Go West! Südafrika-Roadtrip entlang der Westküste (Tag 2-4)

3. Tag

Hängebrücke entlang der Garden Route

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Route: Yzerfontein > West Coast National Park > Langebaan > Velddrif > Vredenburg > Paternoster > St Helena Bay

Kilometer: 156 Kilometer (R315, R27, R399, teils Asphalt, teils Dirt Road)

Highlights: West Coast National Park, Langebaan Lagune, Cape Columbine Nature Reserve, das Fischerdorf Paternoster

Bed & Breakfast: The Oystercatchers‘ Haven, 48 Sonkwas Street, Paternoster (3 DZ, 1 Suite, ab 100 Euro pro Person) www.oystercatchershaven.com

Soundtrack: Kaleo: Way Down We Go

Südafrika kennt viele Strände, fast jeder ist eine Postkartenschönheit. Und entlang der Westküste übertrifft einer den anderen. Unmöglich, sie alle aufzuzählen. Unmöglich, jedes Mal anzuhalten und die Füße in den Sand zu stecken. Am dritten Tag unseres Roadtrips wissen wir: Es kommt immer noch mindestens ein weiterer sensationeller. Unsere Favoriten, in nicht-chronologischer Reihenfolge. Platz 3: der 16 Mile Beach. Vom nördlichen Ende Yzerfonteins zieht sich ein schlankes weißes Band hoch bis in den West-Coast-Nationalpark, der perfekte einsame Strand für Spaziergänger an einem obszön blauen Meer, auf dem die Straheln der Sonne silbrig zerfließen. Und wer im Frühling hierherkommt, wird im 30 000 Hektar großen Nationalpark nicht nur auf Wasser, Felsenklippen und Salzmarsch blicken, sondern noch dazu in einem Meer von Blumen stehen.

Platz 2: Eigentlich sind wir mit dem Leuchtturmwärter von Paternoster verabredet, doch der Mann entpuppt sich als Kauz, der keine Lust hat zu reden. Deshalb fahren wir unterhalb des Turms die Dirt Road einfach weiter – und erreichen die nächste Bucht. Was für ein Glück! Das Cape Columbine Nature Reserve ist spektakulär. Romantisch. Rau. Ein Paradies für die, denen das Rauschen des Meeres Unterhaltung genug ist.

Kann ein Strand ein Versprechen sein? Kann er Hoffnung machen auf eine bessere Welt? Wir sind nur ein paar Schritte vom Atlantik entfernt und sitzen mit Simone Jacke auf der Terrasse des "Strandloper Ocean Boutique Hotel", das ihr und ihrem Mann gehört. Beseelt von der Idee, diesen wundervollen Fleck an der Paternoster Bay möglichst unberührt zu belassen, hat das Paar auf einem Abschnitt von vier Kilometern Grundstücke in Eins-A-Strandlage gekauft. Es ist ein Art Rückversicherung, Südafrika so schnell nicht zu verlassen. "Die Menschen, die Landschaft, der Wein, das Essen – ich wüsste nicht, warum ich künftig noch woanders leben sollte."

Heute führt sie eben jenes Fünf-Sterne-Boutique-Hotel – und kümmert sich zugleich um die Kinder von Paternoster. Kids aus zerrütteten Familien gibt es in dem gestrandeten Fischerdorf nicht wenige, und sie ist davon überzeugt, dass "jeder die Verantwortung hat, in seiner unmittelbaren Umgebung etwas zu verändern". Also gründete sie die "West Coast Kids" und fördert nicht nur den Aufbau und den Unterricht der Dorfschule, sondern auch die medizinische Grundversorgung. Seit sieben Jahren reisen einmal pro Jahr zehn befreundete Berliner Zahnärzte der Praxisklinik KU 64 auf eigene Kosten an, um eine Woche lang jedes Kind, das möchte, in Paternoster zu behandeln. Die Halle in der Kirche, erzählt Simone Jacke, werde dabei zum Praxisraum. Übereinander gestapelte, gekippte Plastikstühle zum Behandlungsstuhl. "Inzwischen sind wir so weit, dass wir oft nur noch Prophylaxe betreiben." Zur Belohnung für die guten Taten spendiert sie den Ärzten Kost und Logis und den einen oder anderen Drink mit Panoramablick. Simone Jacke und die traumschöne Paternoster Bay: ganz klar unsere Nummer 1!

Tag 4

Route: Paternoster > Hopefield > Kersefontein

Kilometer: 70 Kilometer (R399, R45, teils Asphalt, teils Dirt Road)

Highlight: Julian Melck

Bed & Breakfast: Kersefontein Guest Farm, Hopefield (7 DZ im Haupthaus und in weiteren Gebäuden auf dem Gelände, ab 45 Euro pro Person; Dinner 20 Euro) www.kersefontein.co.za

Soundtrack: The Weeknd feat. Ed Sheeran: Dark Times

Wir wollen unbedingt noch ins Hinterland. Zu einem Mann, von dem wir schon vor unserer Reise gehört hatten. Auf seiner Visitenkarte steht (in dieser Reihenfolge): Farmer. Pig-Killer. Aviator. Advocate of the High Court of South Africa. Gestatten, Julian Melck. Er lebt in Kersefontein auf 6000 Hektar Land, das seiner Familie seit 1770 gehört. Die Farm hatte Julians Urahn Martin gekauft, der aus Preußen stammte und für die Dutch East India Company als Steinmetz arbeitete. Von Generation zu Generation wurde der Familienbetrieb erweitert und vererbt, Julian, übernahm das Geschäft vor 30 Jahren von seinem Vater Martin Melck VII. Trotz Jurastudium züchtet er lieber Rinder, hält Merinoschafe, sät Weizen und öffnete den Betrieb für Besucher, die ins Farmleben schnuppern wollen.

Abends sitzen er und seine Gäste dann in einem im Kolonialstil gehaltenen Esszimmer, lassen sich vom Personal von Julian erlegtes Wildbret servieren und lauschen den Geschichten der alten Melcks, die Julian virtuos erzählt. Etwa die Anekdote vom britischen Gouverneur der Kapkolonie, Lord Charles Somerset, der die 150 Kilometer von Kapstadt bis Kersefontein in einem Stück zu reiten pflegte, um seinen Freund Martin Melck III. zu besuchen – und zwar, indem er viermal die Pferde wechselte. Die Zeit verfliegt, denn Julian, der sich auf Instagram "King of the West Coast" nennt, ist ein glänzender Erzähler. Gin, Wein und Whisky fließen in Strömen.

Der nächste Morgen ist ein harter, obwohl man eigentlich hätten wissen sollen: Zu viel des Guten kann berauschend sein. Zum Glück geht es lediglich zurück nach Kapstadt. Nonstop. Allerdings mit dem festen Plan, sehr bald wieder an diese Westküste zurückzukehren.

Seite 2 : Südafrika-Roadtrip entlang der Westküste (Tag 2-4)

Autor

Hansjörg Falz