Big Apple New York: Bio-Restaurants

Wer die Natur in Amerika sucht, wird nicht gerade nach New York fliegen. Mit der Schönheit der amerikanischen Nationalparks kann die Weltstadt selbstverständlch nicht konkurrieren. Andererseits gehört New York aber auch nicht zu den Metropolen, die unter einer Smogglocke zu ersticken drohen: Das Fehlen von Schornsteinindustrien und die Brisen vom nahen Meer sorgen dafür, dass sich die New Yorker weit öfter an einem strahlend blauen Himmel freuen können als etwa die Münchner.

Der Central Park im Herzen Manhattans ist nur einer - und bei Weitem nicht der größte - der vielen Parks, die zusammen ein Siebtel der Stadt bedecken. 22 km Ozeanstrand, vier zoologische und vier botanische Gärten gehören gleichfalls dazu. Doch haben die meisten Besucher nicht die Zeit, von der "grünen" Seite New Yorks mehr als nur flüchtig Notiz zu nehmen.

Für diejenigen, die bei ihren Wanderungen durch das Häusermeer den Kontakt mit Mutter Natur nicht gänzlich missen mögen, empfehlen wir einen Abstecher zum Brooklyn Botanic Garden, dem japanischsten der vier botanischen Gärten gleich neben dem Brooklyn Museum (ÑS. 92) - besonders attraktiv zur Zeit der Kirschblüte im April.

Übernachten

70 Park Avenue Hotel

Ein Hotel, in dem Sie sich wie in der freien Natur fühlen, gibt es in Manhattan nicht. Dieses klassisch möblierte Haus unweit der Morgan Library tut immerhin sein Bestes, um die Natur zu schonen. Zu seinem "earth friendly house-keeping" gehören energiesparende Klima anlagen und Glühbirnen, gedrosselte Duschen, giftfreie Reinigungsmittel und im Restaurant Biokost. Recycling wird ganz groß geschrieben.

• Murray Hill • 70 Park Ave./38th St. • U-Bahn: Park Ave/33rd St. • Tel. 973-2400 • 205 Zimmer • €€

Essen und Trinken

Blue Hill

Zur Zeit der Prohibition frönten hier Unverbesserliche dem verbotenen Alkohol. Heute ist das Kellerlokal der Vatikan der Slow-Food-Bewegung im Village. Die meisten Ingredienzen baut der Chef, Dan Barber, auf seiner Farm in Westchester County nördlich von New York selbst an. "This Morning's Farm Egg", eines der Vorgerichte, serviert mit Pfifferlingen, Mais und Tomatenconfit, legt die Annahme nahe, dass das Ei am gleichen Tag gelegt wurde. Das "Pastured Chicken in the Style of Summer Pot au Feu" ist nicht etwa in einem Käfig groß geworden, bevor es im Kochtopf landete, sondern auf der grünen Wiese. Auch das "grass fed"-Lamm durfte sich auf der Wiese austoben, bevor es den Weg allen Fleisches ging.

• Greenwich Village • 75 Washington Place (zwischen Washington Square und Sixth Ave.) • U-Bahn: Washington Square • Tel. 539-1776 • nur Dinner Mo-Sa bis 23, So bis 22 Uhr • €€€

Pure Food and Wine

Dieses 2004 gegründete, vegetarische Gartenrestaurant in der Nähe des "Gramercy Park" hat erfolgreich bewiesen, dass man sich nicht mit Salaten begnügen muss, wenn man Wert darauf legt, Vitamine, Enzyme und Mineralien nicht im Kochtopf verdampfen zu lassen. Das Geheimnis ist, die Rohkost nur bis maximal 48 Grad zu erhitzen. Publikum und Kritik fanden sofort Gefallen an dem japanischen Rübencarpaccio mit marinierten provençalischen Trüffeln, den thailändischen Kokosnudeln mit Curry, den Kürbisblüten mit Fenchel, Kapern und Kräuterkäse, um nur einige der exotischen Mixturen zu nennen.

• Gramercy • 54 Irving Place (zwischen 17th und 18th St.) • U-Bahn: Union Square • Tel. 477-1010 • nur Dinner tgl. bis 23 Uhr • €€€

Angelica Kitchen

Unter den vielen Essplätzen im East Village, die sich der Biokost verschrieben haben, ist dieser einer der ältesten. Die Küche ist streng vegetarisch; nicht einmal Eier oder Milch werden verwendet, auch kein raffinierter Zucker. Dafür rühmt sich der Koch, der seine Kunst bei einem japanischen Aku punkteur erlernte, dass die Produkte auf dem Tisch oft weniger als 48 Stunden vorher geerntet wurden, überwiegend auf kleinen Familienfarmen. Wem es hier schmeckt, der kann die Lieblingsrezepte der Stammkundschaft in einem Kochbuch nach Hause tragen. Nur Barzahlung, keine Kreditkarten.

