Fast Lane Warum eigentlich nicht Beirut?

Vergangenen Samstag leitete Fast Lane gegen 14.30 Uhr offiziell Phase eins der Sommerferien ein. Da landete mein Lufthansa-Flug aus Frankfurt auf dem Rafic Hariri International und ich begegnete einem wolkenlosen Himmel, glitzerndem Meer, kaum nennenswerten Schlangen am "Haben Sie einen israelischen Stempel in Ihrem Pass?"-Schalter sowie einem Schwall an E-Mails als Reaktion auf meine Kolumne über OOORs (Out-of-Office Repliers).

Für alle, die es interessiert: Etwa 65 Prozent der Leser waren dafür, OORS zu verbieten, während der Rest sich dermaßen empörte, dass ich schon befürchtete, irgendeine Fatwa sei gegen mich erlassen worden und ich müsste Sicherheitskräfte anstellen, um mich frei in den Straßen von Hamra bewegen zu können.

Als ich das letzte Mal in Beirut war, verließ ich die Stadt nur Stunden, bevor sich die Hisbollah ein wenig gereizt zeigte und der Libanon einen Sommer voller Unfrieden ertragen musste. Auf dem Weg in die Stadt fiel mir nun auf, dass Pepsi in der Wahl der Werbeart und der Bildsprache für die Fußballweltmeisterschaft eher daneben gegriffen hatte. Wir fuhren an Plakatwänden vorbei, die mit Bildern durchgeknallt aussehender Fans in Kriegsbemalung voll geklebt waren und in dem Slogan mündeten: "Lass deiner Leidenschaft freien Lauf!"

Wenn es eine Sache gibt, die die unterschiedlichen Lager im Libanon während der heißen Sommermonate wirklich nicht brauchen, ist es jegliche Ermunterung dazu, Leidenschaft auszuleben - insbesondere von einer Firma, die mit koffein- und zuckerreichen Getränken handelt. Laut meiner Freundin Carole hatte der Libanon immer eine schlechte Bilanz in Weltmeisterschaftsjahren, die hier gerne in Schießereien der blutigeren Sorte endeten.

Als wir durch die Straßen von Ashrafieh fuhren, wurde sofort deutlich, dass das vorsichtige Verhalten der libanesischen Banken in den letzten 24 Monaten der Wirtschaft gut getan hat - zu gut sogar: Die Stadt befindet sich mitten in einem Bauboom. Im ganzen vornehmen christlichen Viertel waren elegante Wohnhäuser aus dem frühen 20. und wunderschöne Villen aus dem 19. Jahrhundert in eine Trümmerlandschaft verwandelt und durch protzige Werbewände ersetzt worden, die neue Garden Towers aus Glas und billigem Steinersatz ankündigten.

Obwohl noch genug vom alten Ashrafieh übrig ist, um dem Ort ein Gesicht zu verleihen (die kleinen Reinigungen, die hauchdünnen Kioske, Läden mit Arbeitskleidung fürs Hauspersonal und Taschen im brillanten Design der 1960er-Jahre an den Sonnensegeln), geht die Veränderung rasch vor sich. In der ganzen Stadt waren an die Eingänge und auf die Wände der feineren Gebäude A4-große Poster geklebt worden - mit der Forderung, dass die Gebäude erhalten bleiben und die Leute sich bei facebook dafür einsetzen sollen. Es ist alles super gut gemeint, aber ich fragte mich, wie viele der schicken Tanten, die sorgfältig frisiert mit riesigen Sonnenbrillen und niedlichen Hauskleidern in der Nachbarschaft herumwuseln, mit ihren perfekten Nägeln jemals eine Computertastatur berührt, geschweige denn sich auf facebook eingeloggt hatten.

Wie häufig im Libanon, braucht die Art des Protestes etwas mehr Schärfe (denken Sie zum Beispiel an den säuerlichen Geschmack von Sumach und Zitrone in einem Fattusch-Salat), um Bauunternehmer davon abzuhalten, schreckliche Wohnsilos von der Stange zu errichten, die ebenso gut in Sharjah oder den Vorstädten Istanbuls stehen könnten. Ein Massenprotest in Form eines permanenten Sit-ins quer durch die architektonisch meist gefährdeten Viertel wäre ein guter Anfang. Bauunternehmer, Bagger und angehende Kunden aus Doha könnten so unter Kontrolle gehalten werden, während der Alltag hinter den größeren Kontrollpunkten des Protests ganz normal weiterginge.

Eine Alternative wäre es, so viele ähnlich denkende Menschen wie möglich zu ermutigen, nach Beirut zu kommen, die wunderschönen "French Deco"-Wohnungen zu erwerben und sie sorgfältig wieder herzurichten.

Auf der Suche nach einer passenden Bleibe

Dienstagmorgen beschloss ich, meinen Teil dazu beizutragen und begab mich mit Emily und Mats auf eine Wohnungstour und suchte unter Führung von Kamal Mouzawak (Gründer des Soul-al-Tayeb-Bauernmarkts und des geschmackvollen neuen Restaurants TawLet) nach einem Platz an der Sonne. Stammleser dieser Kolumne werden wissen, dass ich bereits seit fünf Jahren auf der Jagd nach einer Wohnung am Mittelmeer bin, und es ist keine große Überraschung, dass mein Blick sich nun auf Ashrafieh, Hamra und Mar Mikhael konzentriert.

Ich würde Ihnen gerne mehr über meine Entdeckungen mitteilen, aber zwei Wohnungen, die ich dort sah, waren so günstig und reizend, dass ich weder das Schicksal herausfordern, noch riskieren möchte, dass mir ein begeisterter Leser bei der Hinterlegung der Kaution zuvorkommt. Deshalb werde ich Sie erst informieren, wenn ich den Vertrag unterzeichnet habe und anfange, meine ganzen in Zürich eingelagerten Möbel zum Hafen in Beirut bringen lasse.

Was ich Ihnen sagen kann ist, dass die Stadt perfekt ist für kleine Einkäufe, viel Sonne und Tanz. Zu meinen Highlights gehören:

  1. Ein Tag im Lazy B Beach Club: Dieser private Club zehn Minuten südlich des Flughafens erinnert ein bisschen an das 55 in St. Tropez, die Kulisse ist aber besser sowie bequemer und einladender wirkt er außerdem.
  2. Frühstück auf dem Dach des Hotels Albergo.
  3. Zeitschriften und Bücher kaufen im Papercup in Mar Mikhael.
  4. Ein armenisches Festessen im Varouge im Bourj-Hammoud-Viertel.
  5. Ein nächtliches Trinkgelage in der neuen und sehr einladenden Li Beirut Bar in Hamra. Am Ende werden Sie den gesamten Soundtrack haben wollen, den die Jungs bis in die frühen Morgenstunden hinein auflegen.

Übersetzung für MERIAN.de: Andrea Fonk

Autor:
Tyler Brûlé