Afrika Namibia: Nachhaltiger Tourismus

Namibia zeigt sich umweltbewusst und das nicht erst seit der grünen Welle aus "Übersee", wie Namibier Europa nennen. Ohne Respekt vor der ökologischen Balance ihrer ariden Heimat hätten Viehzüchter, Farmer und Jäger nicht überleben können. Natürlich wurden auch in Namibia Fehler gemacht: Überweidung, unkontrollierter Abschuss von Wild, sorgloser Umgang mit Wasser haben die Ausbreitung der Wüste beschleunigt und manche Tierarten beinahe ausgerottet - doch diese Auswüchse wurden unterbunden.

Eine Gefahr für das ökologische Gleichgewicht stellt heute der Tourismus dar: Lodges in unberührter Natur, der hohe Wasserverbrauch, das Einfliegen von Lebensmitteln belasten die Umwelt. Im Tourismus treten zudem die ethnisch-sozialen Probleme Namibias deutlich zutage: Kaum eine Lodge, Gästefarm oder Reiseagentur gehört einem Farbigen, der Bevölkerungsmehrheit begegnet der Reisende fast nur in Gestalt von Hilfskräften, von den Einnahmen aus den Safaris profitiert die lokale Bevölkerung kaum. Namibias Antwort auf diesen Missstand heißt NACOBTA. Die Organisation für nachhaltigen Tourismus fördert Projekte von lokalen Gemeinschaften.

Übernachten

Onkoshi Camp

Das neue Luxuscamp der Namibia Wildlife Resorts im nordöstlichen Teil des Etosha National Park wurde fast ausschließlich aus natürlichen, vor Ort vorkommenden Materialien errichtet und gewinnt die benötigte Energie zu großen Teilen aus Solarzellen. Es liegt völlig einsam am Rande des Etosha National Park mit Blick auf die Salzpfanne. Die Bungalows und das Haupthaus ruhen auf Stelzen und sind durch Stege verbunden - die empfindsame Natur soll möglichst wenig gestört werden. Das Camp kann nicht mit dem eigenen Fahrzeug angefahren werden; ein Shuttledienst bringt die Gäste von Namutoni zu diesem ebenso idyllischen wie komfortablen Vorposten.

Buchung über • 15 Chalets • €€€€

P.A.W.S. & Okonjima Lodge

Mit Gründung der "People And Wildlife Solutions" hat sich die im Schutz von Geparden und Leoparden seit Jahrzehnten engagierte Okonjima Lodge das Ziel gesetzt, die durch den Menschen gestörte Balance zwischen Tier und Natur wiederherzustellen. Verletzte oder verwaiste Raubkatzen werden auf der Farm gesund gepflegt und ausgewildert. Gäste erleben, untergebracht in luxuriösen, harmonisch in die Natur integrierten Unterkünften, den Zauber der Wildnis und lernen viel über die Herausforderungen des Tierschutzes in Namibia. Zur Unterstützung dieser Arbeit nimmt Okonjima auch Volontäre auf, die beim Reparieren von Zäunen und Wasserlöchern helfen und beim Verfolgen von Leopardenspuren, der Freilassung von Geparden, bei Walking Safaris und Wildfahrten Namibia hautnah erleben.

• ca. 72 km südwestl. von Otjiwarongo, Abzweig von der B1 • Tel. 067/68 70 32 • 30 Zimmer in mehreren Camps, teils Luxuszelte, teils gemauerte Häuser • keine Kinder unter 8 Jahren • €€€€€€€

P.A.W.S: • Volontäre um 350 €/Woche inkl. Verpflegung

Grootberg Lodge

Die wunderschöne Lodge liegt in einer von Damara gegründeten Conservancy, einem privat gemanagten Naturschutzgebiet, auf einem Hochplateau und ist das erste Unternehmen dieser Größe in Namibia, das vollständig von der lokalen Bevölkerung geführt wird. Mit finanzieller Hilfe der EU wurde das Projekt gestemmt; erfahrene Touristikmanager haben das Personal ausgebildet. Neben geführten Wanderungen bereichern Pferdesafaris das Angebot an Aktivitäten.

• An der C40 von Kamanjab nach Palmwag bei km 90 • Tel. 0 61/24 67 88 • 12 Zimmer • €€€

Namtib Biosphärenreservat

Farm Namtib liegt nicht nur in einer spektakulären Landschaft am Fuß der Tirasberge, sie ist zudem eine typisch namibische Gästefarm, in der großen Wert gelegt wird auf engen Kontakt zum Gast. Hier erleben die Besucher bei Gesprächen am Abendbrottisch, bei Farmrundfahrten und Wildniswanderungen, wie komplex die ökologischen Zusammenhänge im ariden Südnamibia sind, welche Konsequenzen menschliche Eingriffe oder Klimaveränderung für die Natur haben, spannend und lebhaft vermittelt von der Gastgeberfamilie Theile.

