Urlaub mit Kindern Zum Kinderarzt statt zum Flughafen

Group of kids playing on beach --- Image by © mother image/cultura/Corbis

Wie hatten meine Frau und ich uns nicht gefreut - auf unsere erste größere Reise, nachdem unseren beiden kleinen Söhne "aus dem Gröbsten raus" waren. Nach Los Angeles sollte es gehen, drei Wochen durch die Schönheiten des amerikanischen Westens. Und auch die Kinder waren Feuer und Flamme, endlich richtige Indianer zu sehen und auch die nur per Skype und Foto bekannten Cousinen. Die Tickets waren schon bezahlt, der Mietwagen und die Hotels - ganz im Gegensatz zu meinem sonst üblichen Reiseverhalten - ebenso.

Vorfreude und Zweifel ob des Gelingens halten sich bei Reisen mit Kindern in etwa die Waage, meine Frau und ich glauben inzwischen erst daran, dass die Reise ein Erfolg ist, wenn wir wieder zu Hause sind. Ein gelungener Abflug und schöne erste drei Tage reichen nicht aus. Spätestens zwei Wochen vor Abflug wird jede Gemütsäußerung, jedes rote Pustelchen und eine eventuelle Veränderung des Ess- und Schlafverhaltens nervös begutachtet. Sind das erste Anzeichen für einen grippalen Infekt? Drei-Tages-Fieber vielleicht nur? Oder gar Scharlach?

Und in der Tat: Ich erinnere mich gut, als wir einen Tag vor Urlaubsstart schon mit Unmengen gepackten Koffern im Flur ratlos um unseren ältesten Sohn herumstanden, der mit leuchtend rotem Kopf und dem Fieberthermometer unter dem Arm einen wenig reiselustigen - und -fähigen Eindruck machte. 39,2 Grad Fieber war dann das Ergebnis, was nicht nur die sofortige Absage des Fluges nach sich zog, sondern auch ein triumphierendes "Ich habe es doch gewusst" meiner Frau, die meine übliche Aussage "Wir brauchen doch keine Versicherungen" nicht gelten lassen wollte.

Statt zum Franz-Josef-Strauß-Airport ging es also zum Kinderarzt, und der vertagte die Abreise gleich um zwei Wochen und stattete uns mit allen Attests aus, die wir brauchten. (Glücklicherweise haben wir den Trip ein halbes Jahr später nachholen können, auch wenn er dann nur nach Neuengland führte und dort die richtigen Indianer und die Cousinen leider nicht angetroffen werden konnten, was allerdings nur kurz zu Beschwerden führte. Ansonsten freuten sich die Jungs an der Größe der Häuser, Straßenkreuzer und vor allem Pizza- und Cheesecake-Portionen.)

Seit dieser Zeit schätze ich, im Gegensatz zu früheren Zeiten des Abenteuer-Tourismus, die Annehmlichkeiten der touristischen Vollkaskoversicherung - Reiserücktritt, Reisegepäck, Rückholung. Denn irgendwas passiert mit meinen kleinen Herren immer: Kuscheltiere, die nicht ankommen oder plötzlich über Bord gehen, Zecken, die auf rätselhafte Weise mit an Bord nach Sardinien kommen und dann schnellstens entfernt werden müssen, oder seltsame Erkrankungen, die Gott sei Dank nicht uns betrafen, aber für eine befreundete Familie den Miami-Trip nach einem Tag beendeten. Und wie gesagt, es gibt schönere Wege, Geld auszugeben, als durch fehlgeschlagene Reisen.

Wir planen übrigens gerade die nächste Reise - dieses Mal wollen wir endlich wieder einmal nach Asien fliegen. Es ist zwar nur Thailand, Asia light sozusagen, aber dieses Mal werden wir den All-Inclusive-Schutz mit Vorbuchung aller Eventualitäten in Anspruch nehmen - man weiß ja nie, welche alten und neuen Krankheiten wie SARS, Schweine- und Vogelgrippe bis dahin gerade wieder angesagt sind.

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Autor:
Dr. Stefan Rieß