Mittelmeer Korsika: Ökologische Tipps

Sanfter Tourismus auf der Île de Beauté Korsika hat sich seit Jahrzehnten den Ruf, eine Insel für Individualisten zu sein, bewahrt. Das war sicher möglich, weil die Korsen ihre Freiheit und Eigenständigkeit lieben und alles dafür tun, sich diese zu erhalten. So wurden im Laufe der Zeit die privaten Unterkünfte ausgebaut und verlassenen Bergdörfern durch landestypische Herbergen und die Ansiedelung heimischer Künstler neues Leben eingehaucht.

Durch die Restaurierung der alten Maultierwege, die in den Bergen die Dörfer miteinander verbanden, wurde ein großer Beitrag für den sanften Tourismus auf der "Insel der Schönheit", wie Korsika gerne genannt wird, geschaffen.

An vielen Orten besinnt man sich der heimischen Küche, die an der Küste aus Fisch und Meeresspezialitäten besteht und im Landesinneren eher deftig ist, gewürzt mit den charakteristischen Kräutern der Macchia. Bevorzugt werden hiesige Produkte verwendet. So ist das Kastanienmehl, das einst die Grundlage der Ernährung der Inselbewohner bildete und aus dem die verschiedensten Speisen zubereitet wurden, wieder im Kommen. Es verleiht den Backwaren eine ganz besondere Note.

Übernachten

Paesotel E Caselle

Im Herzen Korsikas liegt dieses Kleinod, das mit drei Sternen gekrönt wurde. Die verwinkelte Bauweise mit schrägen Dächern, die von Schieferplatten der Umgebung gedeckt wurden, ist typisch für die Region. Die Verzierung der Fassade mit runden Steinen aus dem nahen Bach gibt der Anlage im Grünen die besondere Note. Wer Ruhe sucht, aber nicht auf Aktivitäten in der Umgebung verzichten möchte, kann ein breites Angebot nutzen und bekommt im Hotel noch einen Swimmingpool, Sauna und Tennisplatz als Zugabe. Das moderne Interieur der Zimmer steht im spannenden Kontrast zu dem rustikalen Äußeren. Diese Gegensätze werden konsequent im Restaurant fortgesetzt. An lauen Sommerabenden kann der Außenbereich unter alten Bäumen zum Ort der Entspannung werden. Wer ganz umweltbewusst reisen möchte, kann Venaco mit der korsischen Eisenbahn vom Hafenort Bastia oder Ajaccio aus erreichen. Die historische Schmalspurbahn fährt auch nach Corte und hält an den zahlreichen Ausgangspunkten für Bergtouren.

• Venaco • Tel. 04 95 47 39 00 • 30 Zimmer, 17 Studios • €€€€

Essen und Trinken

La Ferme de Campo di Monte

Das kleine Restaurant, von Eichen und Kastanien umgeben, ist stilecht in einem ehemaligen Bauernhaus untergebracht. Es liegt hoch über Murato und bietet einen wunderschönen Ausblick auf den Golf von St-Florent. Pauline, "la patronne", serviert in den gemütlichen Gastzimmern jeden Abend ein mehrgängiges korsisches Menü aus regionalen Spezialitäten: Wildschwein, luftgetrockneter Schinken, Ziegen- und Schafskäse, frische Feigen .… Der kleine Familienbetrieb erfreut sich höchster Beliebtheit, eine Reservierung (am besten einige Wochen im Voraus) ist daher dringend empfohlen.

• Murato • Tel. 04 95 37 64 39 • €€€

Osteria U Mulinu

Das urige Restaurant ist in einer der ältesten Ölmühlen Korsikas eingerichtet, die auf 400 Jahre geschätzt wird. Derbe Balkendecke, Steinfußboden und korsisches Mobiliar verleihen dem kleinen Raum eine private Atmosphäre. Joseph Ambrosini zaubert auf seinem Gaskocher köstliche Menüs aus regionalen Zutaten und serviert sie samt Wein zum Einheitspreis (es wird pro Abend nur ein Menü angeboten). Das Original, das in korsischer Tracht gekleidet ist, unterhält zudem seine Gäste auf ungewöhnliche Weise, wenn er mit den Tellern jongliert oder auf seiner Violine spielt. Das Mühlenrestaurant befindet sich im schönsten Teil der Balagne am östlichen Ortsrand von Feliceto. Wer hier einen ungewöhnlichen Abend verbringen möchte, sollte vorher reservieren und die Anfahrt zum Tagesausflug machen.

Osteria U Mulinu • Feliceto • Tel. 04 95 61 73 23 • Di geschl. • €€

Einkaufen

Laboratoire et Musée de la Parfumerie Cyrnarom

Die Parfümerie Cyrnarom ist mehr als nur ein Parfumgeschäft und Besitzer Guy Cecchini ein korsisches Original. Sein Handwerk hat er in der Parfumhochburg Grasse auf dem französischen Festland gelernt. Seit nun mehr als 30 Jahren stellt er in Bastia die unterschiedlichsten Duftwässerchen und Kosmetika aus heimischen Pflanzen her. Dabei legt er auf beste Ware und reine Zutaten Wert. Wer sich lange an dem typischen Duft der korsischen Macchia erfreuen möchte, der wählt "Macchjedu", das die Essenzen der Macchia in einer ganz besonderen Komposition vereint. Im "Laboratoire" von Monsieur Cecchini kann man noch tiefer in die Geheimnisse des Duftmischers vordringen. Drei Monate im Sommer zeigt er gerne, was sich seit 1973 bei ihm alles angesammelt hat. Zur Überraschung der Besucher erzählt er voller Begeisterung auch auf Deutsch.

