Fast Lane Wann kommt die Körperscanner-App?

Es ist faszinierend mitzuerleben, wenn Unternehmen inmitten der Krise aufblühen. Und ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die Anteilseigner und Zulieferer von Ganzkörper-Scannern rund um den Weihnachtsbaum kleine Freudentänze aufgeführt haben, als die internationalen Sicherheitsbehörden plötzlich durchdrehten und verkündeten, dass weltweit jeder Flughafen seine eigene Scanner-Garnitur erhalten solle. Firmen mit Namen wie Rapiscan oder - nicht ganz so eingängig - Brijot schieben zweifellos Überstunden, um auf all die Fragen zu Strahlenbelastung und Darstellung der Geschlechtsteile ("Sir, wir können das Bild vergrößern, wenn Sie möchten, aber es würde keinen wesentlichen Unterschied machen") zu antworten und gleichzeitig Aufträge von Fluggesellschaften, Flughafenbetreibern und Sicherheitsunternehmen anzunehmen.

Noch faszinierender ist zu sehen, wie Leute auf diese Reform reagieren, die gerade mal die Überschriften gescannt haben. In meiner letzten Kolumne habe ich vorgeschlagen, dass wir eine nachhaltigere Lösung der Sicherheitsprobleme hätten, wenn die Menschen überhaupt nicht mehr in die USA reisen würden, was unternehmerisch veranlagte Köpfe wiederum dazu ermutigen könnte, ein Google für Luftfahrtsicherheitsmarkennamen zu entwickeln. Die meisten Leser stimmten mir zu, dass dies eine gute Idee sei und rasch hatte sich mein E-Mail-Eingangsordner in ein Frustecke für all jene Reisenden verwandelt, die auf britischen, kanadischen und französischen Flughäfen leiden.

In den kühleren Ecken Floridas, den Ebenen des Mittleren Westens und den Hügeln von New Mexiko wurden meine Vorschläge hingegen als Kriegserklärung aufgenommen. Sie sorgten sogar dafür, dass eine kleine Bürgerwehr zur Waffe Twitter griff. Irgendwann wurde die Korrespondenz so hässlich, dass mich jemand als Feigling bezeichnete, nur weil ich den Zug genommen hatte. Autsch!

Auf meinem Weg von Zürich über Barcelona nach London (zu Fuß, per Zug, per wackelndem Airbus) verbrachte ich eine beachtliche Zeit damit, Szenarien einer neuen Reisewelt zu entwerfen, meine Termine fürs kommende Vierteljahr festzulegen und auf Leserbriefe zu antworten. Abgesehen von der allgemeinen Verurteilung des Sicherheitsapparats gab es viele Briefe zu JAL-Sturz in die Insolvenz und Bitten um eine Kolumne zu diesem Thema. Da ich das Thema bereits im Herbst in einer Kolumne behandelt hatte (Zusammenfassung: JAL hat nie versucht, eine globale Marke zu werden, und hat die Chance vertan, die begehrenswerteste Fluglinien Asiens zu werden), verwies ich die Leser auf das Archiv und dachte erneut über Ganzkörper-Scanner nach.

Als ich den angenehm kleinen, old school-Röntgenapparaten auf Zürichs Flughafen Kloten dabei zusah, wie sie Handtaschen, Dell-Notebooks, Krücken und Rollköfferchen schluckten, wusste ich, dass die Zukunft den großen, aggressiven Maschinen gehören würde, die jeden Winkel und jede Ritze penibel untersuchen würden. Und je mehr ich über die Möglichkeiten dieser Geräte nachdachte, desto sicherer und zugleich aufregender wurde die Welt. Vielleicht könnte man sie überall dort installieren, wo mehr als zwei Leute zusammenkommen? (Foto London Heathrow?) Was, wenn sie die nächste Stufe sozialer Netzwerk wären? Würde es zusammenklappbare Versionen für die Handtasche geben? Oder ein Körperscanner-App für BlackBerrys und Nokias?

Plötzliches Unwohlsein und sture Angestellte

Plötzlich erschienen die Optionen und Verdienstmöglichkeiten unendlich. Wer muss denn schon seine ganzen Informationen noch auf einer social networking-Website ausbreiten, wenn er mit einem persönlichen Körper-Scanner gleich direkt zur Sache kommen kann? Statt eher langweilige Details wie Bildung, Lieblingsgetränk und Schönster Urlaub, die Teil des Profils sind, könnten Nutzer gleich das ganze Paket auspacken - Bauch, Beine, Po. Fatbook könnte das neue Facebook werden!

Eine halbe Stunde, bevor mein Flug nach Barcelona zum Einsteigen bereit war, fühlte ich mich plötzlich sehr unwohl (Grundregel: Vermeiden Sie Meeresfrüchte in alpinen Urlaubsorten), und ich entschied mich, lieber nicht zu fliegen. Ich informierte das Personal am Gate und ging dann zum Schalter, um mein Ticket auf den nächsten Morgen umbuchen zu lassen.

"Hallo", sagte ich, "ich würde, wenn möglich, mein Ticket nach Barcelona gerne auf morgen früh umbuchen."

"Warum fliegen Sie jetzt nicht?", fragte der Gentleman.

"Ich fühlte mich nicht gut", antwortete ich, "deswegen dachte ich, es sei am besten, wenn ich hier bliebe."

"Haben Sie ein Attest?"

"Mmmhhhhhh? Nein. Mein Unwohlsein begann erst vor etwa einer Stunde."

"Ohne ein Attest kann ich Sie nicht umbuchen."

"Uhhhhh. Es ist ein frei umbuchbares Ticket, deshalb glaube ich nicht, dass ein Arzt in dieser Debatte etwas zu suchen hat."

"Ohne Attest können Sie nicht umbuchen. So lautet die Vorschrift."

"Ich muss ein Attest einholen, obwohl mein Ticket Umbuchungen zulässt? Das erscheint mir irgendwie sehr unwahrscheinlich."

"Ich erkläre Ihnen nur die Vorschriften. Sie müssen einen Arzt aufsuchen", fauchte der Gentleman.

"Ich denke, wir sollten einfach zurückspulen, neu starten und Sie gucken sich meine Buchung dann noch mal ganz genau an", schlug ich vor.

"Sagen Sie mir nicht, wie ich meinen Job zu machen habe", sagte er.

Als ich mehr als nur ein bisschen frustriert von dannen zog und nach einem freundlichen Gesicht Ausschau hielt, fiel mir eine weitere Einsatzmöglichkeit für einen Ganzkörper-Scanner ein. Vielleicht sollte es spezielle Durchleuchtungsgeräte für alle im Servicebereich tätigen Mitarbeiter an Flughäfen, Hotel, Restaurants und in Läden weltweit geben. Leute, die zur Arbeit kommen und ihren Sinn für Humor und ihr Lächeln zu Hause gelassen haben, werden daran gehindert, ihren Posten einzunehmen.

Autor:
Tyler Brûlé