• An der D707, 100 km nordwestlich von Aus • Tel. 0 63/68 30 55 • www.namtib.net • 5 Zimmer, 5 Stellplätze • €€

Einkaufen

Die Öffnungszeiten der hier vorgestellten Projekte sind nicht festgelegt; wenn nicht geöffnet ist, kann man in der Umgebung jemanden finden, der die Verantwortlichen informiert und dafür sorgt, dass aufgesperrt wird. Mashi & Sheshe Crafts Mashi unweit von Kongola und Sheshe am Eingang zum Mamili-Nationalpark sind zwei von NACOBTA unterstützte Kunsthandwerkszentren. Hier können Besucher nach traditionellen Vorbildern gearbeitete Souvenirs einkaufen. Vor allem die Körbe mit ihren Mustern sind wunderschön.

Mashi: an der B8 bei Kongola, etwa 110 km westlich von Katima Mulilo

Sheshe: an der D3511

Onankali Paper Project

NACOBTA hat mehrere spannende Projekte im Ovamboland; eines sei hier stellvertretend vorgestellt: 13 Frauen stellen hochwertiges Papier aus Mahango (Rispenhirse) her. Mit bunten afrikanischen Motiven bedruckt, werden daraus Grußkarten, Briefpapier, Fotoalben und viele andere originelle Mitbringsel, die es im angeschlossenen Curio Shop zu kaufen gibt.

• An der B1, 55 km südöstl. Von Ondangwa • Tel. 0 61/25 59 77 • meist von 9 bis 17 Uhr geöffnet

Aktivitäten

Face to Face Tours

NACOBTA-Projekte bewahren sowohl das ökologische wie auch das soziale Gleichgewicht: Es gibt einfache Camps im Damaraland, Townshiptouren durch Katutura, Wildniswanderungen mit den San … mindestens ein NACOBTA-Projekt sollte auf einer Namibia-Rundreise Pflichtprogramm sein. Die Guides des NACOBTA-Projekts Face to Face Tours führen die Reisenden in das Wohngebiet der meisten schwarzen und farbigen Windhoeker, in das Township Katutura. Dort besichtigt man den Markt, kehrt in einer traditionellen Shebeen-Kneipe ein und macht einen Stopp bei "Penduka", wo bedürftige Frauen schöne Handarbeiten herstellen und verkaufen.

• Windhoek • Tel. 0 61/26 54 46

Kunene Conservancy Safaris

Im nordwestlichen Namibia, dem nördlichen Damaraland und Kaokoveld, wurde die Verantwortung für den Naturschutz den lokalen Volksgruppen, hier Himba und Herero, übertragen. Auch das Safariunternehmen gehört ihnen, und so erleben die Mitreisenden auf ihrer Tour nicht nur spektakuläre Begegnungen mit Wüstenlöwen und -elefanten, sondern erfahren auch, welche Probleme der Schutz der Wildtiere für die Dörfer und Viehherden bedeutet und wie die Menschen heute damit umgehen. Denn der Löwe, der ein Kälbchen der Herde reißt, ist ja auch Kapital der Gemeinschaft, die an den Touristen verdient. Ein Abenteuer mit tiefen Einblicken, unbedingt empfehlenswert!

• Swakopmund • Tel. 0 64/40 61 36

Mule Trails Namibia

Der Fish River Canyon gehört zu den absoluten Highlights im Süden, doch die wenigsten haben die Kondition, ihn zu durchwandern. Mit "Mule Trails" ist dies nun wesentlich einfacher, denn Gepäck, Essen und Wasser tragen die Mulis, die den hier lebenden Nama gehören, welche für die Mithilfe bei den Touren fair entlohnt werden. Unterwegs begegnen den Wanderern Bergzebras, Klippspringern, Kudus, Springböcken und Straußen; übernachtet wird im Freien oder im Zelt.

• Buchung über Unlimited Travel & Car Hire CC, Windhoek • Tel. 0 61/26 45 21

Uakii Wilderness Survival

Das Safariunternehmen aus Gobabis wird von Herero geführt und hat viele interessante kulturelle Begegnungen im Programm. Einen Schwerpunkt bilden die San, mit denen Gäste auf Spurensuche gehen, jagen oder sogar an deren Trance-Tänzen teilnehmen können. Ungewöhnlich ist auch die Tour auf den Spuren der historischen Herero-Trecks durch die Omaheke-Wüste zum Waterberg, wo es 1904 zu der für das Volk so verhängnisvollen Schlacht mit der Schutztruppe kam. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie die Viehzucht auf kommunalem Land funktioniert, wie also Nama und Herero im Gegensatz zu den kommerziellen, zumeist weißen Farmern Viehwirtschaft betreiben, findet zu diesem Thema ebenfalls eine empfehlenswerte Tour.

• Church Street Erf 62, P.O. Box 359, Gobabis • Tel. 0 62/56 47 43

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Dieser Text von Jan-Hendrik Wuttke ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Namibia".