Tschad

Wissenswertes über Tschad

Natur und Klima:

Das Staatsgebiet umfasst den östlichen Teil des flachen, abflusslosen Tschadbeckens. Es erstreckt sich von den fruchtbaren Niederungen des Chari und Logone im Süden über die Savannengebiete des Sudan und die Sahelzone nach Norden bis zu den ausgedehnten Wüstenlandschaften der Sahara. Hier, an der Grenze zu Libyen, erhebt sich die stark zerklüftete, vulkanische Felslandschaft des Tibestigebirges mit dem Emi Koussi als höchstem Punkt (3415 Meter). Den östlichen Beckenrand bilden die Hochländer von Ouadaï und von Ennedi, ein bis zu 1450 Meter aufragendes Sandsteingebirge.

An der Westgrenze des Landes liegt der abflusslose und vom Austrocknen bedrohte Tschadsee. Seine Ufer werden von einem Schilfgürtel gesäumt, hinter dem sich eine bis zu zehn Kilometer breite Salztonebene erstreckt. Zwischen Tschadsee und Tibesti bildet die Senke von Bodélé mit 160 Metern den tiefsten Teil des Landes.

Das randtropische Klima ist heiß und trocken. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 29 Grad, jedoch nehmen die tageszeitlichen Schwankungen nach Norden hin zu. Niederschläge sind hier selten. Im Süden werden dagegen mehr als 1000 mm erreicht.

Bevölkerung:

Der Tschad ist ein Vielvölkerstaat mit etwa 200 Ethnien und ebenso vielen Sprachen. Die Konflikte zwischen den heterogenen Bevölkerungsgruppen haben ihre Ursache unter anderem in der Teilung des Landes in einen islamisch geprägten Norden und einen christlich-animistischen Süden; hier leben überwiegend Sudanvölker, darunter das Mehrheitsvolk der Sara, als sesshafte Ackerbauern.

Die nördlichen und mittleren Landesteile sind die Stammesgebiete der Araber und arabisierten Berbervölker, die vorwiegend Handel und Viehzucht betreiben. Insgesamt sind rund sechs Prozent der Gesamtbevölkerung Nomaden. Nur jeder Vierte lebt in einer Stadt. Siedlungsschwerpunkt ist der Süden des Landes. Aufgrund des extrem hohen Bevölkerungswachstums liegt das Durchschnittsalter der Tschader bei gerade 16 Jahren.

Staat und Politik:

Gemäß der mehrfach geänderten Verfassung von 1996 ist der Tschad eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt mit weitreichenden Vollmachten ist der auf fünf Jahre direkt vom Volk gewählte Präsident. Eine unbegrenzte Wiederwahl ist möglich. Er ernennt den an der Spitze der Regierung stehenden Premierminister. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung mit 155 auf vier Jahre gewählten Abgeordneten. Dominierende politische Kraft ist die Präsidentenpartei Patriotische Wohlfahrtsbewegung (MPS).

Wirtschaft und Verkehr:

Seit der Aufnahme des Erdölexports 2003 befindet sich die Wirtschaft des ansonsten rohstoffarmen Landes im Umbruch. Doch reichen die Erlöse aus dem Ölgeschäft bei weitem nicht aus, um die große Armut der Menschen zu beheben. Bürgerkrieg, Korruption und Misswirtschaft haben den Tschad in den Ruin getrieben. Zudem erschweren das starke Bevölkerungswachstum, Dürrekatastrophen, die fortschreitende Desertifikation sowie eine unzureichende Infrastruktur die Entwicklung. Im Norden sind heute noch Kamelkarawanen wichtige Verkehrsträger. Die meist unbefestigten Pisten im Süden sind in der Regenzeit unpassierbar.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt nach wie vor von der Landwirtschaft. Rund 30 Prozent der Fläche dienen als Weideland, lediglich vier Prozent sind Ackerland. Der Anbau von Hirse, Maniok, Bohnen, Erdnüssen, Mais, Reis und Zuckerrohr reicht aber nur in Jahren mit hohen Niederschlägen zur Selbstversorgung. Ausgeführt werden Baumwolle und Erzeugnisse aus der Viehzucht.

Geschichte:

Frühe Reiche und koloniale Herrschaft:

Nach dem 8. Jahrhundert n. Chr. entstand auf dem Boden des heutigen Tschad das Königreich Kanem-Bornu. Im 16. Jahrhundert etablierte sich im Westen das Reich Baguirmi und im 17. Jahrhundert im Osten das Reich Ouadaï . Ende des 19. Jahrhunderts übte der sudanesische Sklavenjäger Rabeh Al Zubayr die Herrschaft in dem Gebiet aus, die 1900 von französischen Truppen beendet wurde. Frankreich gliederte die Region 1910 in das Generalgouvernement Französisch-Äquatorialafrika ein. 1946 wurde der Tschad französische Überseeprovinz und 1958 autonome Republik innerhalb der Französischen Gemeinschaft.

Unabhängigkeit und innere Krisen:

1960 wurde der Tschad in die Unabhängigkeit entlassen. Die Gegensätze zwischen den heterogenen Bevölkerungsgruppen bestimmten die innenpolitische Entwicklung. Es kam immer wieder zu bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen, in die auch Frankreich und Libyen eingriffen. 1973 besetzte Libyen den Aouzou-Streifen im Norden des Tschad. Das Militär stürzte 1975 N'Garta Tombalbaye, den ersten Präsidenten. Der Bürgerkrieg setzte sich in wechselnden Konstellationen fort. 1990 wurde Hissène Habré, seit 1982 diktatorisch herrschender Machthaber, von Idriss Déby gestürzt. 1994 zog Libyen seine Truppen aus dem Aouzou-Streifen ab. 1996 trat eine neue Verfassung in Kraft.

Der von Déby eingeleitete Demokratisierungsprozess änderte wenig an den instabilen innenpolitischen Verhältnissen, die auch durch Auseinandersetzungen mit verschiedenen Rebellenorganisationen belastet blieben. Der sudanesische Darfur-Konflikt (seit 2003) führte zum Zustrom von Hunderttausenden von Flüchtlingen und zur beschleunigten innenpolitischen Destabilisierung. Déby wurde zuletzt 2006 in umstrittenen Wahlen im Präsidentenamt bestätigt.

2007 einigten sich Regierung und Opposition, die die Präsidentschaftswahl 2006 boykotiert hatte, unter anderem auf eine Reform des Wahlsystems. Verschiedene Friedens- und Versöhnungsabkommen mit dem Sudan, dem Déby die Unterstützung der Rebellen vorwarf, bzw. den Rebellenorganisationen blieben ohne durchschlagenden politischen Erfolg. Im Februar 2008 besetzten Rebellen zeitweise Teile der Hauptstadt N'Djamena. Sie wurden von Regierungseinheiten nach blutigen Kämpfen zurückgeschlagen. Im selben Jahr wurden die ersten Kontingente von Friedentruppen der Uno bzw. der EU (Eufor; Minurcat) im Tschad stationiert.