Mit Stil Wie finde ich das perfekte Hotel?

Wie hat man eigentlich noch mal Hotels gebucht, als es kein Internet gab? Blind dem Reiseführer vertraut und dann nur noch entschieden, ob einem der Name "Poseidon" oder doch "Bellevue" besser gefiel?

Ich kann mich noch dunkel erinnern, wie ich vor 15 Jahren im Reisebüro in einen Katalog über Kreta starrte, auf all die winzigen Fotos von Hotels mit immer gleich weißen Fassaden und nierenförmigen Pools, woraufhin die Reisebürofrau strahlend bemerkte: "Nicht wahr, da kann man sich gar nicht entscheiden!"

Das ist heute mit all den hübsch bebilderten Hotel-Webseiten und Suchmaschinen natürlich viel einfacher. Jetzt gibt es so viel mehr zu sehen; manchmal sogar Dinge, die gar nicht da sind.

Und die Auswahl im Netz ist so riesig, dass man Stunden damit verbringen kann, das perfekte Hotel zum besten Preis zu finden. Ich weiß, wovon ich spreche. Bei uns gibt es bei der Reisevorbereitung nämlich eine klare Arbeitsteilung: Mein Mann kümmert sich um Reiseroute, Reiseführer, Flüge - ich buche die Hotels. Ziemlich erfolgreich natürlich.

Da war dieses verschlafene kleine , das ich über i-escape gebucht hatte, weil die Review nicht durchgängig positiv, sondern ehrlich klang und war. Oder das in Buenos Aires, bei dem die Fotos so detailliert waren, dass man die "hübsche Einrichtung" zur Abwechslung sogar mal glauben konnte. Und natürlich die Posada Paradiso in Jose Ignacio, wo ich überhaupt nicht mehr weiß, wie ich darauf gestoßen bin, aber das durchgeknallte Pärchen, das in der Lobby den ganzen Tag Computer-Scrabble gegen halb Südamerika spielte, war besser als jedes 5-Sterne-Hotel.

Kleinere Buchungs-Missverständnisse

Es gab allerdings auch kleinere Buchungs-Missverständnisse. Das in Sitges, das ziemlich nah zur Hochzeitslocation lag, wo Freunde feierten. Es hatte vier Sterne zu diesem unglaublich günstigen "Exklusiv-Preis"! Dazu noch dieses kleine HRS-Bonbon-Icon, auf das ich immer wieder versucht bin reinzufallen. Im vorliegenden Fall verbarg sich dahinter eine Gratis-Zeitung in katalanischer Landessprache, die ich leider nicht beherrsche.

In der Realität verfügte das Calipolis über den Charme eines Kongresscenters, nur mit Meerblick. Aber das interessiert die Buchungsmaschine ja nicht, die vermerkt lieber, dass auch über Nacht englischsprachiges Personal zugegen ist.

Das "Mama Shelter" in Paris hingegen würde ich immer weiter empfehlen - der booking.com-Hinweis, dass "alle Sehenswürdigkeiten schnell zu erreichen" sind, ist, vom 20. Arrondissement aus betrachtet, allerdings als relativ zu verstehen. Als wir zwischendurch einmal schnell die Schuhe wechseln wollten, brauchten wir für Hin- und Rückweg gut zwei Stunden.

Seitdem bin ich bei unglaublichen Special-Preisen eher skeptisch und suche über Buchungsmaschinen am besten nur Hotels, die ich schon kenne oder die andere schon kennen. In Paris waren die beim letzten Mal leider alle ausgebucht und ich landete einen unvergesslichen Treffer: Das Hotel France Louvre, über das venere.com schreibt, Gäste schätzten vor allem "die warme und angenehme Atmosphäre des Lounge-Bereichs und den aufmerksamen Service des Personals". Letzteres stimmte zumindest irgendwie: Als wir das fürchterlich miefende Hotel stehenden Fußes wieder verlassen wollte, sagte das Mädchen an der Rezeption ganz selbstverständlich. "Kein Problem, an Ihrer Stelle würde ich das gleiche tun."

Autor:
Silke Wichert