Mit Stil Entschuldigung, aber ich reise mit Handgepäck!

Vor kurzem war ich für ein Interview in Bassano del Grappa, was einige meiner Facebook-Freunde zu wahnsinnig kreativen Kommentaren wie "Trink nicht zu viel!" oder "Bring mir auch eine Flasche mit!" inspirierte.

Der kleine Ort anderthalb Stunden entfernt von Venedig heißt zwar vor allem wegen des benachbarten Bergs Monte Grappa so, mittlerweile gibt es dort allerdings - neben dem hübschen Hotel Villa Ca-Sette und der alten Holzbrücke Ponte degli Alpini - tatsächlich einige sehr gute Grappa-Destillerien, von denen ich zum großen Unverständnis meines mich zurück zum Flughafen bringenden Taxifahrers allerdings nichts mit auf die Heimreise nahm. Vielleicht sollte man das Kurzvokabular in Reiseführern um den Satz: "Entschuldigung, ich kann dieses flüssige Souvenir leider nicht mitnehmen, ich reise mit Handgepäck", erweitern.

Mal abgesehen vom dem Geld, dass ich ständig für vergessene kleine Waschutensilien-Plastiktüten am Münchener Flughafen bezahlen muss, ist das wirklich das Ärgerlichste an diesen Flüssigkeitsbestimmungen: kein Cava mehr aus Barcelona, kein Olivenöl aus der Toskana (wer einmal seinen Koffer in anderthalb Litern extra vergine getränkt hat, versucht das ohnehin nie wieder) und - kein Roquefort mehr aus Paris.

Den musste ich das letzte Mal am Flughafen Orly zurücklassen, weil die beiden Beamten nach demonstrativem Kneten an der Verpackung grinsend feststellten, dass dieser Weichkäse ja geradezu liquide sei. Wenn ich es mir recht überlege, muss also folgender Satz dringend mit ins Reise-Vokabular französischer Reiseführer aufgenommen werden: "Monsieur, mit Verlaub, lieber stopfe ich mir auf der Stelle ein Pfund Käse in den Mund, bevor ich es Ihnen überlasse."

Zu gern würde ich mal einen Blick in die Vorratsschränke französischer, italienischer und türkischer Sicherheitsbeamten werfen. So oft wie man am Flughafen herzzerreißende Szenen beobachtet, wenn sich Passagiere von ihren teuren Souvenirs oder den vor ihrem Zubringerflug gekauften Duty-Free-Sachen trennen sollen, müssen die Jungs ordentliche Gelage mit Champagner, Raki und Grappa feiern können. Wo ich mich gerade frage: Was horten eigentlich deutsche Sicherheitsbeamten? Marmelade? Marillenschnaps? Oder doch nur Feuerzeuge mit dem Aufdruck Schalke 04?

Meiner Meinung nach sollte es bei den Airlines eine Art Valet Parking für Souvenirs geben - und das könnte so funktionieren: Beim Check in gibt man seine Vorräte ab, beim Ausstieg erhält man sie an einem extra eingerichteten Schalter mit einem freundlichen Lächeln zurück. Dann hätten alle endlich wieder schöne Mitbringsel. Und die Sicherheitsbeamten in Orly müssten zusehen, wo sie künftig ihren flüssigen Roquefort herbekommen.

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Silke Wichert