Somalia

Wissenswertes über Somalia

Natur und Klima:

Somalia umfasst den größten Teil der Somali-Halbinsel zwischen dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean. Der Norden ist überwiegend gebirgig. Von dem schmalen Küstenstreifen am Golf von Aden steigt das Gelände steil an und erreicht im Shimbiris mit 2416 Metern seine höchste Erhebung. Nach Südosten flacht das Hochland allmählich ab.

Die südliche Landeshälfte ist überwiegend hügeliges Tiefland. Die weiträumige Aufschüttungsebene zwischen den beiden einzigen ganzjährig Wasser führenden Flüssen Webi Shabeelle und Webi Jubba wird von einem Dünengürtel gegen das Meer abgeschlossen. Im äußersten Süden sind der Küste Korallenriffe vorgelagert.

Zwischen Halbwüste und Mangroven:

Das Land gehört zu den heißesten Gegenden Afrikas mit durchschnittlichen Temperaturen zwischen 36 und 42 Grad im Sommer und 28 Grad in den Wintermonaten. Von Dezember bis März herrscht infolge des Nordostmonsuns große Trockenheit, nur an der Nordküste fällt gelegentlich Regen, gewöhnlich aber nicht über 50 mm. Von April bis Oktober führt der Südwestmonsun feuchte Luftmassen mit Niederschlagsmengen um 400 mm in den Süden des Landes. Der Großteil Somalias wird von Trockensavanne eingenommen, die an der Nordküste in Halbwüste übergeht. Entlang der Flussniederungen im Süden wachsen Galeriewälder, an den Küsten Palmen und Mangroven.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung gehört fast ausschließlich dem kuschitischen Volk der Somal an, das sich in verschiedene Stämme und Clans untergliedert. Ein Großteil von ihnen lebt noch als Nomaden. Der Islam sunnitischer Richtung ist Staatsreligion. Der Bürgerkrieg, ein extrem hohes Bevölkerungswachstum und Hungersnöte haben die Situation der Menschen in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Hunderttausende wurden Flüchtlinge im eigenen Land, etwa 500.000 sind ins benachbarte Ausland geflohen.

Staat und Politik:

1991 wurde die Verfassung von 1979 außer Kraft gesetzt. Auf Basis der 2004 verabschiedeten Übergangsverfassung (Transitional Federal Charter, TFC) wurde ein Übergangsparlament mit 275 Abgeordneten und einer Legislaturperiode von fünf Jahren berufen. Das Parlament, das sich im kenianischen Nairobi konstituierte, wählte auch einen Übergangspräsidenten und eine Übergangsregierung mit einem Premierminister an der Spitze. Die staatlichen Übergangsinstitutionen sind allerdings politisch weit gehend machtlos. Ein Parteiensystem im herkömmlichen Sinne existiert nicht. Auf der Basis von Clanstrukturen entstandene Bewegungen wie zum Beispiel die Union der Islamischen Gerichtshöfe konkurrieren im politischen Leben.

Die international nicht anerkannte Republik Somaliland verfügt über eigene staatliche Institutionen.

Wirtschaft und Verkehr:

Die Bürgerkriegswirren stürzten Somalia - ohnehin eines der ärmsten Länder der Erde - in eine tiefe Krise. Die Infrastruktur ist weitgehend zerstört, die wenig entwickelte Industrie kaum produktionsfähig und durch wiederkehrende Dürren ist die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln nicht gewährleistet.

Traditionelle Grundlage der Wirtschaft ist der Agrarsektor, Hauptzweig ist die extensive nomadisch betriebene Weidewirtschaft. Im Süden des Landes werden in erster Linie Rinder, in den trockeneren Gebieten des Norden Schafe, Ziegen und Kamele gehalten. Ackerbau wird vor allem im Bereich der Flüsse und Oasen betrieben und nimmt kaum zwei Prozent der Gesamtfläche in Anspruch. An Bodenschätzen sind nur kleinere Vorkommen unter anderem von Eisenerz, Sulfat, Gips, Uran- und Titanerz bekannt, doch werden sie bislang kaum gefördert. Im Norden Somalias werden größere Erdölvorkommen vermutet.

