Fast Lane In fünf Einsichten um die Welt

Es ist der elfte und damit letzte Tag meiner Reise einmal um die Welt, bald beginnt der Sinkflug auf Heathrow. Ich befinde mich irgendwo südlich von Hannover in einem A380 von Singapore Airlines. Die Kabinenbeleuchtung lässt keinen Schlaf mehr zu, also versuche ich, schon mal so viel Papierkram wie möglich auszusortieren. Ich hatte es etwas übertrieben mit dem Lesematerial, und wenn es ans Aussteigen geht, möchte ich mauseflink sein.

Diese "Um die Welt in nur einer Woche"-Touren stecken immer voller neuer Erkenntnisse. Sie zeigen nämlich, wie groß die Kontraste in einer Welt, die ja angeblich schon völlig durchglobalisiert ist, doch immer noch sind. Von Frankfurt nach Washington, von New York nach Tokio, von Hongkong nach Singapur - es folgen ein paar Beobachtungen aus der Bahn, dem Rücksitz, der Lounge und vom Bürgersteig.

Die US-Transport-Infrastruktur gibt Anlass zur Hoffnung

1. Die US-Transport-Infrastruktur gibt Anlass zur Hoffnung. Obwohl ich in nächster Zeit in Washingtons Dulles Flughafen mit Sicherheit weder starten noch landen werde (siehe ), denke ich schon, dass die Freunde des Flug- und Zugverkehrs in Zukunft aufatmen können, wenn Verkehrsminister Ray LaHood das Sagen behält. Kurz nach meiner Dulles-Erfahrung hatte ich LaHood und seine Frau zu einer Cocktailparty in Washington eingeladen.

Mich begeisterte nicht nur sein leidenschaftlicher Wunsch, so viele Gleise für Hochgeschwindigkeitszüge verlegen zu lassen wie möglich, sondern auch sein Einsatz dafür, dass amerikanische Drehkreuze wieder in der Weltklasse mitspielen. Unnötig zu sagen, dass ihn die Schilderung meiner Ankunft im internationalen Einfallstor der Hauptstadt nicht gerade erbaute.

Es gibt wenig Hoffnung für die englische Sprache

2. Es gibt wenig Hoffnung für die englische Sprache. Ich hätte mich im Acela-Hochgeschwindigkeitszug von Washington nach New York fast in den Ruhewagen begeben, entschied mich dann aber doch für den letzten Waggon. Alles war gut, bis wir den Flughafen von Baltimore erreichten und die Sitzgruppe hinter mir von einer Truppe "Consultants" eingenommen wurde. Sie begannen sofort mit blindem Eifer an ihren Power-Point-Präsentationen zu schrauben und unterhielten sich dabei in einer Sprache, von der ich zwar glaube, dass es englisch war, allerdings nicht so, wie ich es kenne.

Die Männer um die 50 gehörten zu Vertretern der Pest, die im Moment umgeht, jeweils am Ende des Satzes mit der Stimme nach oben zu gehen - ihr Fall war jedoch ein extremer, da sie aus der Marketingecke kamen. Sie klangen, als ob sie eher T-Shirts bei Abercrombie & Fitch verkaufen könnten als Betriebssysteme. Alles, was sie sagten, endete mit einem Fragezeichen. Sie schienen außerdem die Ära der Wählscheiben-Telefone zu vermissen, die meisten Sätze beinhalteten an irgendeiner Stelle das Wort "dialen". Hier ein kurzer Mitschnitt:

Ein Mann mit einem Thermo-Becher aus Aluminium: "Ich kümmere mich um das Intro für das Laufwerk, aber ihr müsst dann die Zahlen hinten downdialen."

Ein Mann mit nicht einem, sondern gleich zwei BlackBerry-Holstern: "Bist du sicher? Ich hab am Freitag mit Frank telefoniert und er sagte, wir müssten ein paar neue Zahlen für den Kunden einbauen. Ich denke, es geht aber einfach mehr darum, die Details ein bissen upzudialen."

Mann mit einem iPad, den er gegen seinen Dell gelehnt hat: "Das stimmt. Warum dialen wir die Zahlenübersicht vorne nicht ein bisschen down, dann können wir mit mehr Details wiederkommen, wenn die da dann tiefer eintauchen, und das Ganze dann je nach Bedarf up- oder downdialen."

Ich war kurz versucht, weiter zuzuhören, fand das Gespräch aber so deprimierend, dass ich mich lieber wieder dem World Service zuwendete.

Man muss mit 70 nicht plötzlich spießig werden

3. Man muss mit 70 nicht plötzlich spießig werden - erst recht nicht, wenn man Japaner ist. Am Eingang von Tomorrowland in Tokio war ich von diesen gepflegten, eleganten und manchmal extrem flippigen Herren umgeben, die es offensichtlich nur in Japan gibt. Man muss schon ein gewisses Selbstvertrauen haben, um mit 75 Jahren blaue Shorts, einen Patchwork-Blazer im Hobo-Style, ein maritimes Halstuch von Hermès, zweifarbige Halbschuhe und eine Reitkappe aus Baumwolle zu tragen. Japans Bevölkerung mag vielleicht langsam grau werden, ihren Groove hat sie aber noch nicht verloren.

Das Konzept Kaufhaus ist in Ginza springlebendig

4. Das Konzept Kaufhaus ist in Ginza springlebendig. Saks, Neiman-Marcus, Harvey Nichols, Printemps, Holt Renfrew, David Jones und andere Kaufhausketten, die ihren nächsten Schachzug planen, sollten dem erneuerten und erweiterten Mitsukoshi in Ginza mal einen Besuch abstatten. Bei seinem Relaunch hat der ehrwürdige Einzelhändler das Beste der alten Stücke behalten, den Lebensmittelbereich erneuert und ein eindrucksvolles Line-up von Restaurants hinzugefügt.

Wenn der letzte Samstag in der unteren Lebensmittelabteilung typisch dafür war, wie die Firma agiert (stellen Sie sich Schlangen von gediegenen Frauen vor, die mit ihren Enkeln einkaufen, Hunderte von Paaren in zerknitterter karierter Kleidung und Massen von Mädchen mit Keilabsätzen auf der Suche nach Makronen), dann würde die Zukunft rosig aussehen. Oder, wie mein Kollege Andrew sagte: "Es ist, als ob jeder in Tokio wüsste, dass eine Naturkatastrophe kurz bevorsteht und Hamsterkäufe erledigt - aber so, als sei alles umsonst."

Was ist eigentlich aus dem guten alten Empfang geworden?

5. Was ist eigentlich aus dem guten alten Empfang geworden? Warum können die Hoteliers ihn nicht in Ruhe lassen? Es scheint eine Verschwörung in dem Gewerbe zu geben, die Rezeption abzuschaffen. Warum? Ich will gar nicht von "Dienst am Gast", "24-Stunden-Service" oder ähnlichem reden. Eine schlichte Rezeption reicht völlig aus, vielen Dank.

Autor:
Tyler Brûlé