Mit Stil Wie ein Döner in der 1. Klasse

Man having a meal in an airplane --- Image by © ColorBlind Images/Blend Images/Corbis

Die Deutsche Bahn bietet im ICE-Bordrestaurant diesen Monat eine Sauerkrautsuppe mit Kasseler, Bio-Weißkohleintopf mit Mettendenscheiben und geschmorte Rinderschulter mit glaciertem Gemüse und Kartoffelpüree an. Ich weiß das so genau, weil die Speisenkarte ja mittlerweile bei fast jedem Halt vorgetragen wird, und im Ruhrgebiet kann ein Zug sehr oft halten.

Für mich stellen sich dann immer folgende Fragen: Hätten die Zugführer damals, als sie diesen Job anfingen, jemals gedacht, dass sie irgendwann einmal für ein "Serviceunternehmen" arbeiten würden, das von ihnen verlangt, nicht nur die Verspätungen, sondern auch das kulinarische Angebot zu verkaufen? Und war damals schon von "Englischkenntnissen" die Rede?

Weiterhin frage ich mich, wer zum Teufel sich diese Menüfolgen ausdenkt? Ich kann nichts über die Qualität der "Geschmorten Rinderschulter" sagen, aber von der Geruchsentwicklung innerhalb eines Waggons der 1. Klasse liegt die Schulter nur knapp hinter einem Döner. Mal ganz abgesehen davon, dass das rein ernährungstechnisch wirklich nicht das richtige Essen für vier Stunden regungsloses Sitzen ist. Irgendwer im Abteil witzelte sogar, das "Slow Food" würde doch eh viel besser ins Gesamtkonzept der Bahn passen.

Die Lufthansa hat während der Oktoberfestzeit einmal Eisbein mit Sauerkraut serviert, was ich damals auch relativ gewagt fand, und ich bin nicht mal Vegetarier. Die indische Passagierin neben mir schien das Gericht schon fast für einen Anschlag zu halten und gab das Tablett nach kurzer Inspektion panisch an die Stewardess zurück.

Da lobt man sich doch schon wieder das Konzept von Delta Airlines, die, soweit ich das beurteilen kann, grundsätzlich nur "Chicken or Pasta" anbieten. Das Programm ziehen sie einmal kurz nach dem Abheben durch, wenn der Flug länger dauert, einfach nach ein paar Stunden noch einmal. Als ich daraufhin irritiert bemerkte, es habe doch schon vorhin "Chicken or Pasta" gegeben, zuckte die Stewardess nur mit den Schultern und sagte, das sei jetzt eben ein anderes "Chicken" und eine andere "Pasta". Ach so.

Eine Freundin hat mir mal den Tipp gegeben, auch als Nicht-Vegetarier immer nur "Special Meals" zu bestellen. Das Essen sei immer kreativer, meistens sogar frischer als der normale Kram. Ein paar Mal hat das gut funktioniert, es gab Couscous, Tortellini mit Ricotta oder irgendeinen Gemüseauflauf. Dann flog ich im Sommer mit South African Airlines, die sowohl auf dem Hinflug als auch auf dem Rückflug von Johannesburg nur gedünstetes Gemüse, Eier und Reis ohne Soße servierten. Sogar der Nachtisch war fader als der meines Nachbarn. Schlimmeren Futterneid als im Flugzeug kann es nicht geben.

Das war der Moment, in dem ich mir ernsthaft die "Sansibar"-Zusatzoption für alle Fluggesellschaften gewünscht habe. Keine Ahnung, wer bei einem Zwei-Stunden-Flug mit Airberlin von Barcelona nach Düsseldorf auf die Idee kommt, sich eine Sansibar-Currywurst für 6,50 Euro zu bestellen, aber auf diesem Endlostrip nach Südafrika hätte ich sofort einen dieser Schimanski-Teller genommen. Vielleicht könnten die anderen Airlines demnächst wenigstens eine Art Spätkauf an Bord einrichten, mit Brötchen und Chips für den absoluten Notfall.

Autor:
Silke Wichert