Wellness Das Geschäft mit der Gesundheit

MERIAN.de: Wellness ist ein arg strapazierter Begriff. Könnten Sie uns zur Klärung bitte eine Basisdefinition geben, Herr Froböse?

Froböse: Wellness setzt sich zusammen aus "wellbeing" und "fitness". Wellness ist, wenn ich unterschiedliche Prozesse aktiv in die Hand nehme, um mich in einen Zustand des Wohlempfindens und des Gleichgewichts zu bringen. Wenn ich versuche, die Balance zwischen körperlichen, emotionalen und geistigen Funktionen wiederherzustellen, die im Alltag aus dem Gleichgewicht geraten ist.

MERIAN.de: Demzufolge wäre das passive Liegen während einer Massage keine Wellness?

Froböse: Dass ich mich in eine passive Form begebe und sage: "Mach mal was mit mir!" - das ist für mich allenfalls ein Bruchteil von Wellness. Tatsächlich ist dieses reine Erleben meiner Meinung nach eine Perversion des Begriffs. Denn Wellness setzt für mich persönliches Engagement und Handeln voraus.

MERIAN.de: Sind viele Wellness-Anwendungen also pure Effekthascherei?

Froböse: Ich glaube ja. Weil die Wellness-Branche in einem Höchstmaße konsumorientiert ist, muss sie immer neue Konsumgüter hervorbringen. Der Begriff Wellness hat Charme, er strahlt etwas Angenehmes aus. Aber wenn die Menschen erkennen, dass sich nach mehrmaligem Konsum kein Effekt einstellt, muss der Anbieter mit einem neuen Produkt kommen, bei dem wieder eine neue Leistung versprochen wird.

MERIAN.de: Sind die klassischen Methoden, beispielsweise das Wassertreten, also wertvoller?

Froböse: Der Trend, den ich mir für Wellness wünsche, lautet: Back to the roots - zurück zu dem, was wirklich gut für den Organismus ist. Wassertreten ist da eine hervorragende Möglichkeit. Schon Kneipp hat gesagt: "Um gesund zu bleiben, muss sich der Mensch bewegen." Wellness hat sich in Deutschland viel zu stark in die Passivität hineinbewegt. Deswegen wird hierzulande fälschlicherweise auch in Fitness und Wellness getrennt. Wer Wellness macht, geht in die Badewanne - und nicht an Geräte.

MERIAN.de: Wie kann ich als Kunde vorab prüfen, ob die Leistung bei einem Wellness-Angebot stimmt?

Froböse: Auf der Suche nach einem Wellness-Hotel bin, muss ich mir darüber im Klaren sein, was sich hinter dem jeweiligen Angebot verbirgt. Nur so kann ich herausfinden, ob dieses auch wirklich zu mir passt. Außerdem muss ich wissen, ob der Anbieter in der Lage ist, die Angebote kompetent durchzuführen.

MERIAN.de: Das Geschäft mit der Wellness floriert. Nach einer Untersuchung des Deutschen Wellness Verbandes ist der Umsatz mit Wellness-Reisen in den vergangenen fünf Jahren um neun Prozent angestiegen.

Froböse: Die Wellness-Branche hat ihren Umsatz nur erhöht, indem sie bestehende Produkte mit dem Wellness-Label ausgezeichnet hat. Das ist der einzige Unterschied. Der Markt als solches hat sich nicht oder kaum verändert. Nehmen wir ein einfaches Hotel mit einem Schwimmbad als Beispiel. Als der Wellness-Boom aufkam, wurde daraus eine "Wellness-Oase". Insgesamt stelle ich fest, dass der Wellness-Branche in Deutschland ein Konzept fehlt.

MERIAN.de: Wie könnte ein solches Konzept aussehen?

Froböse: Kontemplation. Zurückziehen ist etwas, was in zehn, zwanzig Jahren ein ganz wichtiger Trend sein wird. Das wäre für die Wellness-Branche eine wunderbare Möglichkeit, ein Konzept zu etablieren. Oder auch Minimalismus wäre so eine Lücke!

MERIAN.de: Weshalb eigentlich finden so viele Menschen Gefallen an Wellness?

Froböse: Weil Wellness etwas Gutes suggeriert. Es suggeriert mir: Jetzt bekomme ich etwas, was ich im Alltag nicht bekomme. Mit Wellness habe ich die Möglichkeit, wieder zu mir zu finden. Ich kann für mich Positives erreichen, sagt mir Wellness.

MERIAN.de: Männer gelten als Wellness-Muffel.

Froböse: Wellness ist primär ein Frauenthema. Männer handeln eher nach dem Motto "Hauptsache das Auto ist gesund". Mit ihrem Auto fahren sie jeden Sonntag durch die Waschstraße, aber für sich selbst tun sie wenig. Sie können mit dem Begriff "Wellness" viel weniger anfangen als Frauen.

MERIAN.de: Welche Behandlungen bevorzugen Frauen, welche Männer?

Froböse: Frauen bevorzugen passive Maßnahmen, die sehr viel mit persönlicher Nähe und Zuwendung zu tun haben, zum Beispiel Massagen. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass sie diese Zuwendung zu Hause nicht mehr bekommen. Männer hingegen legen sich lieber in den Whirlpool, weil es cool und luxuriös ist.

MERIAN.de: Und wie sieht Ihr ganz persönliches Wellness-Programm als Mann aus?

Froböse: Sonnenstrahlen und Tageslicht haben für mich ein hohes Wellness-Potential - und Sport treiben an der frischen Luft.