• East Village • 300 East 12th St./2nd Ave. • U-Bahn: Union Square • Tel. 228-2909 • tgl. 11.30-22.30 Uhr • €

Better Burger

Sie lieben Hamburger, haben aber beim Verzehr ein schlechtes Gewissen? Dann ist dieses Lokal in Chelsea vielleicht die Antwort auf Ihre Seelenqualen. "Better Burger" - mit zwei weiteren Filialen in Manhattan - empfiehlt sich als organisches Gegenstück zu den unzähligen Vertrieben von lieblos zusammengeklatschtem Junkfood. Der "Pilgrim's Loaf", eine Hommage an die Pilgerväter auf der "May flower", bezieht sein Fleisch nur aus "natürlichem Truthahn". Der "Cowboy Loaf" besteht aus "natürlichem Hackfleisch, angemacht mit Gewürzen des Südwestens, geröstetem Mais, Paprika und geschmolzenem Cheddar Cheese". Die Säfte, die man dazu trinkt, sind alle frisch gepresst, für die Milkshakes wird entrahmte Milch verwendet.

• Chelsea • 178 8th Ave./19th St. • UBahn: 7th Ave./18th St. • Tel 989- 6688 • So-Do 11-23, Fr, Sa bis 23.30 Uhr • €

Blossom

Gemütlichkeit bei Kerzenschein und Kaminfeuer bietet dieses Townhouse im trendigen Galerieviertel. Die Küche ist nicht nur vegetarisch, sondern "vegan", d.h. auch Tierprodukte wie Milch, Eier und Honig werden hier verschmäht. Außerdem ist sie koscher und verwendet nur organische Produkte. Dass die pflanzlichen Imitate von Kalbsschnitzeln und anderen Fleischgerichten Gourmet-Ansprüchen genügen, haben Auszeichnungen wiederholt bestätigt.

• Chelsea • 187 9th Ave. (zwischen 21th und 22nd Street) • U-Bahn: 23rd St./ 8th Ave. • Tel. 627-1144 • Lunch Fr-So 12-15 Uhr, Dinner So-Do bis 21.30, Fr, Sa bis 22 Uhr • €€

Counter

Vegetarisch ist nicht gleich antialkoholisch - das ist die Botschaft, die die "organische Wein- und Martini-Bar" im East Village verkündet. Mit Matetee und Birkenstock-Sandalen hat man hier nichts am Hut. Die mehr als 200 biodynamischen Weine und Cocktails - darunter einer mit dem beziehungsreichen Namen "Angry Lesbian" - auf der Getränkekarte wenden sich an ein lebensfrohes Publikum, das einen guten Tropfen nicht verschmäht. Dazu verzehrt man einen "East Side Burger" aus Pilzpâté, Kräutern und Seitan (Weizeneiweiß von fleischähnlicher Konsistenz, einer Erfindung chinesischer Köche). Andere Renner sind die marinierte Gemüseterrine und die Walnuss-Linsenpastete. Zum Nachtisch empfiehlt sich eine Crème brûlée mit nachhaltigem Ruby-Portwein.

• East Village • 105 1st Ave. (zwischen 6th und 7th St.) • U-Bahn: Astor Place • Tel. 982-5870 • nur Dinner bis 24 Uhr, Fr, Sa bis 1 Uhr; Fr, Sa auch Brunch • €€

Einkaufen

Santa Maria Novella

Wie es sich gehört, hat sich die New Yorker Zweigstelle der Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella in Florenz, einer der ältesten Parfümerien der Welt, in SoHo, im historischen Cast Iron District, niedergelassen: Das Mutterhaus blickt auf sieben Jahrhunderte zurück. Die Atmosphäre erinnert an eine mittelalterliche Klosterapotheke, die Flakons und Tiegel wirken entschieden archaisch. Uralten Rezepten folgen auch die Tinkturen und Cremes, die hier feilgeboten werden. 34Der "Essig der sieben Diebe" (Aceto dei Sette Ladri) ist ein naher Verwandter des Riechsalzes, das man benötigte, als es noch zum guten Ton gehörte, dass Frauen bei passender Gelegenheit in Ohnmacht fielen. Die Rezeptur geht auf das 16. Jh. zurück. Auch bei den zeitgemäßen Produkten achtet das Haus darauf, dass sie aus organischen Essenzen zusammengesetzt sind: Das Sandelholz-Eau-de-toilette ist eine Mischung aus sizilianischen Orangen, tibetanischem Moschus, australischem Lavendel und brasilianischem Rosenholz. Bei der Seifenherstellung werden ebenfalls nur reine Essenzen verwendet. Jedes Stück Seife wird zudem nach wie vor auf traditionelle Art und Weise von Hand gepresst und verpackt. Diese Qualität hat natürlich ihren Preis - doch die große Fangemeinde bestätigt, dass er gerechtfertigt ist.

• SoHo • 285 Lafayette St. (zwischen East Houston und Prince St.) • U-Bahn: Prince St. • Tel. 925-0001

Sustainable NYC

Wer seinen grünen Freunden ein Geschenk aus New York mitbringen möchte, findet in diesem Laden garantiert das Richtige. Neben einschlägiger Literatur reicht die Auswahl umweltfreundlicher Produkte von Tees für Schwangere und Sonnenölen aus umweltfreundlichen Rohstoffen bis zu indonesischen Vasen aus wiederaufbereiteten Zeitungen und Arm bändern, die beim Joggen Wind- und Sonnenenergie speichern.

• East Village • 139 Ave. A/9th St. • U-Bahn: Astor Place • Tel. 254-5400

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Dieser Text von Jörg von Uthmann ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "New York".

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