Fast Lane Tipps vom Weihnachts-Tyler

Von wegen "Fast Lane"! Das Leben gestaltete sich in der letzten Woche leider alles andere als "fast", da die Start- und Landebahnen in Frankfurt und München wegen heftigen Schneefalls gesperrt worden waren. Am Mittwochnachmittag sah es einen Moment lang sogar so aus, als ob die gesamte Infrastruktur Europas unter der herrschenden Inkompetenz (Warum brauchten einige Flughäfen mehr als fünf Tage, bis sie wieder geöffnet werden konnten?) und der Last restriktiver Arbeitsgesetze zusammenbrechen würde - ich bin mir sicher, dass es eine EU-Richtlinie gibt, die die Anzahl an Kilo Schnee festlegt, die ein Flughafen-Angestellter pro Stunde per Hand schaufeln darf.

Während wir in Rom saßen und darauf warteten, dass der Flug nach München aufgerufen werden würde, bekam ich plötzlich Angst, möglicherweise all meine Weihnachtseinkäufe in der italienischen Hauptstadt machen zu müssen (nicht, dass dies große Entbehrungen zur Folge gehabt hätte), statt meinen minutiös ausgetüftelten Plan umzusetzen, der strategische Zwischenstopps in Helsinki, London, Wien, Tokio und ein paar anderen Städten vorsah. Mit 90-minütiger Verspätung starteten wir aber schließlich Richtung Frankfurt und kamen nach ein paar weiteren Hindernissen am Donnerstag kurz nach 2 Uhr morgens in Helsinki an, wo ich mit dem Christmas Shopping loslegen konnte.

Ich habe beschlossen, in diesem Jahr mal kleinere, unabhängige Hersteller und Einzelhändler zu unterstützen. Nicht, dass ich das sonst nicht auch versuchen würde, aber es kommt doch immer wieder vor, dass ich schwach werde. Diesmal habe ich mir geschworen, nicht in die Falle zu tappen, einen der "One-Stop-Shops" aufzusuchen oder massenhaft Bücher bei Online-Händlern zu bestellen.

Tylers Geschenke für ein stilvolles Weihnachten

Meine Liste an zu Beschenkenden ist zwar übersichtlich, die Bandbreite jedoch ganz schön groß und die Geschmäcker anspruchsvoll genug, um die Einkäufe zu einer Herausforderung zu machen, die sorgfältiger Planung bedarf. Jetzt, wo Heiligabend näher rückt und Sie merken, dass Ihnen die Zeit davonläuft und die Optionen schwinden, mögen Sie vielleicht folgende Tipps in Betracht ziehen.

Johanna Gullichsen, Helsinki: Bekannt für ihre feinen, in Finnland gewebten Stoffe, ist Gullichsen in Tokio ein fast noch größerer Star als in ihrer Heimat. Dementsprechend folgt ihre Ästhetik dem Motto "Norden trifft Nippon". Ich habe mich dort mit Decken in erdigen und schlichten Taschen mit kontrastierenden Streifen sowie Leinentischdecken und grafisch gemusterten Kissenbezügen eingedeckt. Gullichsen gehören Läden in Helsinki und Paris, sie wird auch bei Beams in Japan vertrieben.

Margaret Howell, London: Meine Einkaufsrunde in London umfasst nicht mehr als einen Quadratkilometer, aber glücklicherweise fällt Howells Laden an der Wigmore Street gerade noch in diesen Bereich. Während ich versuche, meinen Kleidungsvorrat dort nicht übermäßig aufzustocken, kaufe ich doch in der Regel immer ein Buch oder einen Haushaltsartikel aus ihrer bestens zusammengestellten Kollektion. Howell konzentriert sich von Einrichtungsgegenständen bis zu Keramikware auf "Made in UK" - gelegentlich ergänzt durch ein Stück des Designers Sori Yanagi.

Daunt Books, London: Eigentlich eine Kette (wenn auch eine winzige), aber Daunt gelingt es irgendwie, all seine Läden einzigartig wirken zu lassen und überdies Personal anzustellen, das sich dem gedruckten Wort leidenschaftlich verbunden fühlt und gleichzeitig ein Beispiel für perfekte Kundenbetreuung abliefert. Falls es zeitlich eng wird und Sie sich zufällig in London befinden sollten, werden Ihnen die Angestellten bei Daunt gerne helfen, die richtigen Bücher für Geschwister, Kinder, Vorgesetzte und Ehefrauen zu finden - und diese auch noch hübsch verpacken.

Mackintosh, London: Mackintosh - ansässig in Schottland, sich aber in japanischem Besitz befindend - hat gerade rechtzeitig zu Weihnachten seinen ersten freistehenden Laden in London eröffnet. Die eleganten, gut geschnittenen Kollektionen von Regenmänteln und Oberbekleidung - alles "Made in Scotland" - sind in einem klitzekleinen Laden an der Mount Street untergebracht. Auch wenn Mackintosh in Übersee vielleicht noch einen größeren Namen hat als im Vereinigten Königreich, war es sicherlich richtig, dass sie sich bei ihrem Debüt als Einzelhändler für Mayfair entschieden haben. Halten Sie Ausschau nach den fellbesetzten Capes - und jeder Mann fährt gut mit einem klassischen "Navy Mac".

Rud Rasmussen, Kopenhagen: Wenn Ihre Mission darin besteht, im Jahr 2011 Ihre eigene Organisation sowie die Ihrer Familie oder Ihres Geschäfts zu verbessern, dann brauchen Sie eine Regalwand aus Eichen- oder Kirschholz aus dem Atelier von Rasmussen in Kopenhagen. Mit seiner zentral gelegenen Werkstatt hält dieses kleine Familienunternehmen eine Sammlung schöner dänischer Möbelklassiker bereit - die maßgeschneiderten Mogens-Koch-Regalsysteme sind ein echtes Kunstwerk.

Mühlbauer, Wien: Nicht jeder ist ein Hut-Typ, aber wenn Sie einen kennen und dazu noch seine Größe wissen, geht nichts über etwas aus Filz mit einer Feder und einem Hut-Band aus dieser Wiener Institution. Der Laden befindet sich nahe des Grabens - gleich um die Ecke von Loos Bar, in der man ein paar Post-Shopping-Cocktails zu sich nehmen kann.

Ebneter & Biel, St. Moritz: Haben Sie eine Ahnung, wie schwierig es ist, qualitativ hochwertige Bettwäsche zu finden? Das Gleiche gilt für Servietten, Tischdecken, Handtücher und sogar Federbetten? Ebneter & Biel, mitten im Herzen von St. Moritz, verleiht mit seinen vor Ort bestickten Tischdecken, der Bettwäsche oder den Kamelhaardecken aus Italien und der Schweiz auch dem langweiligsten Wäscheschrank wieder Glanz. Das Geschäft hat außerdem einen Bestell-Service, der für die herrlich gestärkten Laken und Bettbezüge Schlossberg-Stoffe verwendet.

Autor:
Tyler Brûlé