Shipspotting Die Faszination der Schiffe

Der Hamburger Thomas Kunadt, 44, wuchs hinter den Mauern der DDR auf. Eines Tages, 1991, kam er aus Dresden nach Hamburg. An die Elbe, ans Wasser. Eigentlich wollte er Musikwissenschaften studieren, bezog eher zufällig eine Wohnung mit Elbblick und starrte bald auf diese großen mächtigen Riesen, die nach Fernost fuhren, nach Südamerika und Afrika, sich von der Nordsee her kommend über den Strom in den Hamburger Hafen schoben, Frachter, Öltanker, Container-Giganten - direkt vor seinem Fenster. Da vergaß er Noten, Cello und Klavier. Kunadt stand bald nur noch auf seinem Balkon, schnappte sich sein Fahrrad, fuhr runter ans Ufer - und knipste, knipste, knipste: Schiffe! Für ihn wurden sie schwimmende Symbole der Freiheit. Sie kamen aus aller Welt. Und fuhren in alle Welt. Auf einem Meer ohne Mauern. Kunadt hatte seine große Passion gefunden: Pötte fotografieren - sie in ihrer ganzen Majestät festhalten.

Inzwischen sind 16 Jahre verstrichen, Kunadt gilt in der Szene längst als Papst aller Shipspotter. Er hantiert mit professionellen Kameras, Terrabytes an Speichern und diversen Rechnern. Darauf zu finden: 21.000 Schiffe auf 310.000 Bildern. komplettiert von 80.000 Dias und 580.000 Datensätzen, die Frachter und Tanker in allen technischen Details beschreiben.

155 Reisen führten ihn an ferne Ufer. Natürlich legte sich Kunadt dort nicht unter Palmen oder ging zum Wandern. Er besuchte die größten Containerhäfen der Welt. Richtete seine Objektive auf die Mega-Ports von Hongkong, Singapur oder Shanghai - etliche tausend weitere Bilder von großen Schiffen entstanden.

Das Hobby hat er zum Beruf gemacht. Bis heute sind sieben verschiedene Bücher und Kalender von ihm erschienen. Bilder verkauft er an Reeder, Zeitungen, Fernsehsender. Oder auch mal an einen Seemann, der sich eine romatische Erinnerung ins Wohnzimmer hängen will.

Die schönsten Fotos sind nun in einem opulenten Bildband versammelt: 350 Motive zeigen 1000 Schiffe - in Szene gesetzt, wie es nur ein ausgemachter Schiffsnarr wie Kunadt beherrscht. Mit Liebe und Blick für die Schönheit der maritimen Giganten. Mal zeigt er nur den Bug eines Schiffs, der plötzlich zu einer kunstvollen Schnauze wird und wie ein Wal durchs Wasser rauscht. Dann wieder Container im Abendlicht, Rümpfe, Bordwände, Brücken und Hafengewirr - Szenen maritimer Anmut, der Geschmack der Seefahrt.

Der neue Bildband "Schiffe – eine Passion" ist die persönliche Auswahl der Lieblingsmotive des Hamburger Schiffsfotografen. Opulent ist auch der Preis des großformatigen 616 Seiten starken Werks: 168 Euro zuzüglich 9,25 Euro Versankosten. Gewaltig: ein Buch wie ein Schiff. Mehr Informationen zum Buchprojekt und Bestellmöglichkeit: www.kunadt-schiffe-passion.de

Autor

Marc Bielefeld