Heilfasten Gesund durch Detox

Im Frühjahr ist Hunger-Zeit. Und das traditionell 40 Tage vor Ostern - im Christentum. Aber auch in anderen Religionen und Weltanschauungen, ob Buddhismus, Islam oder Judentum, werden seit Jahrtausenden Fastenrituale praktiziert. Heutzutage ist es schick, gesund und vor allem voll im Trend. Stars wie Madonna und Beyoncé Knowles schwören für ein strahlendes Aussehen auf strenge Detox-Kuren.

Der Allzweckreiniger für Körper und Seele nennt sich hier zu Lande ganz unaufgeregt Heilfasten und ist längst zu einem aufgeregten Trend geworden. Der TV-Sender Pro Sieben macht Fasten mit C-Promis zum Entertainmentspaß. Aber auch unter dem Aspekt Gesundheit entscheiden sich immer mehr Menschen dazu, ein bis zwei Mal im Jahr für ein bis zwei Wochen auf feste Nahrung zu verzichten. Kurzum: den Körper zu entgiften und entschlacken. Sowie den Geist zu reinigen.

Detox-Expertin und Yoga-Lehrerin Petra Orzech entnimmt dem zunehmenden Heilfasten-Trend eine logische Schlussfolgerung: "Immer mehr Menschen fühlen sich vollgestopft mit Essen, Arbeit, Informationen und wachsenden Aufgaben. Das Bedürfnis wächst daher, sich dessen zu entledigen, beziehungsweise davon zu befreien." Auch die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V. bestätigt diesen Trend: "Der Drang nach Veränderung und gesunder Ernährung ist groß und nimmt stetig zu. Immer mehr Menschen wollen auf Pillen gegen das Unwohlsein verzichten und sind bereit ihren Lebensstil zu ändern", erklärt die Erste Vorsitzende Eva Lischka der ÄGHE. "Die Heilfastenkliniken sind immer sehr gut belegt. Und auch immer mehr Männer entscheiden sich für eine Fastenkur", fügt sie mit einem herausfordernden Lächeln hinzu.

Es ist also festzustellen, dass immer mehr Platz in Deutschlands Portemonnaies geschaffen wird und zwar für die Gesundheit. Feierabendbier und Chipstüte werden gegen Gemüsebrühe und Mineralwasser getauscht. Die alljährliche Mallorca-Sause mit Freunden weicht Fasten und Wanderurlaub mit Gleichgesinnten auf Rügen. Und das alles ganz freiwillig, ist das nicht absurd?

Für Petra Orzech ganz und gar nicht. Sie selbst ist seit Jahren überzeugte Detox-Urlauberin und bucht jedes Jahr im Frühjahr eine Auszeit - natürlich ohne Vollpension. "Für mich ist eine Fastenkur eine Auszeit von allem, bei der ich mein inneres Gleichgewicht wieder finde. Ich komme nach keinem anderen Urlaub so energiegeladen wieder in den Alltag zurück", schwärmt die 43-jährige Ernährungs-Expertin. "Fasten ist viel mehr als eine banale Diät. Das ganze Leben verlangsamt sich und wird intensiver. Wer dieses Gefühl erleben will, sollte dafür seinen Alltag hinter sich lassen und Urlaub nehmen", rät die Hamburgerin.

Geist und Körper beim Großreinemachen

Um den Fastenden den Verzicht aufs Essen so angenehm wie möglich zu machen, haben immer mehr Reiseveranstalter diesen Trend für sich entdeckt. Laut dem deutschen Tourismusverband haben Gesundheitsurlaube in den letzten Jahren enorm zugenommen. Die Prognose ist, dass sich die Anzahl 2011 verdoppeln wird. Doch die Palette an angebotenen Fastenkuren ist jetzt schon kaum überschaubar. Denn auch da hat der Wellnessmarkt nicht geschlafen und bietet diverse Möglichkeiten an: Wasserfasten, Saftfasten, Früchtefasten, Teefasten, Molkefasten und viele andere flüssige Pop-Variationen. Die buchbaren Kuren in Bio-Hotels, Luxus-Tempeln oder Pensionen werden immer in Verbindung mit einer Bewegungstherapie und unter Aufsicht von Ärzten oder Heilpraktikern angeboten, ob Nordic-Walking, Wandern, Reiten oder Yoga.

Petra Orzech schwört auf Detox-Yoga. Dabei wird der Fokus auf Atmung, spezielle Yogaübungen und Schwitzen ausgelegt, die das Entgiften unterstützen. In ihren regelmäßigen stattfindenden Detox-Workshops in der Hamburger Kaifu-Lodge gibt sie ihren Teilnehmern Tipps zum Fasten, zur basischen Ernährung und zeigt Yogaübungen zum Entgiften für daheim (siehe Bildgalerie).

Aber auf was für eine Reise schickt man eigentlich Geist und Körper beim Großreinemachen? Petra kehrt dabei nichts unters Sofa und knallt die Fakten auf den Tisch. "Die ersten drei Tage sind wirklich kein Vergnügen, da muss man sehr hart zu sich selbst sein und Disziplin zeigen. Die Gedanken kreisen häufig ums Essen, starke Kopfschmerzen und Schwindel können auftreten. Viele klagen über Müdigkeit und frieren stark. Aber wenn sich der Körper dann erstmal auf den Verzicht eingestellt hat und das Glückshormon Serotonin die Regie übernimmt, geht es nur noch bergauf. Man fühlt sich wach, motiviert und ist bestens gelaunt. Man verspürt keinen Appetit mehr und für einige sind die Tage ohne Nahrung sogar bewusstseinserweiternd."

Fassen wir zusammen: ein Dschungelcamp der Gefühle, oder um es mit den Worten des großen Heilfasten-Papstes Dr. Otto Buchinger zu sagen: "Der wahre Kern kommt heraus. Der innere Ruhepunkt wird entdeckt."

Autor:
Sara Hellmers