Mit Stil Littbarski für Finnland!

MILAN, ITALY - SEPTEMBER 16: The Cabin Crew of Finnair wearing old style uniforms attend Finnair 85th Anniversary Celebration at Malpensa Airport on September 16, 2008 in Milan, Italy. (Photo by Vittorio Zunino Celotto/Getty Images)

Manchmal denkt man ja spontan, "ach, da wäre ich zu gern dabei gewesen." Bei besonders lustigen oder bedeutenden Begebenheiten, der Royal-Wedding meinetwegen oder der Live-Übertragung der Operation Geronimo (die muss ja, wenn man sich das Gesicht von US-Vizepräsident Joe Biden aus den Zeitungsfotos in Erinnerung ruft, irre spannend gewesen sein). Ich hingegen denke momentan jedes Mal wenn ich am Flughafen Tegel bin, dass ich gern bei dem Meeting zur aktuellen Finnair-Kampagne dabei gewesen wäre. Als irgendein Werber den Finnen zu verklickern versuchte, Pierre Littbarski als "Local Hero" für Deutschland zu verpflichten und das tatsächlich auch irgendwie geschafft hat.

Pierre Littbarski, Ex-Spieler und Noch-Trainer, wirbt aktuell für die Asien-Strecken der finnischen Fluggesellschaft. Demnach richtet sich diese Kampagne an fußballinteressierte Männer mittleren Alters, genauer: sehr fußballinteressierte Männer mittleren Alters, die sich noch dunkel daran erinnern, dass Littbarski Anfang der 1990er Jahre mal in der japanischen Profiliga spielte, Meistertrainer wurde und dort eine gewisse Berühmtheit erlangte. Sonst macht dieser Kölner Ex-Fußballer auf den Werbeplakaten nämlich so gut wie keinen Sinn.

Dirk Nowitzki für die Amerika-Routen, das hätte ich noch verstanden, den kennen zumindest auch Menschen unter 30. Außerdem ist er riesengroß, würde also suggerieren, dass er auch deshalb so gern mit Finnair fliegt, weil die vielleicht extra viel Beinfreiheit anbieten. Littbarski hingegen war vor allem für seine kurzen, krummen Dribbelbeine bekannt und wurde nicht zuletzt deshalb von allen nur "Litti" genannt. Aber auch das hat den Finnen wahrscheinlich niemand erklärt, bevor die Plakate in den Druck gingen. Immerhin haben sie groß "Pierre Littbarski, Fußball-Legende und Trainer" darunter geschrieben. Da können alle, die sich wundern, warum Finnair mit so alten Flugbegleitern wirbt, wenigstens nachlesen, wen sie da eigentlich vor sich haben.

Fluggesellschaften scheinen generell einen etwas schrägen Geschmack zu haben, wenn es um ihre Testimonials geht: Kevin Costner? Für Turkish Airlines? Obendrein heißt die Kampagne "Feel like a star", da nimmt man vielleicht besser einen Schauspieler, der immer noch ein Star ist und deswegen unglaublich viel reisen muss, und nicht einen, der mal einer war und jetzt vor allem Golf spielt. Oder die Werbestrategen von Turkish sind so ausgefuchst, dass sie das natürlich von vornherein bedacht haben und extra nach einem abgehalfterten Schauspieler wie Costner suchten, der jetzt nach dem Karriereknick wieder Linie fliegen muss, statt wie alle richtigen Hollywoodstars im Privatjet zu reisen. Und der deshalb neuerdings auch in der Türkei Urlaub macht, statt immer nur auf den Malediven abzuhängen. Vielleicht ist Kevin Costner aber auch einfach immer noch eine riesen Nummer in der Türkei, so wie David Hasselhoff in Deutschland und Österreich nicht totzukriegen ist. Kann ja alles sein.

Auch nicht viel besser war damals Johannes B. Kerner als Werbefigur für Air Berlin, obwohl der sicherlich ein innerdeutscher Vielflieger war zwischen dem ZDF in Mainz und seinem Wohnsitz in Hamburg, aber gerade das war ja überhaupt nicht im Interesse Öffentlich-Rechtlichen. Jetzt sitzt Kerner ja vor allem in Berlin bei Sat1 und könnte den Werbevertrag eigentlich ohne Probleme wieder aufnehmen. Aber vielleicht ist man auch bei Air Berlin mittlerweile dahinter gekommen, dass Johannes B. Kerner vor allem als Schwiegersohn-Ideal bei älteren Damen ankommt und die nicht wirklich zur relevanten "Frequent Traveller"-Zielgruppe gehören. Vielleicht sehen wir ihn dafür demnächst als Fürsprecher bei einem Kaffeefahrten-Veranstalter, das wäre dann zur Abwechslung mal ein schlüssiges Konzept.

Autor:
Silke Wichert