Fotografie Tipps für das richtige Foto bei eisiger Kälte

Ein Vertreter des Volks der Tuktoyaktuk in der kanadischen Provinz Northwest Territories
Zwar stehen bei den wenigsten Urlaubern ausgedehnte Fototouren ins ewige Eis auf dem Reiseplan, doch auch wer zum Beispiel "nur" bei einem Trek in den Anden auf einem zugigen Gipfel ein tolles Panorama aufnehmen will, sollte ein paar kameraschonende Regeln beachten. Unser Experte Udo Bernhart war schon häufig an Nord- und Südpol unterwegs und berichtet hier von seinen Erfahrungen - und Frostschäden. 

Die wichtigste Regel lautet: die Kamera so lange wie möglich trocken und warm halten. Das heißt in der Hütte, in einem Fahrzeug, einem Zelt, das den Wind abhält, in einer stabilen, dichten Tasche oder jeder anderen Art von "Hülle" lassen.

Obwohl Kälte ohnehin an den eigenen Reserven zehrt, muss man seine Körperwärme mit der Technik teilen: Die Kamera sollte nämlich zusätzlich von externen Akkus mit Strom versorgt werden, die man unter der Thermo-Kleidung trägt. Da die Akkuleistung bei niedrigen Temperaturen deutlich nachlässt - bei minus 20 Grad beträgt die Leistung schon weniger als ein Viertel - braucht man zum einen mehrere, zum anderen leistungsstarke und frisch geladene Akkus. 

Bevor man einen warmen Raum betritt, sollte die Kamera unbedingt in der Tasche verstaut werden. "Andernfalls beschlagen die Objektive, und wenn man später wieder in die Kälte muss, gehen sie kaputt. Mir sind so schon Objektive in mehrere Teile zerborsten", berichtet Udo Bernhart.

Eislandschaft in den Northwest Territories.
Udo Bernhart
Poesie in Eis. Dieses in den Northwest Territories entstandene Bild wurde bei -45 Grad aufgenommen - ein Härtetest für Mensch und Ausrüstung.
Auch wenn ein Motiv in der Ferne lockt, während man noch das Weitwinkel an der Kamera hat: Draußen nicht die Objektive wechseln, dabei kühlt die Kamera zu schnell aus. Wer schon weiß, dass er mehrere Linsen brauchen wird, zieht am besten mit mehren Kameras los. Man sollte immer nur die Kamera der Kälte aussetzen, die gerade gebraucht wird. Die andere am Körper tragen oder in der Kameratasche so warm wie möglich halten.

Für Fototouren in Gegenden mit wirklich extremen Temperaturen sollte man die Kamera vor der Reise vom technischen Service entfetten lassen. Bei unter minus 30 Grad Kälte funktioniert so manches Display nicht mehr, deshalb: Einstellungen vornehmen, so lange man noch im Warmen ist.

Polarlicht über den Mackenzie River in der Provinz Northwest Territories
Udo Bernhart
Der kanadische Winter ist für seine extremen Minusgrade berüchtigt. Hier weht ein grünes Polarlicht über den Mackenzie River in der Provinz Northwest Territories.
Wenn man die Kamera nicht braucht, sollte man sie gut austrocknen lassen. Sonst kann die Feuchtigkeit, die bei Temperaturschwankungen auch im Inneren der Kamera entsteht, Schäden verursachen. 

 Und last but not least sollte jeder an sein eigenes Wohl denken: Nicht die Handschuhe ausziehen, sondern gleich welche tragen, mit denen man die Kamera bedienen kann.

Fotograf Udo Bernhart in der Arktis.
Udo Bernhart
Fotograf Udo Bernhart in der Arktis.
Zur Person:
Udo Bernhart arbeitet seit mehr als 35 Jahren als freier Fotograf und Fotojournalist. Im Vinschgau aufgewachsen und der Südtiroler Landschaft eng verbunden, führten ihn Aufträge in die ganze Welt - von Feuerland bis China, von Alaska bis Kamtschatka.

Seine Aufnahmen sind in deutschen sowie internationalen Magazinen erschienen; er hat zahlreiche Fotoreportagen und mehr als 60 Bildbände veröffentlicht. Udo Bernhart lebt in Frankfurt am Main. Mehr unter www.udobernhart.de