Fast Lane Nieder mit den Energiesparlampen!

Sie haben in den vergangenen Monaten vielleicht bemerkt, dass ich etwas allergisch auf schlechte Beleuchtung reagiere. Dies hat weder mit abnehmender Sehkraft noch einer angeborenen nordischen Sonnenempfindlichkeit zu tun, sondern mit einer extremen Intoleranz gegenüber dem brutalen künstlichen Licht in Restaurants, Läden, Häusern, Büros, Hotel und Bars, die es eigentlich besser wissen müssten. Gerade zur Weihnachtszeit bin ich besonders sensibel gegenüber grellen Lichtblitzen und viel zu hellen Läden. Nachdem ich in der letzten Kolumne festgehalten hatte, dass die Weihnachtsbeleuchtung von Paris gut und die von London schlecht ist, dachte ich eigentlich, ich wäre mit dem Thema durch - auch wenn ich mich dem Aspekt "schlechte Innenbeleuchtung" nicht näher gewidmet hatte.

Als Tiger Woods' Zusammenprall mit einem Baum dann zehn Stunden nach dem Ereignis plötzlich "Breaking News" wurde, wollte ich also damit beginnen, mich an dieser Stelle über den endgültigen Untergang des Nachrichtenwesens auszulassen. Dass CNN die Geschichte auf eine Stufe mit dem Tod von Michael Jackson stellte, überraschte mich noch nicht sonderlich. Aber auch die BBC brachte nicht nur die Story, sie verschwendete auch noch Satelliten-Zeit, in dem sie einen armen Korrespondenten in Washington befragte, der weder sonderlich informiert noch interessiert wirkte.

Ich ging zufrieden ins Bett in dem festen Glauben, dass die heutige Kolumne sich darum drehen würde, wie die Reinigungskräfte der Redaktionsbüros in Atlanta und London den Bereich internationale Nachrichten verwalten, während sie gleichzeitig die Computerbildschirme abstauben. Als ich Samstagmorgen aufwachte und die Tiger-Woods-Story immer noch über den World Service und andere Stationen lief, wollte ich eigentlich gleich mit der Geschichte loslegen, musste aber noch schnell zum BBC Television Centre stürzen, da ich an Gavin Eslers Sendung "Dateline London" teilnahm.

Am späten Nachmittag - es fing an zu regnen und Dunkelheit senkte sich über die Marylebone High Street - beschloss ich, noch schnell in meinen Lieblingsbuchladen reinzuspringen, um die Neuerscheinungen durchzusehen - und kippte dort fast aus den Latschen. Schon bevor ich die Türschwelle überquerte, hatte ich gespürt, dass irgendetwas nicht in Ordnung war, konnte das Problem von der Straße aus jedoch nicht lokalisieren. Aber als ich nach einer neuen Ausgabe von (vielleicht eine der besten Zeitschriften der Welt) Ausschau hielt, fing ich erst an zu blinzeln, dann wurde mir ein bisschen schwindlig.

Zu viel Koffein? Der Beginn einer Erkältung? Oder eine plötzliche Veränderung des Luftdrucks? Ich schaute mich im Laden um, dann fiel mein Blick auf die Decke. Das Problem bestand darin, dass jemand die Glühbirnen ausgetauscht hatte. Das Licht war jetzt kalt und grell.

Denkmal für einen mutigen Öko-Krieger

Erst hielt ich das für eine Sinnestäuschung. Die reizenden Leute, die das Geschäft führten, wussten doch sicherlich, dass viele Kunden sich nur deshalb stundenlang hier aufhielten, weil das warme Licht Gemütlichkeit ausstrahlte? Davon ging ich zumindest aus.

Um das Ganze genauer zu untersuchen, legte ich die Bücher, die ich bereits angehäuft hatte, neben einem Regal ab. Ich ging von einem Raum in den nächsten und dann quer durch das ganze Geschäft. Tatsächlich, es musste ein internes Meeting gegeben haben, auf dem beschlossen worden war, den Energieverbrauch schon vor der offiziellen Anordnung durch die EU ab 2012 zu reduzieren. (Zur Erleuchtung der Leser außerhalb der EU: Irgendein brillanter Kopf in Brüssel hat entschieden, dass ein totales Verbot aller Glühbirnen, die bisher benutzt worden waren, um die Welt zu erleuchten, erforderlich sei - ohne Zweifel in der Hoffnung, sich damit ein Denkmal als mutiger Öko-Vorkämpfer zu setzen.)

Ich kehrte zu meinem Stapel Bücher zurück, stellte mich an der Kasse an und verwickelte das Personal in ein Gespräch über das Licht.

"Was ist mit der Beleuchtung los?", fragte ich.

"Bekommen Sie Kopfschmerzen davon?", erkundigte sich eine nette Dame.

"Und noch viel mehr", ergänzte ich.

"Hmm. Das Licht ist zwar nicht toll, aber man muss nun nicht mehr so oft die Leiter hochsteigen, um die Birnen auszuwechseln", sagte ein Herr.

Einen Moment lang war ich völlig in Gedanken versunken. War dies also Bestandteil der Personalpolitik? Ein Gesundheits- und Sicherheitsproblem? Zu viele Leute, die Leitern auf- und abstiegen?

"Der Laden hat irgendwie etwas verloren", erklärte ich. "Die angenehme Atmosphäre ist doch sicher auch ein Grund gewesen, warum viele Leute ihre Bücher lieber hier aussuchen, statt am Bildschirm oder in der hässlichen Filiale irgendeiner aggressiven Großhandelskette. Oder sind Sie da anderer Meinung?"

Ich ließ den beiden Zeit zum Nachdenken und trat wieder hinaus auf die windige Straße. Auf dem Nachhauseweg konzentrierte ich mich auf die einzelnen Gebäude und überlegte, in welchen der Wohnungen, Bars und Läden ich gerne Zeit verbringen würde. Alle mich ansprechenden Empfangsräume und Foyers zeichneten sich durch das gute alte weiß leuchtende Licht aus und an allen abweisenden, kühlen Orten entdeckte ich diese seltsam aussehenden Birnen.

Auch wenn das Verbot erst später in vollem Umfang wirksam wird, habe ich das Gefühl, dass dies das letzte Weihnachten sein wird, in dem ein warmes Leuchten über Europa liegt.

Vielleicht gelingt es den Leuten von Osram und Philips ja, noch bessere Alternativen als die im Moment erhältlichen zu entwickeln, aber im Moment sieht es so aus, als ob die Zukunft der Beleuchtung aus Streichholz, Docht und Wachs bestünde.

Autor:
Tyler Brûlé