Das Verkehrsnetz ist unzureichend. Eine Eisenbahn gibt es nicht. Die meisten Straßen haben keine feste Decke.

Geschichte:

Kolonialherrschaft:

Seit dem 7. Jahrhundert gelangte der Islam auf die Somalihalbinsel. Nach dem Bau des Suez-Kanals (1859-1869) erwachte das strategische Interesse der europäischen Großmächte an der Region, die Ende des 19. Jahrhundert unter Großbritannien, Italien und Frankreich aufgeteilt wurde. 1960 entließen Großbritannien und Italien die von ihnen verwalteten Gebiete in die Unabhängigkeit; die beiden Regionen schlossen sich zur Republik Somalia zusammen. Französisch-Somaliland erhielt erst 1977 als Dschibuti die Unabhängigkeit.

Unabhängigkeit und Bürgerkriege:

1969 putschte sich General Mohammed Siad Barre an die Macht und leitete eine sozialistische Entwicklung ein. 1977/78 versuchte Somalia die hauptsächlich von Somali bewohnte äthiopische Provinz Ogaden zu erobern, wurde aber zurückgeschlagen.

Seit Ende der achtziger Jahre kämpften verschiedene Rebellengruppen gegen das Regime von Präsident Barre, der schließlich 1991 gestürzt wurde.

Zwischen den Rebellengruppen brach ein blutiger Bürgerkrieg aus. Im Norden wurde die unabhängige Republik "Somaliland" proklamiert. Um die aus den inneren Wirren resultierende Hunger- und Flüchtlingskatastrophe zu mildern, wurden 1992 Uno-Truppen eingesetzt, die aber 1995 erfolglos wieder abziehen mussten. 1998 erklärte sich die Region Puntland für autonom.

Auch nachdem 2004 ein Übergangsparlament, das aus Sicherheitsgründen im kenianischen Nairobi tagte, sich auf Abdullahi Yusuf Ahmed als Präsidenten einer Interimsregierung und einen Friedensplan geeinigt hatte, hielten die Kämpfe zwischen den konkurrierenden Clans und Milizen an.

2005 siedelte die Übergangsregierung von Kenia ins somalische Baidoa über, ohne jedoch politische Kontrolle ausüben zu können. Im folgenden Jahr brachen Kämpfe zwischen verschiedenen Warlords und den Milizen der Union der Islamischen Gerichtshöfe (UIC) aus, die Mogadischu und weite Teile Südsomalias unter ihre Kontrolle brachten. Im Dezember 2006 griff Äthiopien offen in die innersomalischen Konflikte ein und ging gemeinsam mit Truppen der Übergangsregierung militärisch gegen die UIC-Milizen vor, die aus Mogadischu vertrieben werden konnten. Die von Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed geführte Regierung konnte sich erstmals seit ihrer Amtsübernahme in Mogadischu niederlassen.

2007 autorisierten die Vereinten Nationen Blauhelmtruppen der Afrikanischen Union für eine Friedensmission. Trotzdem gingen die militärischen Auseinandersetzungen weiter. Hunderttausende Menschen flohen aus den umkämpften Gebieten. Eine Versöhnungskonferenz im Sommer 2007 blieb ohne Ergebnis. In Eritrea formierte sich im September 2007 eine gegen die Übergangsregierung gerichtete Allianz zur Wiederbefreiung Somalias (ARS). Wiederholt führten die USA Militärschläge gegen Islamisten in Somalia durch. Die Übergangsregierung schloss im Juni 2008 ein Waffenstillstandsabkommen mit der ARS. Gleichwohl gingen die bewaffneten Auseinandersetzungen mit bzw. zwischen radikal-islamischen Gruppen weiter. Um die von Somalia ausgehende Piraterie zu bekämpfen, ermächtigte der Uno-Sicherheitsrat ausländische Staaten zu militärischen Interventionen in somalischen Hoheitsgewässern.

Im Dezember 2008 erklärte Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed seinen Rücktritt. Aufgrund andauernder Kämpfe zwischen den äthiopischen Truppen und den Islamisten in Mogadischu zog Äthiopien im Januar 2009 seine Truppen aus der Hauptstadt ab. Im selben Monat wurde der ARS-Politiker Scheich Scharif Scheich Ahmed zum neuen Staatsoberhaupt gewählt.