Rekordversuch Mit dem Trike um die Welt reisen

MERIAN.de: Herr Zmuda, in knapp drei Wochen gehen Sie mit Ihrer Freundin Doreen Kroeber auf Weltreise – hinter dem Steuer eines Ultraleichtflugzeugs, einem sogenannten Trike. Ein ungewöhnliches Vorhaben, wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Andreas Zmuda: Die Idee kam vor etwa neun Monaten auf. Doreen und ich saßen abends zusammen und überlegten, eine Auszeit zu nehmen. Da das Fliegen meine Leidenschaft ist, fassten wir den Plan, diese Weltreise mit einem Trike zu machen.

Wie lange werden Sie unterwegs sein?
Ursprünglich war ein Jahr angedacht. Doch je später es an diesem Abend wurde, desto mehr Länder standen auf unserer Liste, die wir gerne sehen wollten. Schließlich endete unsere gedankliche Weltreise bei einem Zeitraum von knapp drei Jahren.

Und wie viele Länder wollen Sie bereisen?
Wir wollen alle fünf Kontinente bereisen und dabei Länder wie zum Beispiel Mexiko, Kolumbien, Tansania, Brunei, Äthiopien und Marokko besuchen. Insgesamt werden es 74 Länder sein. Über 160.000 Kilometer liegen somit vor uns. Mit 3D-Kameras werden wir unsere Weltreise aus der Luft und auf dem Boden dokumentieren.

Wie haben Sie sich vorbereitet?
Die Routenplanung war wohl der komplexeste Teil der Expedition. Wir müssen Monsunzeiten vermeiden und der Hurrikan-Saison möglichst aus dem Weg gehen. Die Temperaturen spielen ebenfalls eine Rolle, somit können wir in manchen Regionen nur während der Sommermonate fliegen. Aber auch die nötigen Visa zu besorgen nahm viel Zeit in Anspruch. Zudem absolvierte ich mehrere 100 Flugstunden im Trike.

Wo starten Sie?
Am 21. Juli starten wir in Zephyrhills in Florida. Dann geht es erst einmal Richtung Norden zu den Great Lakes, den fünf Großen Seen der USA an der Grenze zu Kanada. Das "Abenteuer unseres Lebens" wird uns dann weiter über Wüsten, Berge und Meere führen sowie in abgelegene Regionen. Die Tour wird ein offizieller Weltrekordversuch für den längsten Flug sein - sowohl zeitlich als auch von der Länge der Strecke -, der jemals ohne Begleitteam und Bodenunterstützung mit einem Trike durchgeführt wurde.

Die letzten Tage der Vorbereitung sind also angebrochen...
Richtig. Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun. Einige Testflüge stehen noch an, Lizenzen und Formalitäten müssen erledigt werden.

Und wissen Sie auch schon, wo Ihr Endziel sein wird?
Nach 988 Tagen und etwa 1000 Starts und Landungen hoffen wir im April 2015 in der australischen Metropole Sydney anzukommen - und wenn bis dahin alles gut gelaufen ist, wer weiß, vielleicht verlängern wir sogar noch.

Ihr Flugzeug ist gerade mal drei Meter lang mit einem zwölf Quadratmeter großem Segel. Wie weit kommen Sie denn überhaupt mit einer Tankfüllung?
Das Flugzeug hat einen 85 Liter Tank. Damit kommen wir im Schnitt 450 Kilometer weit. An Land ist das kein Problem, denn wir können bei Bedarf zwischenlanden. Der erste große Überflug wird von Kanada nach Norwegen sein - übers Wasser. Da müssen auch unsere beiden externen Tanks von je 45 Litern gefüllt sein. Es wird eine große Herausforderung sein, aber ich bin mir sicher, dass wir es schaffen.

In welcher Höhe fliegen Sie?
Wir versuchen möglichst langsam und möglichst niedrig zu fliegen. Unsere durchschnittliche Höhe liegt bei 100 Metern. Schließlich wollen wir auch etwas von der Landschaft sehen, die wir überfliegen. Somit werden wir um die 160 Kilometer pro Tag zurücklegen.

Was nehmen Sie alles mit?
Nicht viel, denn das Gewicht spielt eine große Rolle. Der Platz in dem offenen Flugzeug ist zudem begrenzt. Unsere Kleidung wird um die acht Kilogramm pro Person wiegen. Dazu kommt die Campingausrüstung mit Outdoorküche, etwa zwölf Kilogramm. Einige Ersatzteile für das Trike dürfen natürlich auch nicht fehlen. Vor allem Zündkerzen sind wichtig, die müssen alle 25 bis 50 Flugstunden ausgewechselt werden.

Wann entdeckten Sie Ihre Leidenschaft fürs Fliegen?
Vor zehn Jahren habe ich in Südafrika einen Piloten kennengelernt. Mit ihm ging es zum ersten Mal im Cockpit in die Luft. Seitdem hat mich das Fliegen nicht mehr losgelassen.

Für solch eine Reise braucht man nicht nur eine ganze Menge Mut, sondern auch eine gewisse Bereitschaft zum Risiko. Woher kommt Ihre Abenteuerlust?
Meine Lust auf Abenteuer war eigentlich schon immer da. Bereits mit 14 heuerte ich als Matrose auf einem Kohledampfer an. Bis heute packt mich regelmäßig das große Fernweh. Und ich bin ein spontaner Mensch, ich lasse mich treiben. Einige meiner Ziele habe ich auch dem Zufall zu verdanken. Mit einem Freund zum Beispiel wollte ich vor vielen Jahren Urlaub in Spanien machen. Die Dame im Reisebüro fand aber einen Flug zum gleichen Preis nach Venezuela. So ging es einmal kurzentschlossen über den großen Teich.

Dort sind Sie dann aber sind nicht nur für einen Urlaub geblieben...
Die Herzlichkeit und Lebenseinstellung der Menschen in Südamerika faszinierten mich. Und so blieb ich - insgesamt 20 Jahre und hatte gleich zu Beginn ein Schlüsselerlebnis. Auf einer Dschungeltour in Venezuela traf ich abseits jeglicher Zivilisation auf einen Indianerstamm. Sieben Monate lebte ich mit ihnen im Regenwald - obwohl ich den Dschungel ursprünglich schon nach drei Tagen wieder verlassen wollte. Das war der Anstoß, mich anschließend als Organisator für Dschungel-Expeditionen selbstständig zu machen - unter anderem in Kolumbien, Ecuador und Belize. Und auf einer Amazonas-Expedition durch Peru, Bolivien und Brasilien lernte ich dann vor zwei Jahren Doreen kennen, die zum Glück genauso neugierig auf die Welt ist wie ich.

Ihre Erlebnisse und Begegnungen halten die beiden Globetrotter in ihrem Blog fest.

Autor:
Susanna Bloß