China Das Land der Golfanlagen

Als Tiger Woods vergangenen Monat im Auftrag eines Sponsors China besuchte, war für den Profigolfer die Welt wieder in Ordnung. Der einstige Weltranglistenerste, der daheim in den USA dank Sex-Skandal und Formkrise ein nicht zu leugnendes Imageproblem hat, wurde von Tausenden Fans in Shenzhen, einer Millionenstadt nahe Hongkong, frenetisch begrüßt. Der Tiger war endlich mal wieder König. Auf unzähligen Plakatwänden wurde lange für dieses Event im gigantischen Mission Hills Golf-Resort geworben. Der Sportartikler legte sich mächtig ins Zeug, denn in China ist der Golfboom ausgebrochen.

Jahrzehntelang war der "Sport der Reichen" in der Volksrepublik verboten. Erst Mitte der 1980er Jahre eröffnete in Zhongshan der erste Platz nach der Kulturrevolution. Seitdem erobern die Golfanlagen das Land. Insgesamt gibt es derzeit an die 500 Golfplätze in China, davon tummeln sich 60 Clubs rund um Bejing. In den kommenden drei Jahren sollen alleine in der Nähe zur Hauptstadt weitere 40 Anlagen hinzukommen. Dass ist umso bemerkenswerter, weil seit 2004 der Bau von Golfplätzen in China wieder verboten ist.

Die Golfklubs schießen trotzdem aus den Boden. Allein in der Zeit von 2004 bis 2011 entstanden schätzungsweise 430 illegale Golfplätze. Und dabei handelt es sich nicht um in dichten Wäldern versteckte provisorische Fairways und Grüns, sondern um Luxusresorts und edle Privatklubs inklusive Hubschrauberlandeplatz. Sie sind zum Zeichen der Korruption der chinesischen Regierung geworden. Denn keines dieser Bauvorhaben wäre möglich gewesen, wenn die Herrschenden nicht beide Augen zudrücken würden.

Die chinesische Regierung hat ein gespaltenes Verhältnis zum Golf. Einerseits möchte man offiziell endlich dem Raubbau an landwirtschaftlichen Flächen ein Ende bereiten, andererseits besteht der Anspruch, spätestens 2020 eine olympische Medaille in dem Sport ins Land zu holen. Hinzu kommt, dass die meisten neuen Golfklubs Liebhaber-Projekte von steinreichen sowie bestens vernetzten Personen und Unternehmen sind, die keine Probleme haben, sich über das staatliche Verbot hinwegzusetzen.

Trotz der Golfplatz-Epidemie ist China hinsichtlich des Sports ein Entwicklungsland - und aus diesem Grund auch so interessant für die Sportartikler. Das Marktpotenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft. In der Volksrepublik kommt ungefähr eine Golfanlage auf alle 2,6 Millionen Einwohner. Der chinesische Golfverband spricht von etwa drei Millionen Golfern, unabhängige Schätzungen gehen allerdings von weniger als 500.000 Amateurspielern aus. Angesichts der 1,34 Milliarden Einwohner eine verschwindend geringe Zahl.

Das hat sicherlich damit zu tun, dass auch in China der Golfsport eher etwas für die Eliten des Landes ist. Eine Jahresmitgliedschaft in einem Golfklub kostet in der Regel um die 35.000 Euro. Zum Vergleich: 2009 lag das durchschnittliche Jahresgehalt im Großraum Peking knapp über 10.000 Euro.

Der erste erfolgreiche Profigolfer der Volksrepublik, Zhang Lian-wie, war eigentlich ein erfolgreicher Speerwerfer ehe er auf Geheiß der Regierung den Sport wechselte. 2003 gelang ihm der erste Turniersieg eines Chinesen auf der European Tour. Das brachte ihm sogar eine Einladung zum altehrwürdigen Masters nach Augusta in den USA ein. Heute ist der chinesische Golfsport eher schwach mit Helden besetzt. Der derzeit beste Golfer aus dem Reich der Mitte steht in der Weltrangliste nicht einmal in der Top 100.

Doch China setzt auf den Nachwuchs. Zahlreiche Universitäten des Landes verfügen inzwischen über Golfplätze und fördern den Sport. Und auch in Schulen wird Golfen inzwischen unterrichtet. Man hofft auf ein Golfwunder.

Erste Erfolge feierte man bei den vergangenen Asien-Wettspielen. Dort konnte die chinesische Damenmannschaft einige Medaillen einsammeln. Und mit dem erst 12-jährigen Guan Tian-lang könnte bereits ein zukünftiger Superstar in den Startlöchern stehen. Bereits mit sechs Jahren gelang dem Jungen in den USA bei den Junior-Weltmeisterschaften ein vierter Platz, jüngst versuchte er sich in der Qualifikation zu den China Open, einem mit Stars gespickten Turnier der European Tour. Letzteres gelang Guan noch nicht. Nichtsdestotrotz: Vielleicht wird er eines Tages Tiger Woods beerben. Und dann ist er der neue König.

Autor:
Denis Krah