedlichen Völkern. Die Georgier, die mit rund 84 Prozent die Mehrheit bilden, die Adscharen und die Abchasen sprechen kaukasische, die Armenier, Osseten, Russen indoeuropäische Sprachen und die Aseri eine Turksprache. Der Großteil der Bevölkerung bekennt sich zum orthodoxen Christentum; die Aseri, die Adscharen und ein kleiner Teil der Osseten sind Muslime. Aufgrund von Flüchtlingsbewegungen, Auswanderung und niedriger Geburtenraten verzeichnet Georgien einen Bevölkerungsrückgang.

Staat und Politik:

Gemäß der inzwischen revidierten Verfassung von 1995 ist Georgien eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der für fünf Jahre direkt gewählte Staatspräsident. Er hat weit reichende Befugnisse und darf einmal wiedergewählt werden. Der Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt auch den Ministerpräsidenten. Das Parlament, der Oberste Rat, hat 235 Abgeordnete, die für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt werden. Stärkste parteipolitische Kraft ist die Vereinigte Nationale Bewegung, die Partei des Präsidenten. Neun Parteien bilden das Bündnis Vereinigte Opposition. Die Verfassung sieht für die Zeit nach Wiederherstellung der territorialen Integrität Georgiens eine zweite Kammer vor.

Wirtschaft und Verkehr:

Der Übergang von der sozialistischen Plan- zur Marktwirtschaft, der Wegfall einstiger Handelspartner sowie die andauernden Nationalitätenkonflikte bereiten dem Land erhebliche Probleme. Aufgrund der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit lebt rund die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Grundlage der Wirtschaft sind die reichen Bodenschätze - vor allem Mangan und Baryt - und die intensiv betriebene Landwirtschaft. Georgien produziert Tee, Wein, Obst, Getreide und Tabak. In höheren Lagen wird Weidewirtschaft betrieben, an den Gebirgshängen Forstwirtschaft. Das Land ist stark von Energieimporten abhängig; durch die Förderung eigener Vorkommen sowie das Wasserkraftwerk am Inguri kann nur ein Teil des Gesamtbedarfs gedeckt werden. Die wichtigsten Industriezweige sind die Chemie-, Nahrungsmittel- und Metallindustrie sowie der Maschinenbau. Ein Hoffnungsträger ist der Fremdenverkehr, der neben dem Badetourismus am Schwarzen Meer mit zahlreichen Kur- und Wintersportorten aufwarten kann.

Das Verkehrsnetz ist noch unzureichend; der weitere Ausbau wird durch das gebirgige Relief erschwert. Zunehmende Bedeutung gewinnt Georgien als Transitland (neue Erdöl- und Erdgaspipelines zwischen Aserbaidschan und der Türkei).

Geschichte:

Antike und Mittelalter:

Erste Staatsbildungen entstanden im 6. Jahrhundert v. Chr. als Kolchis im Westen und Iberien im Osten. Nach 66 v. Chr. gelangte das Gebiet unter römischen Einfluss. Im 4. Jahrhundert breitete sich das Christentum aus. Unter der Bagratidendynastie erreichte Georgien im 12. und 13. Jahrhundert die größte Ausdehnung und eine kulturelle Blüte, bevor es in der Folgezeit von den Mongolen erobert und verwüstet wurde.

Die Entwicklung in der Neuzeit:

Am Ende des 15. Jahrhunderts war das Gebiet in mehrere Teilherrschaften zerfallen, die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert teils von der Türkei, teils von Persien abhängig waren. 1801 fiel Georgien an das russische Zarenreich. Nach der Oktoberrevolution erklärte sich das Land 1918 für unabhängig, wurde aber 1921 von der Roten Armee besetzt und zunächst als Teil der Transkaukasischen Sowjetrepublik und später als eigenständige Unionsrepublik (1936) in die UdSSR gezwungen.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion erlangte Georgien 1991 die Unabhängigkeit. Der erste Präsident Swiad Gamsachurdia wurde 1992 gestürzt. Sein Nachfolger wurde 1992 der ehemalige sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse.

Sezessionistische Bestrebungen der nationalen Minderheiten der Abchasier und Südosseten eskalierten zum blutigen Bürgerkrieg. Nach Waffenstillstandsvereinbarungen gelang es in der Folgezeit nicht, eine politische Lösung der Regionalkonflikte zu finden. 1993 vollzog Schewardnadse den Beitritt zur GUS. 1995 trat eine neue Verfassung in Kraft.

2003 brach wegen Manipulationen bei den Parlamentswahlen ein Machtkampf zwischen Regierung und Opposition aus, der nach mehrwöchigen Demonstrationen (Rosenrevolution) schließlich zum Rücktritt von Schewardnadse führte. Micheil Saakaschwili, Führer der Opposition, wurde im Januar 2004 zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Bei der Wiederholung der Parlamentswahlen im März 2004 gewann die Partei des neuen Präsidenten eine überwältigende Mehrheit.

Im selben Jahr kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Führung der nach Unabhängigkeit strebenden Region Adscharien und der Zentralregierung sowie zu Zusammenstößen zwischen südossetischen Milizen und der georgischen Armee. Die Beziehungen zu Adscharien normalisierten sich in der Folgezeit. 2006 sprach sich die Bevölkerung von Südossetien in einem international nicht anerkannten Referendum für die Unabhängigkeit aus.

Die seit der georgischen Unabhängigkeit angespannten Beziehungen zu Russland verschlechterten sich auf Grund des russischen Einflusses in den Konfliktregionen Südossetien und Abchasien weiter. Russland belegte bestimmte georgische Waren mit einem Einfuhrverbot.

Nach regierungskritischen Massenprotesten verhängte Saakaschwili, dem Korruption und Versagen in der Wirtschaftspolitik vorgeworfen wurden, im November 2007 den Ausnahmezustand. Die Sicherheitskräfte gingen gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Um den innenpolitischen Konflikt zu beenden, setzte Saakaschwili für Januar 2008 vorgezogene Präsidentschaftswahlen an, bei denen er im Amt bestätigt wurde. Gleichzeitig sprach sich die Bevölkerung in einem Referendum für einen Nato-Beitritt Georgiens aus. Die Opposition erhob den Vorwurf der Wahlfälschung. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2008 konnte die Vereinigte Nationale Bewegung von Saakaschwili ihre Zweidrittelmehrheit erhalten. Aufgrund von einigen Unregelmäßigkeiten beim Wahlablauf erkannte die Opposition das Ergebnis nicht an.

Das ungelöste Südossetienproblem eskalierte im August 2008 in militärischen Auseinandersetzungen, die zur bewaffneten Intervention Russlands führten, nachdem georgische Truppen in Südossetien eingerückt waren. Diese wurden von russischen Einheiten verdrängt. Gleichzeitig flog die russische Luftwaffe Angriffe auf Ziele in Georgien. Russische Verbände stießen auf georgisches Gebiet vor. Unter französischer Vermittlung akzeptierten Russland und Georgien einen Sechs-Punkte-Plan für eine Waffenruhe. Russland erkannte die staatliche Unabhängigkeit von Südossetien und Abchasien an, was international jedoch keine Akzeptanz fand.