Togo

TogoWissenswertes über Togo

Natur und Klima:

Als schmaler Korridor von nur 50 Kilometer bis maximal 120 Kilometer Breite erstreckt sich Togo von der Küste am Golf von Guinea fast 600 Kilometer weit bis an den Rand des westafrikanischen Sahel nach Norden. An die nehrungs- und lagunenreiche Ausgleichsküste schließt sich landeinwärts eine fruchtbare Tieflandzone an. Sie setzt sich nach Norden in bis zu 400 Meter ansteigenden Hochflächen fort, die von Inselbergen überragt werden. Mit einem steilen Anstieg erhebt sich im zentralen Landesteil das Togo-Atakora-Gebirge mit dem 986 Meter hohen Mont Agou. Nordwestlich des Gebirges durchzieht der Oti, ein Voltazufluss, ein tief liegendes und stark zertaltes Tafelland, das alljährlich zur Regenzeit weithin überschwemmt wird.

Tropisches Savannenland:

Das Klima in Togo ist tropisch mit Durchschnittstemperaturen von 27 Grad an der Küste und 30 Grad im Landesinneren. Die Jahresniederschläge nehmen von Süden nach Norden ab. Während der winterlichen Trockenzeit weht von Norden ein heißer Wüstenwind, der Harmattan. In seinem Windschatten gedeihen an den Südhängen der Gebirge Reste immergrünen Regenwaldes. Der größte Teil des Landes wird jedoch von Feuchtsavannen eingenommen, die nach Norden in Trockensavannen übergehen. Im Küstenbereich finden sich Mangroven und Kokospalmen, um die Lagunen erstrecken sich Sümpfe und Sumpfwälder.

Bevölkerung:

Togo ist ein Vielvölkerstaat mit mehr als 40 verschiedenen Ethnien und ebenso vielen Sprachen und Dialekten. Größte Gruppen sind die Ewe im Süden und die Kabyé im Norden. Die Siedlungsschwerpunkte liegen in der Küstenebene und im Nordosten des Landes. Rund die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zu traditionellen Religionen. 15 Prozent sind Muslime (vor allem im Norden), während die Christen (35 Prozent) vorwiegend im Süden leben.

Staat und Politik:

Gemäß der inzwischen revidierten Verfassung von 1992 ist Togo eine präsidiale Republik. Der mit umfassenden Vollmachten ausgestattete Präsident wird alle fünf Jahre direkt gewählt. Er ernennt den Premierminister und das Kabinett. Die Legislative, die Nationalversammlung, hat 81 auf fünf Jahre gewählte Abgeordnete. Die beherrschende politische Kraft ist die frühere Einheitspartei Rassemblement du Peuple Togolais (RPT). Weitere Parteien sind Union des Forces du Changement (UFC) und Comité d'Action pour le Renouveau (CAR).

Wirtschaft und Verkehr:

Togo ist ein tropisches Agrarland. Der Großteil der Bevölkerung arbeitet in Kleinbetrieben, die für den Eigenbedarf Mais, Sorghum, Maniok und Jams anbauen. Ein kleiner Teil des Ackerlandes dient dem Anbau der traditionellen Exportprodukte Baumwolle, Kaffee und Kakao. Als in den siebziger Jahren der Weltmarktpreis für Phosphat rapide stieg, erfuhr Togo mit seinen reichen Phosphatlagern einen unerwarteten Geldsegen und die Möglichkeit, mit ausländischer Hilfe die Industrialisierung - vor allem im Bereich der Phosphatverarbeitung, Zementerzeugung sowie der petrochemischen und der Textilindustrie - einzuleiten. Doch sinkende Preise führten seit den achtziger Jahren mehrfach zu schweren Wirtschaftseinbrüchen und hohen Staatsschulden. Unter dem Druck des Internationalen Währungsfonds begann die Regierung 1993 mit der Privatisierung der Staatsbetriebe und investierte vermehrt in die Erhaltung der Infrastruktur.

Das Land verfügt über ein im regionalen Vergleich gut ausgebautes Straßennetz. Der Tiefseehafen von Lomé ist ein bedeutender Transithafen Westafrikas.

Geschichte

Kolonialzeit:

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entdeckten Portugiesen die Küste des heutigen Staates. Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich deutsche Missionare und Kaufleute nieder. 1884 machte der Afrikaforscher Gustav Nachtigal Togo zum Schutzgebiet des Deutschen Reichs. 1914 eroberten britische und französische Truppen die deutsche Kolonie. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Land geteilt: Der Westen wurde britisches, der Osten französisches Völkerbundmandat (seit 1946 Uno-Treuhandgebiete). In einer Volksabstimmung in Britisch-Togo sprach sich 1956 eine Mehrheit für den Anschluss an die Kolonie Goldküste, dem späteren Ghana, aus. Frankreich gewährte seinem Mandatsgebiet die innere Autonomie.

Unabhängigkeit und Kampf um Demokratisierung:

1960 entließ Frankreich Togo in die Unabhängigkeit. Der erste Staatspräsident Sylvanus Olympio fiel 1963 einem Attentat zum Opfer. Sein Nachfolger Nicolas Grunitzky musste 1967 General Gnassingbé Eyadéma weichen, der, gestützt auf die Einheitspartei RPT, ein diktatorisches Regime errichtete. Nach blutigen Protesten leitete er zu Beginn der neunziger Jahre mit der Zulassung von Parteien eine vorsichtige Demokratisierung ein und trat formell auch einen Teil seiner Machtbefugnisse ab. Über den Fortgang des Demokratisierungsprozesses kam es in der Folgezeit immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Opposition, der eine wirkliche Machtteilhabe verwehrt blieb.

Eyadéma wurde in umstrittenen Wahlen 1993, 1998 und 2003 im Amt bestätigt. Nach seinem Tod 2005 wurde sein Sohn Faure Gnassingbé in verfassungswidriger Weise vom Militär als Nachfolger eingesetzt. Erst auf internationalen Druck hin wurden Neuwahlen durchgeführt, die von zahlreichen Unregelmäßigkeiten begleitet waren und die Gnassingbé für sich entscheiden konnte. Blutige Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Gegnern des Präsidenten forderten rund 500 Menschenleben. In der Folgezeit bemühte sich Gnassingbé um eine Verständigung mit der Opposition.

Schließlich konnten 2007 Parlamentswahlen durchgeführt werden, die von internationalen Beobachtern als weitgehend frei und fair eingestuft wurden. Die Präsidentenpartei RTP blieb stärkste politische Kraft.


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