Mit Stil Ihr letzter Flug mit easyJet

Vor ein paar Wochen habe ich eine Mail von easyJet bekommen. "Ihr letzter Flug mit easyJet". Streng genommen fordern mich die Engländer also auf, mir für die Zukunft eine andere Billigairline zu suchen, aber natürlich ging es hier um etwas anderes: "Wir entnehmen unseren Unterlagen, dass Sie kürzlich mit easyJet geflogen sind und wir würden nun gerne erfahren, wie Sie unsere Leistungen beurteilen. Wir suchen stets nach Wegen und Möglichkeiten, Ihre Reisen mit easyJet zu einer möglichst angenehmen Erfahrung zu machen."

Ich würde jetzt gern wissen, ob all die Passagiere, die kürzlich von easyJet am Flughafen Berlin-Schönefeld im Schneechaos sitzen gelassen wurden, wohl auch diese Mail bekommen haben. Das fänden die bestimmt sehr lobenswert, dass nun die große Service-Offensive gestartet wird, nachdem man ihnen kurz vor Weihnachten noch gesagt hatte, sie sollten sich bitteschön selbst um ihren Weiterflug kümmern.

"Welche der folgenden Möglichkeiten haben Sie innerhalb der letzten drei Monate durch easyJet gebucht?", erscheint als erstes mit der Möglichkeit anzukreuzen. "Parken am Flughafen?" Nein. "Transfer zum Flughafen?" Nein. "Autovermietung?" Auch nein. "Einen kompletten Urlaub?" Easypauschal? Bloß nicht! "Hotel / Hostel / Ferienwohnung" Wenn ich mir das neue easyhotel in Berlin-Mitte anschaue - eher nicht.

Dann gibt es noch die Punkte Reiserversicherung, Theater oder sonstige Aktivitäten am Urlaubsort, die ich natürlich auch alle mit "nein" beantworte, weil ich das No-frills-Konzept beim Fliegen absolut einsehe, beim Schlafen, Essen oder dem Versicherungswesen aber gar nicht. Angesichts des eher schwierigen Corporate-Designs von easy-Irgendwas möchte ich meine weitere Reiseplanung außerdem lieber nicht jemandem in einer orangefarbenen Uniform in London-Luton anvertrauen.

Trolleys, Cashews, Tütensuppe

Ich klicke auf "weiter", jetzt geht es wahrscheinlich endlich um den Service bei der Buchung, beim Einsteigen, an Bord. Stattdessen erscheint: "Wir bedanken uns für Ihre Zeit, aber leider qualifizieren Sie sich nicht für diese Studie." Was? Nicht qualifiziert? Ich reiche easyJet die Hand und werde dann gleich nach der ersten Seite einfach rausgeschmissen?

Wütend klicke ich gleich noch mal auf den Link in der Mail. Jetzt fällt mir auch ein, dass ich in London mal den Shuttleservice nach Luton genutzt habe - ich qualifiziere mich! Aber das Programm weiß jetzt, dass ich vor allem Fluggast bin und damit offensichtlich vollkommen uninteressant.

Dabei hätte ich so viel zu erzählen gehabt. Von den immer gleichen Szenen vorm Einchecken, wenn all die Leute verzweifelt versuchen, ihre Trolleys und Bowlingbags doch noch in dieses Handgepäckraster zu stopfen, um es dann kaum wieder herauszubekommen, und dass ich diese 1-Handgepäck-Politik in Zeiten der 1-Laptop-pro-Kopf-Dichte einfach nicht verstehe.

Dafür hätte ich im Gegenzug das "If you are late, we won't wait"-Prinzip zur Abwechslung sehr gelobt, weil dann wenigstens die Flüge pünktlich sind und es außerdem immer noch den Express-Schalter für späte Leute wie mich gibt. Auch die Cashew-Kerne an Bord hätte ich erwähnt, die wirklich gut sind. Die sollten auf Kurzstrecken eigentlich alle für einen 1 Euro zwangskaufen müssen, das riecht dann auch viel weniger als eine Tasse Tütensuppe.

Am Einsteigeprinzip allerdings könnte man noch arbeiten. Diese Einteilung in Speedy, A, B und C funktioniert nie wirklich und bei den Deutschen gibt es immer Zank mit irgendwelchen Spaniern, die sich wieder nicht richtig angestellt haben. Da spielen sich vor dem Flug regelmäßig unschöne Szenen ab und man ist schon völlig gestresst, bevor man überhaupt an Bord sitzt.

Aber all das will ja offensichtlich doch niemand hören. Wobei: Was macht eigentlich die Deutsche Bahn mit ihren Kundenbefragungen?

Autor:
Silke Wichert