Fast Lane Neues vom Sparfuchs

Die Wahrscheinlichkeit, dass viele Leser dieser Kolumne die vergangene Woche in erster Linie in einem stickigen Konferenzraum verbracht haben, um die Budgets für 2011 festzulegen, ist relativ groß. Bestimmt werden sie damit auch noch die nächsten Wochen verbringen - so lange, bis sich alle ganz sicher sind, dass der Vorstand das Ganze absegnen wird. Um diesen Prozess zu beschleunigen - und damit die Leute sich wieder interessanteren Aufgaben zuwenden können - hat die Finanzabteilung von "Fast Lane" eine Liste von Bereichen vorbereitet, in die ein Unternehmen investieren sollte, und andere, wo wie verrückt gespart werden kann.

Wofür man Geld ausgeben sollte:

1. Investieren Sie in Schaufensterdekoration

Die letzten Jahre waren grausam für Schaufensterdekorateure. Ist Ihnen schon mal dieser schreckliche Trend aufgefallen, von dem viele Einkaufsstrassen in London, New York und Sydney befallen sind? Vorbei die Zeiten der gut gekleideten Schaufensterpuppen, der kunstvollen Auslagen und komplizierten Installationen. Um genau zu sein: Die Institution Schaufenster scheint als solche scheint passé zu sein. Um Kosten zu sparen sind viele Einzelhändler dazu übergegangen, ihre Scheiben einfach mit Papier vollzukleistern, auf dem Werbeslogans und Logos stehen. Solche Plakate machen nicht nur Einkaufspassagen langweiliger, sie sind auch weder für die Kreativität noch für den Verkauf vorteilhaft - sie sind einfach nur potthässlich.

Skype ist kein Ersatz

Zu viele Nachrichtensender machen sich das Leben einfach, in dem sie es zulassen, dass Experten die Lage einfach gemütlich aus ihrem Schlafzimmer heraus per Skype kommentieren, statt dass in ordentliche, qualitativ hochwertige Festnetzanschlüsse investiert wird. Skype wirkt billig und sorgt ausserdem häufig für unvorteilhafte Kameraeinstellungen. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie viele zugeschaltete Gäste auf CNN den Kamerawinkel offenbar so justiert haben, dass man direkt in ihr rechtes Nasenloch guckt?

Outsourcing rentiert sich nicht

Vielleicht ist Outsourcing irgendwo und irgendwann auch mal sinnvoll, aber der Tiefpunkt ist erreicht, wenn das Konzept zu einer Kette von Schuldzuweisungen führt. Eine Kollege, der das Pech hatte, dass sein Gepäck auf einem British-Airways-Flug nach Zürich verloren ging, erzählte mir die Geschichte, in der jeder Subunternehmer des Bereichs Gepäckermittlung erklärte, dass es nicht seine Schuld und im Übrigen auch nicht sein Problem sei: "Tut uns Leid, aber das ist ein Fehler von British Airways. Wir kümmern uns nur um deren Anrufe." Ein weiterer Kollege hatte ein ähnliches Problem mit British Telecom. Und wieder ein anderer mit British Gas. Könnte das ansteckend für alle Firmen sein, die das Wort "British" im Namen tragen?

Flugzeuge sind zum Lesen da

Zeitungen und Zeitschriften sollten nicht mehr im Flugzeug verteilt werden, hört man das Management von Luftfahrtgesellschaften immer wieder argumentieren. Sie seien zu schwer, zu kostspielig und außerdem hätte heutzutage doch eh jeder ein iPad. Das ist Quatsch. Lesen und Fliegen gehören zusammen wie eisgekühlter Krug-Champagner und Karaoke. Im Übrigen hat die gebeutelte Öffentlichkeit keinerlei Interesse daran, eine weitere Gerätschaft mit sich herumzuschleppen, die aufgeladen werden muss.

Zigarettenkippen beseitigen

Regierungen, die das Rauchen in geschlossenen Räumen verbieten, sollten daran arbeiten, die ganzen draußen herumliegenden Kippen zu entsorgen. Wenn sie schon massiv im Gesundheitswesen sparen, sollten sie auch etwa dafür tun, die Lebensqualität zu verbessern und die Straßen sauber halten.

Wo man etwas einsparen kann: Mehr Geld für die Bank

Obwohl ich absolut dafür bin, dass es in Flugzeugen Hausschuhe gibt (warum Leute in Socken oder barfuss auf urinbesprenkelte Bordtoiletten gehen, entzieht sich meinem Verständnis), sollten sie den Passagieren zum Kauf angeboten werden, statt dass man sie in die Rückenlehnen stopft. Da Fluglinien die Schlupfschuhe eher wegwerfen als sie zu reinigen und wiederzuverwenden, wird hier eine Menge Geld verschwendet.

Miese Kosmetik

Die Bordkosmetikartikel sind nicht nur völlig überflüssig, sondern auch kostenträchtig. Da die meisten außerdem von eher bescheidenerer Qualität sind, funktionieren sie überdies nicht gerade als Werbung für die Marke. Es wäre viel gescheiter, den Passagieren einfach ein paar Produkte anzubieten, wenn sie auf dem Weg ins Bad sind.

Staubfänger aus dem Hotel

Verstauben bei uns zu Hause nicht schon genug Hotelseifen und Shampoos? Was ist eigentlich gegen ein paar hübsche Shampoo-, Conditioner- und Seifenspender in den Badezimmern einzuwenden?

Kein Geld für hässliches Laminat

Vorstandsvorsitzende müssen aufhören, Budgets für neue Büromöbel abzusegnen, die schon zerkratzt und eingedellt sind, wenn die Umzugshelfer auch nur die Hand drauflegen. Und sie müssen ihren Namen nicht für billige Materialien hergeben, die ihre Marke nur reizlos und schäbig aussehen lassen.

Unsinnige Fahrrad-Projekte

Jetzt, wo sich jede Stadt darum reißt, so schnell wie möglich ein eigenes Fahrradverleih-System auf die Beine zu stellen, starten viele mit Programmen, die die Verkehrssicherheit außer Acht lassen. Ich bin generell kein Freund von Helmpflicht. Noch weniger bin ich allerdings ein Freund von Fahrrad-Sharing-Projekten in Städten mit Helmpflicht. Wer nimmt auf seinen spontanen Wochendtrip denn bitte seinen Fahrradhelm mit? Und wer will sich einen vielfach benutzten ausleihen? Städte sollten so was durchdenken, bevor sie Gelder dafür zur Verfügung stellen.
Autor:
Tyler Brûlé