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luggage on cart by airport window

Ich liebe es mit British Airways zu fliegen. Es ist einfach so ... britisch. Wo sonst begrüßt einen der Kapitän an Bord mit einem launigen "Good Morning Ladies and Gentlemen, hello Boys and Girls!". Außerdem bereitet es mir diebischen Spaß, altehrwürdige Wörter wie "splendid" und "bloody" zu verwenden und die Flugbegleiter mit "old chap" und "love" anzureden. Herrlich.

Ein Flug mit den Damen und Herren von der Insel ist einfach so wunderbar altmodisch, dass es einen schon überhaupt nicht mehr wundert, wenn der Erste Offizier beim Anblick der digitalen Bordkarte, die 24 Stunden zuvor auf mein Smartphone heruntergeladen wurde, sich vor Erstaunen kaum einkriegt und einen wunderbaren Monolog über die "modern times" hält. Hätte der Mann einen Schurrbart gehabt, er hätte ihn dabei sicherlich gezwirbelt. Lovely!

Das Personal der britischen Fluglinie hat einfach einen Stein bei mir im Brett. Vielleicht ist es nicht jedermanns Geschmack, aber ich bin ein großer Fan des rustikalen Charmes, den die mir bislang begegneten BA-Leute zu Lande und in der Luft versprühen. Dabei wirken insbesondere die weiblichen Angestellten wie kampferprobte Matronen, die das Ergebnis einer erfolgreichen Kreuzung zwischen Moneypenny, Miss Marple und Emma Peel sind. Kaum ein Problem, dass die Damen nicht lösen können, kaum ein Gast, der sie aus der Ruhe bringt. Und falls doch, dann gibt es verdientermaßen die Handkante. Na ja, vielleicht auch nur einen bösen Blick und keine alkoholischen Getränke mehr.

Auch in Sachen Crowdcontrol, dem Bändigen größer Menschenmassen, beweisen diese kampferprobten Frauen nach meinen jüngsten Beobachtungen einiges Geschick. Denn während andere Airlines nur halbherzig versuchen, das Boarding in Einklang mit den Sitzreihen abzuhalten, gibt es bei BA keine Gnade. Wer es wagt, mit Platz 43a an Bord gehen zu wollen, obwohl erst die Reihen 45 bis 50 aufgerufen wurden, kriegt gnadenlos die Leviten gelesen. Großartig, da bin ich gerne devot. Irgendwie beschämend, dass anscheinend meine Landsleute zu den größten Verursachern jener Flughafen-Stampeden gehören, die einfach jedes Boarding versauen. Wie von der Tarantel gestochen springt der gemeine deutsche Fluggast auf, um in die Maschine zu gelangen, sobald auch nur ansatzweise jemand den Anschein macht, mit dem Einlass zu beginnen. Da fehlt eigentlich nur noch, dass die Ersten im Flieger damit angefangen, die schönsten Plätze mit dem Handtuch zu reservieren. Bloody germans!

Wobei mir noch ein zweites großes Problem beim Boarding einfällt, dass leider selbst British Airways bislang nicht lösen konnte: das unhandliche Handgepäck. Kann mir jemand sagen, wo all die normalgroßen Rucksäcke, Rollköfferchen sowie Akten- und Handtaschen geblieben sind? Anscheinend fliegt inzwischen jeder zweite Reisende mit einer XXL-Version, die locker zwei Drittel des oberen Gepäckfachs in Anspruch nehmen und mir meist nur die Möglichkeit lässt, mein Handgepäck unter dem Vordersitz zu verstauen. Wohin ich dann allerdings meine Füße packen soll, ist mir immer ein Rätsel. Insbesondere auf Langstreckenflügen. In diesem Sinne wäre es doch toll, wenn BA einen Handgepäckschredder einführen würde, der übergroße Taschen innerhalb weniger Sekunden in flexibel verstaubare Schnipsel verarbeitet. James Bonds alter Waffenschmied, der geniale Q, hat bestimmt so ein Teil im Schrank. Ist übrigens auch eine schöne Idee für Lufthansa. Und natürlich für all die anderen Airlines. Splendid!

Autor:
Denis Krah