Globetrotter Zu zweit auf Weltreise

Die beiden Weltreisenden Alina und Thomas touren seit mehr als einem Jahr um die Welt. Auf ihrer Route liegen etwa die Niagarafälle, Weltnaturerbe Halong Bucht in Vietnam und wundervolle Landschaften in Australien. Ein Interview über den Verzicht vor der Abreise, Lieblingsplätze und Heimweh.

MERIAN.de: Wie kamen Sie auf die Idee einer Weltreise?
Alina Macaru: Wir reisen, seit wir uns kennen und jeder hatte unabhängig voneinander so eine Reise schon mal machen wollen. Thomas ist nach seiner Studienzeit zwei Monate durch Süd- und Mittelamerika gereist. Ich hatte mich bisher als Frau alleine nicht getraut. 2007 sind wir für vier Wochen nach Bali geflogen und wollten einfach nicht wieder nach Hause. Ein Jahr später haben wir eine 6-monatige Round-The-World Reise gemacht und dachten, danach haben wir erst mal genug vom Reisen. Das Gegenteil war der Fall. Wir waren fest entschlossen das zu wiederholen - dann aber für mindestens ein Jahr.

Wir haben festgestellt, dass Reisen eine Art Lebensverlängerungsmaßnahme ist. Im Alltag vergeht die Zeit oft schnell und ereignislos. Auf Reisen kommt einem die gefühlte Zeit dreifach so lange vor. Anstatt das Leben mit vielen Jahren zu füllen, haben wir uns entschieden, unsere Jahre mit Leben und Erlebnissen zu füllen. 

Wie lange sind Sie bereits unterwegs? 
16 Monate, zwischendrin hatten wir allerdings knapp zwei Monate "Heimaturlaub" in Deutschland.

...und eine Ende Ihrer Weltreise ist noch nicht in Sicht?
Es sind noch ca. ein bis zwei Jahre geplant. Bis wir keine Lust mehr haben - oder das Geld alle ist.

Welche Länder möchten Sie noch unbedingt sehen?
Auf jeden Fall Südamerika. Dort vor allem Kolumbien. Auch in Afrika gibt es einige sehr interessante Länder. Sambia, Simbabwe, Madagaskar, um nur einige zu nennen. Eine Weltumseglung mit eigenem Segelboot spukt auch in unseren Köpfen. So könnten wir entlegene Inseln erreichen, auf die man sonst nur für viel Geld oder mit noch viel mehr Aufwand kommt. Etwa Galapagos, Bora Bora, La Reunion, Cayman Islands und Christmas Islands. Wir haben es gerne warm, dennoch stehen Alaska, Antarktis und Patagonien auf unserem Zettel.

Was mussten Sie alles aufgeben, um auf diese lange Reise gehen zu können? 
Wir haben drei Jahre lang gespart - und das war oft nicht einfach. Shoppen macht Spaß und gibt eine gewisse Befriedigung, darauf musste ich verzichten. Die Wohnung haben wir aufgegeben, alle Möbel verkauft. Mein Fahrrad habe ich sehr ungern weggegeben, das Auto auch. Wir besitzen jetzt nur noch ein paar Umzugskisten mit persönlichen Dingen. Der Gedanke daran war zunächst beängstigend. Mittlerweile fühlen wir uns befreit. All diese Dinge nicht mehr zu besitzen ist viel entspannter als zuerst gedacht. Die Sachen, die man besitzt, besitzen eigentlich einen selbst. Sie brauchen Platz und  Pflege. Sie können kaputt gehen, gestohlen werden – ständig sorgt man sich darum. Ansonsten: Für die Eltern ist es nicht einfach, die Tochter lange nicht zu sehen. Und für uns, nicht einfach mal Freunde auf einen schnellen Kaffee zu treffen. Auch München und die Biergärten im Sommer vermissen wir sehr.

Ist es denn eine Reise mit Rückfahrkarte? Planen Sie überhaupt, jemals wieder zurück in die Heimat zu gehen?
Wir lieben Deutschland und vor allem München. Deutschland ist mehr 'land of the free' als z.B. die USA und bestimmt kein schlechter Platz zum Leben – wenn nur dieses Sauwetter nicht wäre. Sollten wir etwas Besseres finden, würden wir wegbleiben. Mit München als Referenz liegt die Messlatte allerdings ziemlich hoch. Wir haben noch keinen gekauften Rückflug, aber 2013 kommen wir wieder für ein paar Wochen nach Deutschland für einen Heimaturlaub.

Gibt es etwas, das Sie vor Ihrer Abreise unterschätzt haben?
Die Welt ist größer als man denkt, kälter und leider auch für Euro-Reisende teuer. Wir haben drei Monate im Australischen Sommer 2011/2012 gefroren, was das Zeug hält. Es gibt kaum Länder, in denen wir nicht gefroren haben. Und: Der Euro ist nicht das, was er vielleicht mal war. Gegen nahezu jede Währung der Welt hat er 30 Prozent an Wert verloren. Das bedeutet für uns erheblich höhere Kosten als geplant. Selbst die "Billigländer" in Asien oder Mittelamerika sind nicht mehr wirklich billig.

In welcher Ecke dieser Erde haben Sie sich bislang am wohlsten gefühlt?
Australien, besonders Tasmanien. Die Tierwelt, die Menschen, die Landschaft - das war ein Erlebnis. Auf den Philippinen in Malapascua trafen wir auf die fröhlichsten Menschen. Sie haben wenig, aber sind den ganzen Tag gut gelaunt, da muss man sich wohlfühlen. Aus Kanada wären wir fast gar nicht mehr weggekommen, die Gastfreundschaft dieser Leute ist unglaublich. 

