Fast Lane Wohin mit Mutti?

Kennen Sie diese Wochen, wo Sie montags schon beim Aufwachen nach Luft schnappen? Wo Sie das Gefühl haben, unter dem Gewicht Ihrer Daunendecke zu ersticken? Wo Ihr Herz bereits zu rasen beginnt, bevor Sie einen Fuß in die Dusche gesetzt haben? Wo Sie ein leichtes aber unbarmherziges Pochen in den Schläfen verspüren, wenn Sie sich auf den Weg zur Arbeit begeben? Mein Montag fing genau so an. Hinzu kam die Ankunft meiner Fitness-Trainerin Vivi aus St. Moritz, die mich eine Woche lang für den Winteranfang auf Vordermann bringen sollte.

Zu einer noch halbwegs zivilisierten Zeit (9 Uhr) stiegen wir in das winzige private Fitnesszentrum in Fitzrovia hinab, nahmen unsere Positionen ein - ich auf dem Laufband, Vivi daneben - und schlüpften für die vor uns liegenden Tage in unsere jeweiligen Rollen: sie als deutsche Gebieterin - ich als ungezogener Schüler.

Während des Trainings brach mir der Schweiß aus. Mir wurde aber schnell klar, dass nicht nur die sauerstoffintensive Aktivität an meiner Kurzatmigkeit schuld war, sondern auch die vorweihnachtliche To-Do-Liste, die mir permanent im Kopf herumschwirrte. Ich unterhielt mich mit Vivi über den frühen Schneefall im Engadin, dem sie gerade noch entkommen war, und gleichzeitig ging ich im Geiste meinen Terminkalender durch und stellte fest, dass bis zum Abend des 22. Dezember praktisch jede Stunde fest verplant war. Spätestens da ging mein Atem schneller. Ich konnte jedes Meeting und jede Tätigkeit bis zu unserer letzten geschäftlichen Sitzung in diesem Jahr abrufen, inklusive all der Einzelheiten, um die man sich weit im Voraus kümmern musste.

An diesem Punkt beschleunigte Vivi das Laufband auf 13,5 Kilometer pro Stunde und ich begriff, dass ein voller Zeitplan dieser Art der physischen Bestrafung dann vielleicht doch vorzuziehen ist.

Zurück in meiner Wohnung sprach ich mit meiner Mutter über ihre Pläne für die Weihnachtsferien, während ich mich für die Arbeit fertig machte. Wohin wollte sie während des kanadischen Winters flüchten? Vielleicht noch mal nach Honolulu? Oder interessierte sie sich für ein neues Ziel? Würde meine Großmutter sie begleiten? Wir spielten mit ein paar Ideen herum und als ich abends zurückkam, zog ich einen Stapel Magazine heraus und begann online nach ein paar passenden Lösungen zu suchen.

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Die Vorstellungen meiner Mutter waren sehr konkret. Sie sagte, dass meine 93-jährige Großmutter nicht den ganzen Weg bis Honolulu fliegen wolle, da die Anreise zu lang sei und sie nicht wirklich in ein Hochhaus wollte. Außerdem sollten weniger Zeitzonen involviert sein, und sie wünschte sich die Urbanität von Honolulu, aber mit besseren Stränden. Ich widmete dieser Aufgabe volle fünf Stunden und nach wiederholten Versuchen, einen anderen Kurs einzuschlagen, blieb die Kompassnadel doch immer wieder über Florida hängen.

Als ich meiner Mutter dieses Ergebnis am nächsten Morgen mitteilte, war sie zwar nicht völlig abgeneigt, aber Begeisterung sieht anders aus.

"Ich glaube, was deiner Großmutter wirklich gefallen würde, ist das Äquivalent von Forte dei Marmi", erklärte sie. "Sie liebt Forte dei Marmi. Es wäre also super, wenn wir etwas finden würden, das alle Kriterien dieses kleinen Städtchens am Ligurischen Meer erfüllt." So ein Ort existiere nicht, sagte ich ihr ganz offen - vor allem nicht im Staate Florida. Meine Mutter schlug halb im Scherz vor, dass es ja vielleicht Vororte von Miami gäbe, die einige der Vorteile Fortes teilen würden: Beach Clubs, gute Geschäfte, hervorragenden Kaffee und nette kleine Märkte zum Herumlaufen? Ich unterdrückte mühsam einen Lachanfall und erwiderte, dass ich mich wieder bei ihr melden würde. Ein weiterer Tag ist vergangen und mich beschleicht langsam das Gefühl, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. In der Hoffnung, dort einen gemütlichen kleinen Ort zu finden, an den sich meine Mutter und meine Großmutter zurückziehen können, habe ich sogar Architekturbücher gewälzt und obskure Webseiten konsultiert - ich habe versagt.

Normalerweise bereitet es mir keine Mühe, gute Ferienziele zu finden, aber die Vorgaben meiner Mutter waren wirklich ziemlich kompliziert. Ich könnte die beiden ein bisschen weiter Richtung Süden nach Rio schicken, aber der Flug ist von Toronto aus zu lang, und auch wenn ich weiß, dass sie gern in Ipanema sind, glaube ich, es könnte ein bisschen zu viel für sie sein. St Barth käme in Betracht, aber es ist schon eine kleine logistische Herausforderung, dort überhaupt hinzukommen. Außerdem fürchte ich, meine Mutter könnte sich langweilen, da sie neben der Sonne auch die Vorteile einer richtigen Stadt genießen möchte. Genau dieser Aspekt ihres Briefing schließt auch gleich den Rest der Karibik aus.

So sehr mich diese Suche nach dem idealen Ort frustriert hat, sah ich auch mögliches Investitionspotenzial darin und dachte über die Möglichkeiten nach, eine kleine Stadt so herzurichten, dass die Vorgaben meiner Mutter erfüllt wären. Sie ist mit ihrem Bedürfnis nach einer lebendigen Ausgangsbasis mit gutem Service, um dort zu überwintern, ja schließlich sicher nicht allein.

Weitere Wünsche meiner Mutter beinhalteten, dass sie und meine Großmutter in der Lage sein müssten, überall zu Fuß hinzugehen - von einem schönen Haus oder Apartment zu einer guten Ladenauswahl (meine Großmutter verlangt ein hochklassiges Lebensmittelgeschäft), zum Beach Club mit interessanten Mitgliedern und hübschen Strandjungs sowie zu den Cafés mit ausgezeichneten Baristi. Angesichts der Ausmaße und der Ausbreitung der meisten amerikanischen Städte ist die Zahl der zu Fuß begehbaren Gemeinden, die auch noch mit Sonnenschein und einer klugen Stadtentwicklung dienen können, äußerst gering. Es ist gut möglich, dass ich eine kleine Perle am Golf von Mexiko oder auf den Antillen übersehen habe - falls ja, nur her damit.

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Autor:
Tyler Brûlé