Fast Lane Weihnachten Brulé

Wenn Sie dies lesen, befinde ich mich hoffentlich bereits seit guten zwölf Stunden in den Weihnachtsferien. Da ich in dieser Jahreszeit zum Traditionalisten werde, ist mein Anlaufpunkt der gleiche wie sonst auch - ebenso gleichen sich Leute, Essen, Getränke und Begleitaktivitäten.

Einige Jahre lang beinhaltete Weihnachten für mich einen gemütlichen Bungalow oberhalb von Whale Beach in New South Wales, Barbecues bei meiner Freundin Nancy, die gleich um die Ecke wohnte, und aus häufigen Ausflügen zu einem Weinladen in Palm Beach.

Aber zu viele Fernreisen und eine Vorliebe für "weiße Weihnacht" haben meiner australischen Phase vor ein paar Jahren ein Ende bereitet. Jetzt freue ich mich auf die Berge, wo alles mir Wichtige entweder gut vom Sofa aus oder in höchstens fünf Minuten fußläufiger Entfernung zu erreichen ist.

Die Ankunftszeremonie in St. Moritz ist immer dieselbe: ein zügiger Fußmarsch vom Bahnhof zur Wohnung, wo wir die Taschen fallen lassen (Geschenke und Bücher haben wir frühzeitig vorab dorthin verschickt), und dann schnell runter zum Supermarkt, um den Kühlschrank aufzufüllen und zu erörtern, welcher Baum nun der schönste und wohlriechendste ist.

Zurück in der Wohnung sucht meine Mutter die Deko aus und ich sorge für den passenden Weihnachts-Soundtrack. Dann wird die Küche zum Leben erweckt: Meine Mutter entscheidet, was zu backen ist, und Mats erarbeitet die Strategie zum Thema "Frühstück/Mittagessen/Abendessen" für die nächsten Wochen.

Während ich die Lektüre auf dem Couchtisch für all die Vor- und Nachmittage sortiere, die wir nicht auf der Piste zubringen, schmückt meine Mutter den Baum und ich mache entweder Kaffee oder schlage eine Runde Champagner vor. Wenn der kleine Nadelbaum dann mit warmem Licht und goldenen Christbaumkugeln erstrahlt, träume ich von den Sachen, die ich mir zu Weihnachten wünsche - einige unterm Baum, einige anderswo:

Eine Erleichterung - Teil 1

Ich liebe mein MacBook, wirklich. Aber mein Arzt hat mir versichert, dass es nicht nur meinem Rücken, sondern der ganzen Haltung schade, wenn ich es (inklusive des gesamten Zubehörs) über Flughäfen schleppe. Deshalb hoffe ich, dass der Weihnachtsmann mir endlich den hochgehypten, heiß erwarteten Tablet PC bringt und mich dadurch etwas schneller und meinen Doktor etwas glücklicher macht.

Eine Erleichterung - Teil 2

Mangels jeglicher Neuerscheinungen von Apple könnte ich mich für Nokias neuestes Microbook-Angebot erwärmen - oder für etwas Ähnliches von BlackBerry.

Gepäck, Eisenbahnen, Haus in Tokio - weitere Weihnachtswünsche

Eine Erleichterung - Teil 3

Es kommt nicht häufig vor, dass ich andere Menschen um ihr Reisegepäck beneide. Kürzlich entdeckte ich jedoch auf dem Rückflug von Tokio Narita einen Passagier, der alles richtig gemacht hatte. Zwar bin ich alles andere als ein Fan kleiner Rollköfferchen für Männer, aber dieser Typ besaß einen geräumigen, titanfarbenen Cabin Trolley von Rimowa mit einer eleganten olivgrünen Tasche, die an einem in die Kofferschale integrierten Halter befestigt war. Ich habe meinen Rücken in diesem Jahr mehr als einmal durch Handgepäck strapaziert - es könnte also an der Zeit sein, mal zu gucken, ob es etwas annähernd Männliches auf Rollen für mich gibt.

Eine größere Eisenbahn

Ich weiß, dass die Spanier versuchen, ihr Schienennetz für Hochgeschwindigkeitszüge so schnell zu verlegen wie die Chinesen und dass die Japaner ihre Shinkansens an Brasilianer und Amerikaner verkaufen wollen - aber das reicht nicht. Ich würde das Jahr 2010 gerne damit einläuten, nicht mehr für 90 Prozent aller inner-europäischen Reisen ein Flugzeug besteigen zu müssen. Stattdessen möchte ich in Europa künftig mit derselben Geschwindigkeit und demselben Komfort reisen, die ich genieße, wenn ich zwischen Tokio und Shin-Osaka in einem Shinkansen vom Typ N700 Erster Klasse sitze.

Ein alpines "Onsen"-Refugium

Und wo wir gerade bei Japan sind: Ich möchte mir im Februar gerne ein paar Tage für eine kleine Tour durch die Ryokans von Hokkaido oder rund um Nagano freischaufeln - ein schönes heißes Bad inmitten von Schneewehen und dem Duft der Hinoki-Zypressen …

Ein Stück Land in Tokio

Ich würde mir sehr gerne ein Haus in Tokios Sendagaya-Distrikt bauen. Einen Architekten habe ich bereits ausgesucht und ich weiß genau, wie ich das Haus einrichten möchte. Auch der Garten ist schon genauestens geplant. Mir fehlt lediglich noch ein Stück Land.

Ein verlässliches Spät-Restaurant in London

Warum ist es bloß so schwer, nach 23.30 Uhr in London noch ein ordentliches Abendessen und einen Drink zu bekommen? Ungeachtet all des Getues um verlängerte Ausschankzeiten und die Weltklasse-Stadt London scheint eine attraktive Speisekarte, guter Service und eine hübsche Weinauswahl nach Mitternacht jedoch ein Wunschtraum zu bleiben.

Wehrdienst für die Null-Bock-Jugend

Nein, ich schlage nicht vor, dass Jugendliche Waffen tragen sollten. Viele Länder könnten sich aber mal ein wenig sozialen Klebstoff dafür einsetzen, den Kids eine Aufgabe zu verschaffen und ihnen ein bisschen Disziplin beizubringen. Wenn die nächste englische Regierung nicht mit irgendeiner Art von Plan für die Jungs am Ende meiner Straße aufwartet, dann werde ich eine eigene Initiative starten!

Übersetzung für MERIAN.de: Andrea Fonk

Autor:
Tyler Brûlé