Fast Lane Boykottieren Sie US-Fluglinien!

Am Montag fanden meine verlängerten Weihnachtsferien ein jähes Ende. Ich packte meine Taschen, schloss meine Wohnung in der Schweiz ab und ging zum Bahnhof, um den Zug zu erwischen. Und angesichts der Unmenge an neuen Sicherheitsvorschriften im Luftverkehr, die das neue Jahr einläuteten, war mein Sinkflug aus 1800 Metern über Meeresspiegel herunter auf die Landebahn im tiefer gelegenen Europa eine Reise in die Hölle.

Ich fürchte mich vor dem Chaos und den tumultartigen Umständen, die ausbrechen, wenn die neuen Ganzkörper-Scanner an den Flughäfen aufgestellt und Legionen von Sicherheitsleuten mit der neumodischen Technologie zu kämpfen haben werden. Das wird alles andere als angenehm sein.

Ich hoffe nur, dass die absurden Sicherheitsvorschläge, die von einigen Regierungen als Reaktion auf die Bedrohung über Detroit zuletzt vorgelegt wurden, auf eine ordentliche Dosis gesunden Menschenverstandes treffen.

Es war ja eh klar, dass die meisten Fernsehredaktionen über die Feiertage, als die neuen Bestimmungen bekannt gemacht wurden, mit Notbesetzungen arbeiteten. Das erklärt zumindest, weshalb die verantwortlichen Redakteure es unterließen, auch ein paar Stimmen der Vernunft auf den Bildschirm zu bringen. Stattdessen verließ man sich größtenteils auf Panikmacher, Röntgen-Experten und Experten, die scharf auf ein bisschen Obama-Bashing waren.

Was fehlte - und was unverändert Not tut -, sind die Stimmen der Vielflieger, die im vergangenen Jahr im Luftraum hin und her gependelt sind und damit zum Überleben der weltweit größten Luftfahrtgesellschaften beigetragen haben. Die Sicherheitsbeauftragten der Regierung mögen zwar einige überzeugende Argumente für härtere Maßnahmen haben, dennoch sollten auch die Leute, die den ganzen Apparat letztlich finanzieren, den Mund aufmachen und einige der Absurditäten benennen.

Denn der Januar sollte eigentlich der Monat sein, in dem Unternehmer sich mit ihren persönlichen Assistenten zusammensetzen und die Reisen fürs kommende halbe Jahr planen, um neue Möglichkeiten zu erkunden und sich dabei sowohl von den etablierten als auch den aufstrebenden Märkten inspirieren zu lassen. Diese Haltung ist nicht nur grundlegend, um Geschäfte anzuschieben, sondern sie ist auch der Schlüssel, den Weltmarkt wieder in Schwung zu bringen.

Bedauerlicherweise sind ungenügend erprobte und zeitraubende Sicherheitsmaßnahmen in dieser Hinsicht sehr abtörnend. Die meisten Menschen, mit denen ich mich in den letzten zwei Wochen über Geschäftsreisen unterhielt, sagten: "Okay, das war's dann mit Reisen in die USA fürs ein weiteres Jahr" oder "Vielleicht ist die Zeit reif, wieder in Privatflüge zu investieren".

Eine "Festung Amerika" ist nämlich genau das, was die USA momentan nicht errichten sollten. Während die Wirtschaft sich selbst wieder aufzurichten sucht, sollte Heimatschutz-Chefin Janet Napolitano alles Erdenkliche tun, um das Reisen nach (und innerhalb der) USA so schmerzfrei wie möglich zu gestalten - statt die Leute abzuschrecken. Ebenso müssten sich amerikanische Vorstände vor eine Kamera stellen und erklären, warum eine Generalüberholung des Systems essentiell für die Stimulierung des Handels ist.

In Ermangelung solcher Stimmen in der Öffentlichkeit, finden Sie hier ein paar Ideen zum Umbau des Systems:

Sorgen Sie dafür, dass das Sicherheitspersonal mehr geschätzt wird.

Die Flugsicherheit ist kein unwichtiger, unterbezahlter Bereich, weshalb also sollte die Sicherheitskontrolle weniger wert sein? Wenn Regierungen zeigen möchten, dass es ihnen ernst ist mit der Sicherheit und dem Wohlbefinden der Reisenden, muss an den Einstellungskriterien gearbeitet werden. Der private und öffentliche Sektor muss erkennen, dass die Abläufe reibungsloser in einem Umfeld funktionieren, das intelligente, Service-orientierte Leute anzieht, denen außerdem eine Karriere in Aussicht gestellt wird, die über die Aufforderung an Fluggäste, ihre Schuhe auszuziehen, hinausreicht.

 

Ziehen Sie getrennte Sicherheitsschleusen in Betracht.

Um die Abläufe zu beschleunigen, hat sich diese Kolumne schon einmal dafür eingesetzt, unterschiedliche Kontrollen für junge Passagiere (Kinder), Hobbyflieger (1-5 Flüge im Jahr) und Berufsreisende (anerkannte Vielflieger, die wissen, wie man sich an einem Gepäckförderband verhält) einzurichten. So verlockend eine aktualisierte Version dieser Lösung - also etwa ein Verbot der beschleunigten Abfertigung für, sagen wir mal, kleine alte Damen aus Cornwall - auch ist, so ist auch klar, dass es nicht lange dauern würde, bis man es mit einer Flut explodierender kleiner Tantchen zu tun bekäme.

 

Versuchen Sie's stattdessen mit Kanada.

Ich bin überzeugt davon, dass Airside-Konferenzen in Kanada boomen würden, wenn die Kanadier Vancouver und Toronto tatsächlich zu internationalen Drehscheiben des Flugverkehrs ausbauen und so all die Leute versorgen würden, die nicht mehr in die USA fliegen wollen. Bermuda, Island, die Dominikanische Republik und Mexiko könnten sich auf ähnliche Weise vermarkten. Nichts bringt die USA so schnell zu einem Umdenken wie entgangene finanzielle Einnahmen.

 

Machen Sie einen Bogen um amerikanische Fluggesellschaften, machen Sie einen Bogen um die USA.

Ein noch radikalerer Weg, ein Umdenken zu erzwingen, besteht darin, gar nicht mehr mit amerikanischen Linien zu fliegen und die USA überhaupt zu meiden. Ein deutlicher Rückgang im internationalen Verkehr würde den amerikanischen Fluggesellschaften zu schaffen machen - und ein verkümmerter ziviler Luftfahrt-Sektor bedeutet schlechte Nachrichten für Firmen wie Boeing und deren Zulieferer.

Starten Sie Ihren eigenen Flying Club.

Viele private Charterflugzeuge sind günstig zu kriegen. Gibt es eigentlich schon ein Geschäftsmodell für einen privaten Flying Club, der die wichtigsten internationalen Geschäftszentren verbindet?

Übersetzung für MERIAN.de: Andrea Fonk