... und in welcher Ecke so gar nicht?
Ich habe mich in Zentral Sulawesi in Rantepao nicht wohl gefühlt. Der ganzen Beerdigungszirkus und das Schlachten von Tieren, das war nichts für mich. Einmal haben wir uns eine Höhle mit Skeletten angeschaut. Wir hatten keine Lampe, nur der Führer eine Fackel. Da sah ich neuere Särge, und gar nicht so alte Leichen. Makaber. Auf den Philippinen sind wir an einem 30-Häuser-Ort gestrandet. An Ostern. Das einzige Hotel am Ort war verkommen, das Essen grausam, die Toiletten sogar für asiatische Verhältnisse schlimm. Am nächsten Tag haben wir eine privates Boot gechartert und die Flucht ergriffen.

Gibt es eine Begegnung, die Sie so schnell nicht vergessen werden? 
Erstmal die tierischen. Schorcheln mit Walhaien auf den Philippinen. Wenn die auf einmal vor und unter dir schwimmen, das ist ein absolutes Erlebnis. Das Lächeln der Quokkas in Australien, die waren so unglaublich süß. Ein Opossum hat sich an unseren Wein angeschlichen und den ganzen Becher leer gesoffen, wir konnten uns vor Lachen kaum noch bewegen. Das Opossum ist nur noch getorkelt.

In welches Land möchten Sie noch mal wieder zurückkehren?
Bisher in fast alle. Das ist ein echtes Problem. Es bleibt immer eine Ecke, die wir nicht mehr machen konnten oder manchmal sagt man sich: "Hier komme ich mit mehr Budget wieder her."

Wenn man so viele Monate wie Sie reist, tritt da nicht eine Art Routine ein?
Nein, aber so schnell haut uns nichts mehr um. Ein Strand etwa muss schon außergewöhnlich sein, damit er in unsere Hitliste kommt. Und: Wir sind sehr verwöhnt, was Attraktionen betrifft. Typische Touristenattraktionen entlocken uns meist nur noch ein Gähnen. Wir bleiben meist weg, wenn ein Ausflug mit Hochglanzprospekten angepriesen wird. Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir nicht (mehr) die richtige Zielgruppe dafür sind. Die besten Eindrücke kommen überraschend an Orten, an denen man nicht damit rechnet.

Können Sie das Nichtstun eigentlich noch genießen – oder tauchen auch mal Momente der Langeweile auf?
Auf so einer Reise muss man sehr viel planen, und nicht nur wegen des Budgets. Dann schreiben wir Blog. Der war zuerst nur für uns gedacht, mittlerweile bekommen wir immer mehr Feedback von Freunden und Verwandten. Das macht uns Freude und Lust weiter zu machen. Wir fotografieren wie wild, und alleine das Sortieren der Bilder ist sehr viel Arbeit. Ich schätze, wir kommen so auf 20 bis 30 Stunden pro Woche, die wir "arbeiten". Fortbewegung gehört zum Reisen, ist sehr anstrengend, und wir hassen es. Egal, ob lange Strecken mit Flieger, Fähre oder eigenem Auto. Man fühlt sich danach erledigt und braucht Ruhe. Zwischendurch brauchen wir auch Nichtstun-Pausen. Auf den Philippinen etwa hatten wir eine Insel ausgesucht, auf der wir einen Monat lang gar nichts unternommen haben.

Was würden Sie jemandem raten, der eine ähnliche Reise plant – aber sich noch nicht recht traut?
Das schwierigste ist, die Entscheidung zu treffen es zu tun. Man sollte einfach mal anfangen zu planen, vielleicht hilft das. Wir hören viele sagen, dass sie sich so eine Reise nicht leisten könnten. Wenn wir dann von uns erzählen, merken viele, dass es wohl geht. Geld und Job - das sind meistens die größten Hindernisse. Viele überlegen sich auch, so eine Reise im Rentenalter zu machen. Dass wollten wir nicht, womgölich ist man dann nicht mehr so unternehmungslustig, hat körperliche Beschwerden, braucht mehr Komfort, die Reise wird teurer. 

Was ist Ihr wichtigstes Reiseuntensil?
Kamera, Laptop, Kreditkarte – ohne die drei geht es nicht. Am besten mehrere Kreditkarten, von verschiedenen Banken. Extrem nützlich: ein ganz normaler Dreifachstecker. Ein kleines Reisekissen und ein Bettbezug haben sich ebenfalls als sehr nützlich erwiesen. Das unnützigste Reiseuntensil ist übrigens ein Schweizer Taschenmesser. Wir haben keines - und haben bislang nie vermisst. Feste Schuhe werden auch überbewertet.

Was hat Ihre Reise so besonders gemacht? Können Sie einige Höhepunkte nennen?
Für uns sind es mittlerweile die Dinge, die nichts oder wenig kosten. Nachts auf Zwergpinguine in Tasmanien lauern. Der Sternenhimmel in Tasmanien, wir haben unsere und die Nachbargalaxie gesehen. Ein Rodeo in Cody (USA), eine Rasur an einem Brunnen in Rumänien, im Mondschein duschen (Bäder in Koh Lipeh haben oft keine Dächer), an Silvester nachts schwimmen gehen und oben das Feuerwerk und unten das Meeresleuchten sehen, den Mond beim Tauchen unter Wasser aufgehen sehen, das erste Mal vor einem Walhai schwimmen, Rafting auf Bali, das Silversterfeuerwerk in Sydney. Auf einer alten Dschunke in Vietnam sich durch die Halong Bay chauffieren lassen, eine Wanderung auf Hawaii zur glühenden Lava in der Nacht, Campen unter Bisons.

Ihre Erlebnisse halten die zwei Globetrotter regelmäßig in ihrem Blog fest.

Autor

Bianca Schilling