Griechenland Kreta: Umweltfreundlicher Urlaub

Abseits der Küsten wird es grüner. Der starke Individualismus der Kreter und großzügige Fördermittel der EU, die zum Teil sogar sinnvoll verwendet wurden, haben dafür gesorgt, dass vor allem abseits der Küsten im hügeligen Hinterland und im Hochgebirge zahlreiche kleine Hotels und Pensionen entstanden, die sich einer Förderung des nachhaltigen Tourismus verschrieben haben. Oft spielen zugewanderte Ausländer hier Vorreiterrollen.

Die Propagierung einer "Kreta-Diät" in den europäischen Medien sorgte dafür, dass sich viele Bauern auf den ökologischen Olivenanbau und die Produktion von Bio-Ölen umgestellt haben. In ihrem Gefolge wurde ökologischer Landbau auch in anderen Bereichen populär, brachte er doch gute Erträge. Bio-Produkte der Insel werden inzwischen in zahlreichen Geschäften auch in den Tourismus-Zentren angeboten.

Traditionelles Handwerk ist auf der Insel immer noch reichlich vorhanden, aber auch umweltfreundliche neue Ideen wie die Glas-Herstellung ausschließlich aus recyceltem Glas wurden realisiert. Sogar bei den Behörden setzt ein Umdenken ein: 2007 wurden weite Teile der Innenstadt Iráklios für Kraftfahrzeuge gesperrt!

Übernachten

Miliá Mountain Retreat

Zu Pionieren des sanften Tourismus auf Kreta wurde eine Gruppe junger Einheimischer, die schon 1982 damit begann, ein verlassenes Dorf im äußersten Westen Kretas zu restaurieren und das dazugehörige, 120 ha große Land aufzuforsten. Heute bieten sie 13 Zimmer in Natursteinhäusern mit vielen Holzelementen und traditioneller Möblierung. Strom wird mit Solaranlagen und Windenergie gewonnen, geheizt wird mit offenen Kaminen und Holzöfen. Im Restaurant sorgen abends nur Kerzen und Windlichter für die Beleuchtung, die Küche nutzt strikt die Produkte der Saison aus eigenem ökologischen Anbau. Gekocht wird kreativ auf der Basis traditioneller Rezepte: Im Backofen gegartes Kaninchen mit Frischkäse aus Ziegen- und Schafsmilch ist eine Spezialität des Hauses. Gäste werden gebeten, kein Wasser in Plastikflaschen mitzubringen, da genug frisches Quellwasser zur Verfügung steht, dafür aber Taschenlampen. Bei aller Bodenständigkeit steht für mitgebrachte Laptops WLAN zur Verfügung.

• Vlátos-Miliá • Tel. 28 21 04 67 74 • €€

Vámos AE

Anders als in Miliá ziehen sich Naturliebhaber und Öko-Bewusste in Vámos nicht in die Weltabgeschiedenheit zurück, sondern leben in einem ganz normalen, sogar recht geschäftigen Dorf mit 650 Einwohnern, mehreren Tavernen und Kafenía und diversen Unterkunftsmöglichkeiten. Die haben zumeist Neubauten erstellt und sie mit eigenen Swimmingpools nach ihrem Verständnis aufgewertet. Nur eine Organisation entzog sich diesem Denken. Mit der Vámos AE ergriff eine Gruppe junger Einheimischer 1995 die Initiative, kaufte oder mietete zwei Dutzend baufälliger historischer Häuser aus Naturstein und Holz, um sie zu erhalten und als Ferienhäuser zu offerieren.

Auf Pools wurde bewusst verzichtet. Stattdessen schuf man ein Art Café, in dem die kretische Musik gepflegt wird, und mit dem Stérna tou Bloumosífis eine der besten traditionellen Tavernen der Insel, in der zumeist Bio-Produkte aus der Region verwendet werden. Die Küche ist auf der Basis traditioneller Rezepte sehr kreativ, serviert zum Beispiel in Weinblätter gewickelte, gebratene Sardinen. Für die Gemeinde betreibt man in der über 100 Jahre alten, ehemaligen Mädchenschule eine einfache Pension, sodass auch dieser traditionelle Bau erhalten bleibt. Der nächste gute Strand in Kalivés ist nur 5 km entfernt, sodass man bequem hinunterwandern und per Taxi oder Linienbus ins Dorf zurückkehren kann, wo man den Abend garantiert unter Einheimischen genießt.

• Vámos • Tel. 28 25 02 32 51 • €€ (Pensionszimmer €)

Luisa und Gunnar Schuschnigg in Kapetanianá

Die beiden Kärntner Luisa und Gunnar betreiben schon seit 1991 im weltabgeschiedenen Dorf Kapetanianá im wilden, nahezu asphaltstraßenlosen Asteroússia-Gebirge an der Südküste eine kleine Pension mit drei Doppel- und einem Vierbettzimmer, deren Bewohner sich ein geräumiges Bad teilen. Als Wanderer und Bergsteiger besitzen die beiden weltweite Erfahrung, die sie als Führer für entsprechende Aktivitäten in ihrem Hausgebirge, aber auch anderswo auf Kreta gern weitergeben. Dabei auf Umweltverträglichkeit zu achten, ist ihnen ein selbstverständliches Anliegen. Außerdem gibt das Paar kretische Kochkurse, für die ausschließlich Erzeugnisse aus der Region benutzt werden.

