Fast Lane Schlafentzug im Schlafanzug

War das eine anstrengende und turbulente Woche hier bei Fast Lane. Aber der zweite Teil der Sommerferien ist zum Glück schon in Sicht, und zu dem Zeitpunkt, wenn Sie dies hier lesen, werde ich gerade meinen Liegestuhl in einer winzigen Bucht an der Amalfi-Küste aufklappen. In der Zwischenzeit bemühe ich mich jedoch, aus den vielen Erfahrungen der vergangenen sieben Tage schlau zu werden, die ich versucht habe zusammenzustellen. Der Einfachheit halber, habe ich sie in chronologischer Reihenfolge aufgelistet:

1. Achten Sie darauf, um welche Uhrzeit Sie von London nach Hongkong fliegen!

Ich tendiere dazu, nicht allzu sehr auf Ablugzeiten zu achten und konzentriere mich stattdessen mehr auf die Airline und den Flugzeugtyp, wenn ich eine Reise buche. Bei dem großen Angebot zwischen London und Hongkong, klang der erste tägliche Cathay-Pacific-Flug am besten (eine 747-400, gegen Mittag startend). Ich ließ meinen Kollegen Alex einen Platz für mich buchen - und muss leider immer noch mit den Folgen leben. Der mittägliche Abflug landet kurz vor Mitternacht Londoner Zeit in Hongkong und sorgte bei mir für eine Woche der Grantigkeit, da ich beim Hinflug nicht richtig schlafen konnte, am nächsten Tag aber Vollgas geben musste und nicht die verlorenen Zeit nicht wieder aufholen konnte.

Fliegen Sie nicht am gleichen Tag nach Tokio weiter

Auf dem Papier hatte es noch wie eine produktive Idee ausgesehen, auf meinen Geschäftstag in Hongkong einen mitternächtlichen Flug nach Tokio Haneda folgen zu lassen. Schließlich würde ich so Hotelkosten sparen und am Freitag rechtzeitig für einen Tag voller Besprechungen in Tokio sein. Aus irgendeinem Grund hatte allerdings niemand diesen Plan den reizenden Leuten bei der ANA mitgeteilt und aus einem weiteren unerfindlichen Grund beschlossen sie, die meiste Zeit des dreieinhalbstündigen Flugs über die volle Beleuchtung angeschaltet zu lassen. An Schlaf war nicht zu denken.

Ein Friseurbesuch kann Ihre innere Uhr wieder herstellen

Der Freitag in Tokio war eher "hecklastig", was meine Terminsetzung anbelangte. Deshalb nahm ich den Vorschlag meines Kollegen Masumi auf, bei im Zentrum Tokios zum Frisör zu gehen. Bevor ich mich auf den Weg machte, ging ich noch bei meinem Lieblingsbarbier in der Nähe des Peninsula Hotels vorbei, um meinen Bart trimmen zu lassen, dann ging's weiter nach Roppongi, wo man mir die Haare machte. 90 Minuten später war vom Stress der zwei Flüge dank einer luxuriösen Haarwäsche und einer Kopfmassage nichts mehr zu spüren.

Joggen rund um den Kaiserpalast kann Sie zurückwerfen

Nach einigen Besprechungen am frühen Abend holte ich meine Joggingsachen raus und beschloss, einmal um den Kaiserpalast zu laufen. Zu jenem Zeitpunkt war das definitiv eine gute Idee, aber als ich zurück auf mein Zimmer kam, war ich extrem nah dran, das Abendessen zu verpassen - und später am Abend war ich beim Dinner auch ein unbrauchbarer Gast. Nichtsdestotrotz bleibt es einer meiner Lieblingsjoggingrouten auf der Welt.

Nehmen Sie sich in Acht vor Bekleidung mit Metallfasern im Stoff

Das aus New York kommende ist eines meiner Lieblingsmodelabels - einen ihrer neuen Stoffe für den Sommer 2010 aber mag ich überhaupt nicht. In ihrem Laden in Aoyama zog es mich sofort zu einem Paar Khaki-Shorts, die eine interessante Dry-Finish-ähnliche Optik hatte. Ein Blick aufs Etikett verriet, dass die Shorts aus einer Baumwoll-/Metallmischung bestanden, und ohne mich näher damit beschäftigt zu haben, kaufte ich sie. Beim ersten Tragen bekam ich zahlreiche Komplimente. Beim zweiten (am Samstag, nachdem ich sie gewaschen hatte), landete ich fast im Krankenhaus. Nach etwa zwei Stunden begann der Stoff schlecht auf irgendeine Reibung der inneren Oberschenkelpartien zu reagieren und schien sich in Stahlwolle zu verwandeln. Am Anfang fiel es mir nicht weiter auf, ich nahm an, das brennende Gefühl habe mit der hohen Luftfeuchtigkeit zu tun. Als ich aber in Narita angekommen war, um von dort nach Los Angeles weiterzufliegen, erinnerten die Innenseiten meiner Oberschenkel an rohes Fleisch. Da ich mein Gepäck bereits aufgegeben hatte (Ja, ja, ich weiß, aber es war einfach zu schwer), konnte ich mich nicht mehr umziehen. Mein Herz wurde schwer, als mir der Boarding Pass ausgehändigt wurde und ich sah, dass "Gate 55" vorne draufgedruckt war. Schließlich ging ich zum Flugzeug, es muss ausgesehen haben, als sei ich gerade auf einem Pferderücken quer durch Japan geritten.

Kommen meine Shorts durch den Metall-Detektor?

Gott sei Dank, ja.

Schlafanzüge an Bord sind doch eine gute Sache

Normalerweise bin ich nicht gerade ein Fan jener Schlafanzüge, die einem an Bord von den Fluggesellschaften zur Verfügung gestellt werden. Die neue marineblauen Baumwollanzüge, die bei ANA herausgegeben wurden, retteten allerdings meine Schenkel. In der Sekunde, in der sie verteilt wurden, war ich auch schon auf der Toilette, um die Stahlwolle-Shorts durch die kühlen Pyjamas zu ersetzen. Eine sorgfältige Untersuchung im Waschraum zeigte, dass ich gerade noch mal um einen dauerhaften körperlichen wie seelischen Schaden herumgekommen war.

Soll ich oder soll ich nicht?

Ich fühlte mich so wohl in meinem Schlafanzug, dass ich beim Überqueren des Pazifiks mit einem Dilemma konfrontiert war: Soll ich den Pyjama auch außerhalb des Flugzeugs anbehalten oder muss ich kurz vor der Landung wieder zurück in meine Shorts wechseln? Da ANA es den Passagieren nicht gestattet, die Schlafanzüge zu behalten (eine gute Ansage, möchte ich hinzufügen), war die Entscheidung schon gefallen und ich wartete bis zum allerletzten Moment, um wieder in die aggressiven Shorts zu wechseln.

Soll ich oder soll ich nicht? - Teil zwei

Frage ich nach dem Rollstuhl-Service, um mich durch die Einwanderungskontrolle von LAX zu bringen? Oder marschiere ich den ganzen Weg runter zur Ankunftshalle noch mal in meinem Cowboy-Gang? Am Ende habe ich mich selbst hingequält.

 

Soll ich oder soll ich nicht? - Teil drei

Schicke ich die Dinger zusammen mit einer bösen Anmerkung zurück an den Hersteller, oder nicht? Keine Sorge, sie wurden bereits vom Kurier abgeholt. Ich habe mich dafür entschieden, keine Fotos der Wunden dazuzulegen.

Übersetzung MERIAN.de: Andrea Fonk

 

Autor:
Tyler Brûlé