Fast Lane Tyler gibt Urlaubstipps

Bodrum

Für die Poststelle hier bei Fast Lane war die vergangene Woche besonders stressig. Von den fernen Inseln Schottlands bis zu den grünen Vororten Düsseldorfs und von San Diegos Vorstädten bis zu Londons Zentrum trafen Briefe von Lesern aus der ganzen Welt ein, in denen die Krawalle und der allgemeine Niedergang dessen, was als akzeptable Kleidung in der Öffentlichkeit durchgeht (das Thema meiner letzten Kolumne), ganz unterschiedlich bewertet wurden.

Trainingshosen waren eine beliebte Zielscheibe, ein paar Leute merkten allerdings an, dass die Situation in Großbritannien im Vergleich zu anderen Ländern gar nicht so schlimm sei. In Irland hätten die Leute es sich beispielsweise angewöhnt, im Schlafanzug auf die Straße zu gehen und an amerikanischen Flughäfen wäre in den Terminals von Pittsburgh bis Dallas offenbar alles erlaubt (viel nackte Haut, viel Bademode und nicht annähernd genügend Schuhe).

Zwischen den Briefen, die sich für neue Uniformen für den Alltag einsetzen und für Direktiven, wie man sich am Arbeitsplatz zu kleiden habe, befanden sich auch Kommentare und Anfragen, wie sie eigentlich typischer für die Saison sind. Jetzt, wo in Großbritannien der Bank Holiday und in den USA der Labour Day vor der Tür stehen, füllen sich die Postfächer Mitte August wie immer mit der Korrespondenz von Lesern, die augenscheinlich vergessen haben, sich um ihre Urlaubsplanung zu kümmern und jetzt schwitzen, weil sie nicht nur den Transport und die Unterkunft für Freunde und die Familie organisieren müssen, sondern auch noch herausfinden sollen, was in die Reisetasche gehört, wo man einen Tisch für ein gemütliches, weinseliges Mittagessen bucht und wie man am besten zu einem sonnigen Fleckchen am Mittelmeer gelangt. Hier sind einige oft gestellte Fragen und die (wie ich hoffe) nützlichen Antworten dazu.

F: Ich war den ganzen Sommer voll im Stress und brauchte jetzt für Anfang September einen Ort mit Sonnengarantie. Eigentlich wollte ich nach Syrien, aber jetzt überlege ich Türkei oder Libanon. Ideen?

A: Die Türkei ist ein großes Land, es wäre also hilfreich, wenn Sie eine etwas genauere Vorstellung hätten. Wenn Sie eher nach einem Resort suchen, könnten Sie sich in einer der hübsche Anlagen rund um Bodrum einquartieren - im September ist aber auch Istanbul sehr angenehm. So sehr ich die Türkei auch schätze, letztlich würde ich Ihnen eine Woche in Beirut empfehlen, bzw. das Albergo im Stadtteil Ashrafieh. Dort verbringe ich gerne meine Tage am Pool im Le Sporting Beach Club - unter den Stellungen der Flugabwehr auf den Hängen über dem Parkplatz.

F: Ich lebe in New York und möchte über den Labour Day ein verlängertes Wochenende in Europa verbringen. Sollte ich eher in die Berge oder ans Meer fahren? Und wie fliegt man am besten?

A: Es ist eine echte Herausforderung, Direktflüge von New York an die guten Urlaubsorte am Mittelmeer zu finden (ich habe kürzlich aber mal ein Delta-Flugzeug auf der Rollbahn in Pisa gesichtet). Deshalb würde ich mit Singapore Airlines über Frankfurt fliegen, um entweder ein warmes Fleckchen Wiese in den Alpen oder einen Haufen heißen Sand am Mittelmeer zu erreichen. Mir persönlich wären am Ende meines Sommerurlaubs die Berge lieber, aber Sie sind ja ganz frei in Ihrer Entscheidung.

Mentholtücher für die heiße Stirn

F: Ich möchte von London aus nach Mykonos fliegen, aber weder mit einem Billigflieger noch über Athen. Hätten Sie einen Vorschlag?

A: Laut meiner Quellen auf der Insel führt der zivilisierteste Weg nach Mykonos mit der Fluggesellschaft Edelweiss über Zürich. So kommen Sie nicht nur in den Genuss des soliden Schweizer Services an Bord eines sauberen Airbus, sondern profizieren auch von vielen Anschlussflug-Möglichkeiten in Zürich.

F: Französische oder Italienische Riviera - was ist sinnvoller für einen Familientrip in der Woche nach dem Labour Day?

A: Wenn Sie mit Kindern verreisen, schlägt kaum etwas die Angebote, die einem in den italienischen Beach Clubs an der Küste Liguriens gemacht werden - ein zuverlässiges Restaurant, guter Kaffee, Rettungsschwimmer, gemütliche Liegestühle und (nur für Erwachsene) eine Runde Aperol-Spritz-Cocktails am späten Nachmittag.

F: Wie viel Japan kann ich an fünf Tagen Ende August abdecken?

A: Das hängt davon ab, wie sehr Sie ins Schwitzen kommen wollen. Obwohl ich der Meinung bin, dass Japan sich eigentlich zu jeder Jahreszeit lohnt, versuche ich meine Reisen während der Sommermonate zu begrenzen. Und sollte es mich doch nach Tokio oder Osaka verschlagen, bewege ich mich so langsam wie möglich, ich trage einen Fächer mit mir herum sowie eine Packung Menthol-Erfrischungstücher von Gatsby für die Stirn. Wenn Sie die Möglichkeit haben, Ihre Reise ein wenig zu verschieben, peilen Sie Mitte Oktober oder November an.

F: Ich möchte mit so wenig Schuhen wie möglich verreisen. Welches ist für Sie der perfekte Schuh für den Sommer?

A: Viel Glück, wenn Sie nur ein Paar Schuhe für ihren Sommerurlaub einpacken können! Wenn es um ein gutes Paar fester Schuhe geht, die Sie sowohl am Strand als auch in der Stadt oder den glänzenden Fliesen einer Tanzfläche tragen können, kann ich Ihnen Ludwig Reiters Espadrilles wärmstens empfehlen. Sie werden nicht nur in Österreich hergestellt, sondern haben auch eine dünne Gummisohle, die sie davor bewahrt, sich mit Wasser vollzusaugen.

F: Ich würde mich gerne mit meinen Büchern in einem Hotel verkriechen. Fällt Ihnen etwas Passendes ein?

A: Ich habe im Juni mal gut eine Woche im Locanda al Colle außerhalb von Pietrasanta (Toskana) verbracht und kann es jedem empfehlen. Man kann zwar nicht gerade zu Fuß in den Ort spazieren, aber der Pool ist schön, das Essen exzellent und die Aussicht eine Wohltat für die Augen - eine guter Platz mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn es Sie in alpinere Höhen treibt, könnten Sie ins winzige Lej da Staz fahren, das sich in ein Tal oberhalb von St. Moritz schmiegt. Die Mahlzeiten sind herzhaft und der kleine See perfekt für ein morgendliches Bad.

Autor:
Tyler Brûlé