Simbabwe

Wissenswertes über Simbabwe

Natur und Klima:

Den größten Teil des Staatsgebietes nimmt ein welliges Hochland (Highveld) mit Höhen mehr als 1200 Meter ein, das zur Umrahmung des Kalaharibeckens gehört. Überragt wird es von zahlreichen Inselbergen und einer von Südwesten nach Nordosten verlaufenden Hügelkette, dem Great Dyke. Nach Osten steigt das Highveld an und erreicht in den Inyangabergen, der Fortsetzung der Großen Randstufe von Südafrika, mit 2596 Meter die größte Höhe. Im Süden und Norden fällt die Landschaft in markanten Stufen über das Middleveld (900 bis 1200 Meter) zum Lowveld an den Grenzflüssen Limpopo und Sambesi ab. Hier an der Grenze zu Sambia liegen die berühmten Victoriafälle. Unterhalb der Wasserfälle wird der Fluss durch den Karibadamm zu einem 280 Kilometer langen See aufgestaut.

Das tropisch-wechselfeuchte Klima wird durch die Höhenlage gemildert. Die jährlichen Niederschläge steigen von 300 mm im Südwesten bis auf 1400 mm im östlichen Randgebirge, wo immergrüner Tropenwald die Hänge überzieht. Ansonsten wird die Vegetation von Feucht- und Trockensavanne bestimmt. Die Tierwelt wurde mit fortschreitender Kultivierung fast vollständig in die zahlreichen Nationalparks und Wildreservate zurückgedrängt.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung gehört überwiegend den Bantuvölkern der Shona und der Ndebele an. Seit der Unabhängigkeit haben zahlreiche Weiße (meist Briten) das Land verlassen; ihr Anteil liegt heute bei weniger als zwei Prozent. Die starke Bevölkerungszunahme bildete bis vor kurzem das drängendste Problem, heute ist es Aids; inzwischen ist jeder Vierte HIV-infiziert.

Staat und Politik:

Gemäß der mehrfach revidierten Verfassung von 1980 ist Simbabwe eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der Präsident, der für jeweils sechs Jahre direkt gewählt wird. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Abgeordnetenhaus mit 210 Mitgliedern und dem Senat mit 93 Mitgliedern. Die Legislaturperiode für beide Kammern beträgt fünf Jahre. Die wichtigsten Parteien sind die Zimbabwe African National Union-Patriotic Front (Zanu-PF) und das Movement for Democratic Change (MDC). Seit 2009 gibt es das Amt des Premierministers.

Wirtschaft und Verkehr:

Im Vergleich zu vielen anderen afrikanischen Staaten besitzt Simbabwe ein gutes wirtschaftliches Entwicklungspotenzial. Das Land verfügt neben den vielfältigen Rohstoffen wie Gold, Platin, Kupfer, Nickel, Chrom und Kohle über einen hohen Anteil industrieller Fertigung sowie über fruchtbares Ackerland. Die Dürreperioden und vor allem die Zwangsenteignungen der weißen Farmer haben jedoch in den vergangenen Jahren zu erheblichen Ernterückgängen und großen Versorgungsengpässen geführt, so dass ein Großteil der Bevölkerung auf ausländische Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist. Es herrscht eine extrem hohe Arbeitslosigkeit, Schattenwirtschaft, chronischer Devisenmangel und eine hohe Inflation.

Industrie (Metall-, Nahrungsmittel- und Textilindustrie) und Handel werden durch Stromausfälle und Treibstoffmangel beeinträchtigt. Zu einer bedeutenden Devisenquelle hatte sich bis zu den politischen Unruhen der Tourismus entwickelt; Hauptattraktionen sind die Naturparks, die Victoriafälle und die Ruinen von Simbabwe.

Die Verkehrsverbindungen sind vergleichsweise gut. Die Eisenbahn verbindet Simbabwe mit den wichtigen Seehäfen der Nachbarländer.

Geschichte

Frühe Großreiche und Kolonialzeit:

Die Region wurde früh von Völkern besiedelt, die sich auf Erzgewinnung und Metallverarbeitung verstanden; vermutlich um 1100 entstanden die ältesten Steinbauten in der Residenz Simbabwe.

Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Reich Monomotapa gegründet. 1889/90 nahm die von Cecil Rhodes gegründete Britisch-Südafrikanische Gesellschaft das Gebiet in Besitz, das 1895 Rhodesien genannt wurde. Südrhodesien, das heutige Simbabwe, wurde 1923 britische Kronkolonie mit Selbstregierung der weißen Siedler. 1953 bis 1963 bildete Südrhodesien zusammen mit Nordrhodesien, dem heutigen Sambia, und Nyasaland, dem heutigen Malawi, die Föderation Rhodesien und Nyasaland. Nach deren Auflösung erklärte 1965 der Chef der weißen Minderheitsregierung des Südens, Ian Smith , einseitig die Unabhängigkeit als Rhodesien. Gegen die Regierung Smith kämpften schwarze Guerillaorganisationen. 1978/79 gab es erstmals eine aus Vertretern der weißen Minderheit und der schwarzen Bevölkerungsmehrheit gebildete Regierung, die aber international keine Anerkennung fand.

Das unabhängige Simbabwe:

1980 ging die Macht schließlich auf die Schwarzafrikaner über, und das Land wurde als Simbabwe unabhängig. Das Amt des Premierministers übernahm Robert Mugabe .

Durch Verfassungsänderungen wurde 1987 das Präsidialsystem eingeführt. Mugabe regierte als Staatspräsident und zunehmend autokratisch. Das Regime tolerierte seit 2000 illegale Besetzungen weißen Farmlandes sowie Ausschreitungen gegen Oppositionelle und stürzte Simbabwe in eine schwere innere Krise. Mugabe, der zuletzt 2002 in umstrittenen Wahlen im Amt bestätigt wurde, sah sich zunehmend international isoliert. 2003 erfolgte der Austritt aus dem Commonwealth. Bei den Parlamentswahlen 2005, die nicht demokratischen Standards entsprachen, gewann die Präsidentenpartei Zanu-PF eine Zweidrittelmehrheit.

Eine Hyperinflation und eine durch den Zusammenbruch der Agrarwirtschaft prekär gewordene Versorgungslage lösten in der Folgezeit eine Massenemigration der Bevölkerung aus. Die Sicherheitskräfte unterdrückten massiv die von Morgan Tsvangirai geführte Oppositionsbewegung gegen Mugabe. Nach einer Verfassungsänderung 2007 wurden die eigentlich erst für 2010 geplanten Parlamentswahlen gemeinsam mit den Präsidentschaftswahlen 2008 durchgeführt. Die Zanu-PF verlor dabei ihre Mehrheit im Parlament an das MDC. Die Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentschaftswahlen verzögerte das Mugabe-Regime, gleichzeitig kam es zu zahlreichen Gewaltakten der Sicherheitskräfte gegen die Opposition.

Schließlich gab die Wahlkommission bekannt, dass Tsvangirai im ersten Wahlgang zwar die meisten Stimmen gewonnen, die nötige absolute Mehrheit aber verfehlt habe. Für den 27. Juni 2008 wurde daher eine Stichwahl für das Präsidentenamt angesetzt. Wegen der vom Regime intensivierten Terrorkampagne gegen das MDC zog Tsvangirai am 22. Juni 2008 seine Kandidatur für die Stichwahl zurück, um seine Anhänger vor der staatlichen Gewalt zu schützen. Trotz in- und ausländischer Kritik ließ Mugabe die Wahl durchführen und erhielt nach offiziellen Angaben rund 85,5 Prozent der Stimmen. Am 29. Juni 2008 wurde er erneut als Präsident vereidigt.

Nach schwierigen Verhandlungen unter südafrikanischer Vermittlung unterzeichneten Regierung und Opposition am 15. September 2008 eine Vereinbarung über eine Machtteilung. Nach monatelangem Streit über die Aufteilung der Ministerposten zwischen Zanu-PF und MDC wurde Tsvangira schließlich im Februar 2009 Premierminister. In der Zwischenzeit hatte sich die innerstaatliche Krise durch eine landesweite Choleraepidemie verschärft.


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