Fast Lane Leser fragen, Mann von Welt antwortet

Man sollte bei seinen Wünschen Vorsicht walten lassen. In meiner letzten Kolumne beklagte ich noch die große Isolation des Reisenden auf Premium-Plätzen im Flugzeug, und nun wollte ich mich auf dem späten British-Airways-Flug nach New York eigentlich nur noch auf meinem Sitz verkriechen und von dort aus ungestört liegengebliebene Arbeit erledigen.

Kurz bevor sich die Türen schlossen, entdeckte ich ein paar freie Plätze in der Mitte der Kabine und beschloss, nach dem Start umzuziehen. Etwa über Bath stand ich also auf, errichtete mein neues Basislager im mittleren Sitzbereich und widmete mich der Aufgabe, E-Mails aufzurufen, die schon seit meinem Aufenthalt in Honolulu darauf warteten, beantwortet zu werden - in erster Linie ging es um Fragen und Kommentare zu Fast Lane.

Zunächst verlief alles, wie erhofft. Ich kümmerte mich sorgfältig um Fragen von Kollegen und sah Präsentationen durch. Dann bot mir ein Herr zwei Sitze weiter eine Ausgabe des Monocle-Magazins an (welches ich - wie es der Zufall will - herausgebe). Zunächst war ich alarmiert und dachte, er wolle eine Beschwerde loswerden. Es wurde aber schnell klar, dass er gar nicht wusste, dass ich der Herausgeber bin, und so fingen wir an, uns über BA versus Emirates, das Städtewesen im Nahen Osten, London versus New York sowie ganz allgemein die Mediennutzung auf Reisen zu unterhalten.

Ehe ich mich versah, befanden wir uns schon über St. John's, Neufundland, und meine geplante Zubettgehzeit war weit überschritten. Ich hatte auch jede Lust verloren, wieder an meinen Bildschirm zurückzukehren und fiel kurz darauf in einen tiefen Schlaf. Als ich über Long Island wieder aufwachte, plagte mich ein schlechtes Gewissen, da ich fast keine der anstehenden Aufgaben erledigt hatte. Die Eingangsbox von Fast Lane war bis zum Rand gefüllt, deshalb habe ich die am häufigsten gestellten Fragen einfach gebündelt und im Folgenden entsprechend beantwortet.

Von der Kirschblüte zum iPad ...

1. Ich wollte immer schon mal nach Japan fahren, um mit meiner Frau die Kirschblüte zu erleben. Können Sie mir einen perfekten 5-tägigen Reiseablauf empfehlen?

Wenn Sie sofort fahren und die erste blühende sakura sehen möchten, dann würde ich einen Flug nach Fukuoka buchen und den Tag in der Stadt verbringen; nehmen Sie dann den Bus nach Yufuin und probieren Sie eine der lokalen onsen (das sind heiße Quellen) aus. Bei den Hotels ist das Murata mit seinen gerade erst von der Firma Simplicity aus Tokio designten Räumen meine erste Wahl. Den Singapore Sling in der Bar sollten Sie ebenfalls nicht auslassen.

2. Fühlen Sie sich schuldig angesichts Ihrer CO2-Bilanz?

Alles in allem glaube ich nicht, dass mein CO2-Fußabdruck besonders groß ist. Ich fliege zwar unheimlich viel, besitze jedoch kein Auto und ziehe den Zug immer einem Flugzeug vor, wo immer diese möglich ist (in Europa und Japan).

3. Falten Sie Ihre Hemden auf Reisen oder nehmen Sie Bügel mit?

Ich reise mit gefalteten, leicht gestärkten und gut verpackten Hemden. Der in London ansässige Wäsche-Service Wilton Green erledigt den Job besser als jede andere Firma, die mit dem Label Hoflieferant prahlt.

4. Besitzen Sie ein iPad und nehmen Sie es auf Ihre Reisen mit?

Ja, es gibt ein iPad in meinem Haushalt, aber es geht nicht mit auf Reisen. Eigentlich wird es überhaupt nicht viel genutzt. Wenn ich unterwegs bin, bin ich unverändert mit meinen Büchern und Magazinen sehr zufrieden.

5. Wie halten Sie es mit der Fitness auf Reisen? Fitness-Center oder lieber Jogging auf der Straße?

Mein Fitness-Programm besteht aus 35- bis 40-minütigem Jogging (fünf Mal pro Woche). Darüber hinaus nutze ich, was die Umgebung mir bietet. Nichts übertrifft einen schönen Park (Yoyogi oder der Kaiserpalast in Tokio, Central Park in New York, Djurgården in Stockholm), das Fitness-Center im Pariser "George V" ist aber auch nicht übel.

... über Billigfluglinien zur perfekten Jeans

6. Sie scheinen kaum Billigfluglinien zu nutzen. Warum nicht?

Dumme Frage.

7. Mein Mann ist immer noch in der Jeans-Phase gefangen und müsste seinen Look dringend etwas auffrischen. Was würden Sie empfehlen?

Ohne Foto (bitte schicken Sie mir keines!) ist es schwer, die Problemzonen zu erkennen. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass er möglicherweise unter dem altmodischen Schnitt mit leicht ausgestelltem Bein leidet, oder eine Taille hat, die aussieht, also würde sich sein Hintern von den Knöcheln bis zum Schulterblatt erstrecken. Die beste Strategie wäre es, ihn in ein paar klassische, gerade geschnittene japanische Edwin-Jeans zu stecken (ohne verrückte Waschungen), die einem natürlichen Alterungsprozess unterliegen.

8. Wie gehen Sie damit um, permanent Ihre Schuhe bei Sicherheitskontrollen ausziehen zu müssen? Tragen Sie ausschließlich Slipper?

Ich versuche, Flughäfen mit solchen Regelungen zu vermeiden (deshalb auch meine reduzierten US-Reisen). Dennoch: Ich trage normalerweise einen winzigen Schuhanzieher aus rostfreiem Stahl mit mir herum, um das Auf- und Zuschnüren der Schuhe zu vermeiden.

9. Mögen Sie den Airbus A380?

Ich bin kein großer Fan - noch nicht. Ich finde ihn etwas zu ruhig (Gespräche wirken wie verstärkt) und oben hat man bei den meisten Fluggesellschaften das Gefühl, zusammengepfercht zu werden. Auf der anderen Seite: Einige Airlines werden bald ihre eigenen Ausstattungen präsentieren, und ich bin gespannt zu sehen, was sie aus dem Raumangebot machen.

10. Bleiben Sie auf Ihren Reisen einer Hotelkette treu oder wechseln Sie sie ?

Ich mische sie. Dabei folge ich auch keinem festen Prinzip, sondern entscheide je nach Lage und Stimmung. In Zürich tendiere ich dazu, in einem kleinen Zwei-Sterne-Hotel zu nächtigen, das ich bereits seit Jahren kenne. In Hongkong kann es das Mandarin, das Grand Hyatt oder Upper House sein; in Tokio das Peninsula, Grand oder Park Hyatt. In New York übernachte ich nun immer im Crosby. Allerdings bin ich unverändert auf der Suche nach der perfekten Stadt-Immobilie.

Autor:
Tyler Brûlé