Armenien

Wissenswertes über Armenien

Natur und Klima:

Armenien ist ein Gebirgsland: Im Norden und Nordosten ragen die über 3000 Meter hohen, zum Teil stark zerklüfteten Ketten des Kleinen Kaukasus auf. Nach Südwesten schließt sich das in zahlreiche Becken gegliederte Armenische Hochland an. Höchste Erhebung ist mit 4090 Meter der vergletscherte Aragaz, ein erloschener Vulkankegel. Aktive Vulkane gibt es nicht, dafür ist die Region stark erdbebengefährdet. Größere Ebenen sind das Araratbecken mit der Hauptstadt Eriwan und das fruchtbare Tal des Grenzflusses Aras.

Die geringen Niederschläge von durchschnittlich nur 300 mm und das raue Kontinentalklima mit heißen Sommern und kalten Wintern lassen überwiegend nur karge Steppenvegetation zu; Waldgebiete nehmen nur 13 Prozent der Landesfläche ein.

Bevölkerung:

Armenien ist das ethnisch homogenste Land im Kaukasusraum. Der blutige Konflikt um das von Armeniern bewohnte, aber zu Aserbaidschan gehörende Bergkarabach führte Anfang der neunziger Jahre zu einem massiven Bevölkerungsaustausch: Islamische Aserbaidschaner (Aseri) flohen aus Armenien, christliche Armenier aus Aserbaidschan. Zudem verließen junge und gut ausgebildete Armenier wegen der schlechten Wirtschaftslage ihre Heimat. Massenemigrationen haben in der Geschichte des Landes Tradition; die Zahl der in anderen Staaten lebenden Armenier übersteigt die Einwohnerzahl des Landes bei weitem. Bis heute ist die Bevölkerungsentwicklung Armeniens aufgrund von Emigration und niedrigen Geburtenraten leicht rückläufig.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1995 (zuletzt 2005 geändert) ist Armenien eine präsidiale Republik. Der Präsident, der mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet ist, wird auf fünf Jahre direkt gewählt; eine einmalige Wiederwahl ist zulässig. Die 131 Abgeordneten der Nationalversammlung werden alle vier Jahre in direkter Wahl bestimmt. An der Spitze der Regierung steht der vom Präsidenten ernannte Ministerpräsident.

Wichtige Parteien sind die konservativ-nationale Republikanische Partei (HHK), die Partei Blühendes Armenien (BHK) sowie die Revolutionäre Armenische Föderation (HHD).

Wirtschaft und Verkehr:

Während der Sowjetära war Armenien eine der industriell am besten entwickelten Sowjetrepubliken. Die politischen Umwälzungen, das katastrophale Erdbeben 1988 und der Konflikt mit Aserbaidschan führten jedoch zu einem wirtschaftlichen Einbruch. Dank internationaler Hilfe und der Unterstützung durch die im Ausland lebenden Armenier sowie der Umstellung von der Plan- auf die Marktwirtschaft kommt es seit einigen Jahren wieder zu einem - wenn auch bescheidenen - Wirtschaftswachstum.

Negative Handelsbilanz:

Der Außenhandel wird durch den Konflikt mit Aserbaidschan und die Schließung der Grenze von Seiten der Türkei stark beeinträchtigt. Durch die hohen Einfuhren von Energierohstoffen und Nahrungsmitteln ist die Handelsbilanz schon seit Jahren negativ. Der Landwirtschaft sind durch die natürlichen Gegebenheiten enge Grenzen gesetzt. Der Großteil der Nutzfläche dient als Weideland für Schafe und Ziegen. Auf den Hochlandsteppen wird Getreide, auf bewässerten Feldern auch Wein, Obst, Gemüse und Tabak angebaut.

Größtes Problem der Wirtschaft ist der Mangel an Energie, der hohe Erdöl- und Erdgaseinfuhren erforderlich macht und den Ausbau der Industrie und die Weiterverarbeitung der vorhandenen Rohstoffe (Kupfer, Bauxit, Zink, Molybdän) behindert. Traditioneller Schwerpunkt der Industrie sind die Metallverarbeitung und der Maschinenbau sowie die Textil- und Nahrungsmittelindustrie.

Die gebirgige Landesnatur erschwert den weiteren Ausbau des Verkehrsnetzes. Über Georgien hat das Binnenland Armenien Zugang zum Schwarzen Meer.

Geschichte:

Unter fremder Herrschaft:

Die Region des heutigen Armenien bildete eines der ältesten Zentren menschlicher Zivilisation. "Arminia" findet erstmals um 520 v. Chr. in einer persischen Inschrift Erwähnung. Das Land erlebte zahlreiche Eroberungen und Teilungen, die Bevölkerung wurde verfolgt und vertrieben. Zwischen den fremden Besetzungen lagen aber auch Perioden der Eigenstaatlichkeit. Zum wichtigen Faktor für die nationale Identität entwickelte sich das Christentum, das 301 zur Staatsreligion wurde.

Ab dem 15. Jahrhundert war Armenien Streitobjekt zwischen dem Osmanischen und dem Persischen Reich, im 19. Jahrhundert erlangte schließlich Russland die Vorherrschaft über die Region. In den osmanischen Armeniergebieten begann 1895/96 die Verfolgung der armenischen Bevölkerung, die 1915/16 in Deportationen und Massenmorden gipfelte, denen mehr als eine Million Armenier zum Opfer fielen.

Der Weg in die Unabhängigkeit:

In den Wirren nach dem Erste Weltkrieg war Armenien für kurze Zeit eigenständig, aber schon 1920 marschierte die Rote Armee ein und das Land wurde in die Sowjetunion eingegliedert. Die westlichen Regionen fielen endgültig an die Türkei. Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion Ende der achtziger Jahre erlangte Armenien am 21. September 1991 seine Unabhängigkeit. Gleichzeitig brachen auch alte regionale Gegensätze wieder auf. Es kam zu einem blutigen Krieg um das - armenisch besiedelte - Gebiet von Bergkarabach in Aserbaidschan.

1994 vermittelte Russland einen Waffenstillstand, eine politische Einigung ließ sich jedoch nicht erreichen. Dieser Konflikt bestimmte auch die Innenpolitik. Lewon Ter-Petrosjan, "Vater" der Unabhängigkeit und seit 1991 Präsident, musste 1998 zurücktreten. Sein Nachfolger, Robert Kotscharjan , wurde bei den Präsidentschaftswahlen 2003 im Amt bestätigt. Während seiner Amtszeit erfolgte 2001 die Aufnahme Armeniens in den Europarat.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2008 konnte Kotscharjan laut Verfassung nicht mehr kandidieren. Die Bevölkerung wählte den bisherigen Ministerpräsidenten Sersch Sarkisjan (HHK) zu seinem Nachfolger. Der unterlegene Oppositionskandidat, der frühere Staatschef Lewon Ter-Petrosjan, erhob den Vorwurf der Wahlfälschung. Nach gewalttätigen Protesten gegen das Wahlergebnis musste in der Hauptstadt Eriwan zeitweise der Ausnahmezustand verhängt werden.