Laboratoire et Musée de la Parfumerie Cyrnarom Bastia, 29, ave. Émile Sari • Tel. 04 95 31 39 30

Feste und Events

A Santa di Niolo

Im Laufe des Jahres feiern viele Orte ihre eigenen lokalen Kirchenfeste, ihre Stadtheiligen oder den Kirchenpatron mit eigenen Wallfahrten. Das "A Santa di Niolo" gilt als eines der größten Feste Korsikas. Im Mittelpunkt steht die Ehrung der Heiligen des Niolo am 8. September im Weiler Casamaccioli. Schon Tage vorher herrschen ganz ungewöhnliche Aktivitäten auf dem Platz vor der Kirche, die Stände werden aufgebaut und alles für den großen Tag vorbereitet. Da kann es sein, dass sich die Korsen zusammenfinden, um spontan ihre traditionellen Lieder zu singen - mehrstimmig. Das Fest zu Ehren der Schutzpatronin ist ein echt korsisches Volksfest, auf dem neben Gesängen und Spielen auch viele einheimische Produkte angeboten werden. Die Prozession beginnt mit einem Gottesdienst, der traditionell in Paghiella gesungen wird. Dann wird die heilige Statue durchs Dorf getragen, begleitet von Tausenden Gläubigen und Schaulustigen. Der früher während dieses Festes stattfindende Dichter- und Sängerwettstreit wurde wiederbelebt und verleiht den Tagen eine ganz besondere Note.

A Santa di Niolo Casamaccioli • 8. September

Aktivitäten

Parc Naturel Régional de Corse

Kaum zu glauben, doch ein Drittel der Inselfläche wurde zum Parc Naturel Régional de Corse (PNRC) erklärt. Zu den Aufgaben des Regionalparks gehört der Kampf gegen die Waldbrände und gegen die Vernichtung der außergewöhnlichen Natur zugunsten des Tourismus, aber auch, die wirtschaftliche Entwicklung des Inselinneren zu unterstützen. So wurden weit über 100 Bergerien (Almhütten) renoviert und zahlreiche Wanderwege angelegt. Zum berühmten Fernwanderweg GR 20 sind die Wege "Tra Mare eMonti" und die Querverbindungen "Da Mare a Mare" hinzugekommen.

In den letzten Jahren wurden auch kürzere Wanderwege angelegt und markiert, die meist auf den ehemaligen Maultierpfaden verlaufen, die früher abgelegene Inlandsdörfer verbanden. Die Almhütten und private Wanderherbergen bringen neue Impulse in die zum Teil weit abgelegenen Dörfer, die vom Aussterben bedroht sind. Durch den Schutz seltener Tiere und Pflanzen, die zum Teil auf Korsika endemisch sind, konnte sich das Mufflon weiter verbreiten und der Rothirsch wieder eingegliedert werden. Am Eingang des Ascotals wurde Moltifao zum "Dorf der Schildkröten", weil dort die letzten Spezies zur Wiederansiedlung in der freien Natur gehalten werden. Von der Parkleitung werden einige interessante Bücher zur Tier- und Pflanzenwelt sowie gute Wanderbeschreibungen herausgegegeben.

• Ajaccio, 2, rue Sergent Casalona • Tel. 04 95 51 79 00

Réserve naturelle de Scandola

Unter der Aufsicht des Parc Naturel Régional de Corse steht auch die an der Westküste gelegene Halbinsel La Scandola. Nur vom Boot aus ist das Naturreservat zu sehen. In diesem 82 km langen Bereich der Westküste, der zwischen Piana und dem Massiv Argentella liegt, sind Fischadler, Haubenkormorane, ja sogar Mönchsrobbenund blaue Delfine zu Hause. Auch die Korallenmöwe, die seltenste Möwenart weltweit, ist hier zu finden. La Scandola ist das älteste Naturschutzgebiet Korsikas und 1983 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt worden. Entstanden ist das Gebirge der Halbinsel vor 250 Millionen Jahren. Mit seinen roten Felsen, die steil aus dem Meer aufsteigen, bestätigt es Korsikas Ruf als "Gebirge im Meer". Die Ausflugsboote fahren ab Ajaccio, Calvi, Gáleria, Propriano und Porto und machen einen Zwischenstopp in der Bucht von Girolata, die sonst nur auf einer mehrstündigen Wanderung zu Fuß zu erreichen ist.

• Ajaccio, 2, rue Sergent Casalona • Tel. 04 95 51 79 00

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Dieser Text von Dirk Schröder und Michael Studemund-Halévy ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Korsika"

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