• Pension Kofínas: Asimi, Kapetanianá 28 • Tel. 28 93 04 14 40 • €

Taverne Natural bei Kavoúsi

Gegenüber der kleinen Kapelle des Ágios Pantelímonas, dort, wo eine Straße hinunter zum kleinen Küstenort Mochlós abzweigt, betreibt ein griechisches Ehepaar albanischer Herkunft eine einfache Gartentaverne, die ausschließlich Salate und Gemüse aus eigenem ökologischen Anbau und Fleisch aus der Region verwendet. Der Wirt hat in Italien Gartenbau studiert, seine Frau kocht mit Liebe und Leidenschaft. Der Wein stammt aus dem eigenen Rebgarten, der Rakí aus dem benachbarten Dorf.

Taverne Natural bei Kavoúsi • An der Hauptstraße zwischen Kavoúsi und Lástros • Tel. 28 43 09 46 50 • tgl. 10-19 Uhr • €

Einkaufen

Braoudákis bei Georgioúpolis

Familie Braoudákis erkannte als eine der Ersten, wie interessiert Urlauber an kretischen Naturprodukten und deren Einkauf direkt beim Produzenten sind. Deswegen gestalteten sie ihre kleine Produktionsstätte an der Straße zwischen dem Badeort Georgioúpolis und dem Binnendorf Vrísses schon in den 1990er Jahren besucherfreundlich, schufen einen Laden für ihre Produkte und schlossen dem Ganzen ein kleines Volkskundliches Museum an. Zu ihrem Sortiment gehören Honig und getrocknete Kräuter sowie die in Griechenland als Gesundheitstees für alle Zwecke hochgeschätzten Kräuterteesorten Díktamos und Malotíra. Sie vermarkten die organischen Olivenöle verschiedener kleiner Produzenten und Weine von Winzern, die ausschließlich autochtone griechische Rebsorten anbauen. Ihr kretischer Tresterschnaps, Rakí oder auch Tsikoudiá genannt, ist frei von Methylalkohol, denn die Traubenmaische ist frei von Stielen. Als gesundes Modegetränk gibt es auch "Rakómelo", einen mit Honig versetzten Tresterschnaps. Im Winter trinkt man ihn warm, im Sommer eisgekühlt.

• an der Straße zwischen Vrísses und Georgioúpolis rechter Hand • Tel. 28 25 05 15 94 • tgl. ca. 9-18 Uhr

Glasbläserei Tzombanákis in Kókkino Chorió

In vielen kretischen Hotels und Cafés, in Privathäusern und guten Restaurants sind Lampenschirme und Vasen aus farbigem Glas zu sehen. Die Kreter schätzen sie nicht nur, weil sie schön und oft sehr fantasievoll sind, sondern vor allem auch, weil sie aus der einzigen Glasbläserei der Insel kommen. Inhaber Andréas Tzombanákis und seine teilweise aus Polen stammenden Mitarbeiter stellen sie ausschließlich aus recyceltem Glas her. Sie brauchen es inzwischen nicht mehr selbst einzusammeln, sondern bekommen es von umweltbewussten Einheimischen vorbeigebracht. Besucher können beim Herstellungsprozess nach Belieben zuschauen und im angeschlossenen Geschäft auch kleine, leicht transportierbare Glasobjekte erwerben.

• Am Ortsrand an der Straße nach Kalíves • Tel. 28 25 03 11 94 • tgl. ca. 9-18 Uhr

Aktivitäten

Malen und Wandern in Delianá

Der deutsche Grafiker, Maler und Designer Willy Dorn, 1954 in Berlin geboren, lebt schon seit über zehn Jahren in einem winzigen Dorf im äußersten Westen der Insel, in dem kein anderes Zimmer vermietet wird als das Gästezimmer seines Atelierhauses. In ihm können die maximal zwei Teilnehmer der zweiwöchigen Malkurse wohnen, die er an zahlreichen Terminen zu jeder Jahreszeit anbietet. Dorn ist leidenschaftlicher Wanderer, nimmt Gäste gern mit, zeigt ihnen, wo die Geier nisten und veranstaltet auch Seminare rund ums Thema "Natives, kaltgepresstes Olivenöl" mit Besuchen bei Öko-Ölbauern und in Ölmühlen. Gegessen wird in den Dorftavernen, was aus der Region stammt. Auch wer nicht malen will, ist bei ihm für Tageswanderungen durch die Schluchten in der Umgebung von Delianá willkommen. Mit seiner sanften Art, seine Gäste ins Dorfleben zu integrieren, gibt er ihnen und den Einheimischen die Möglichkeit, voneinander zu lernen. Die Dorfbewohner beginnen zu begreifen, dass man auch ohne Strand, Pool und Ressourcen verschwendenden Luxus vom Tourismus leben kann.

• Delianá • Tel. 28 24 09 18 19

------------------------------------------------------------------------------------------

Dieser Text von Klaus Bötig ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Kreta"

Schlagworte: