Ruanda

Wissenswertes über Ruanda

Natur und Klima:

Im Westen steigt Ruanda vom Zentralafrikanischen Graben mit dem Kivusee steil von etwa 1500 Meter über dem Meeresspiegel zum östlichen Randgebirge auf 2000 bis 3000 Meter an. Im Norden schließen sich an die Gebirgskette die teils noch aktiven Virunga-Vulkane mit dem bis 4507 Meter aufragenden Karisimbi an. Ostwärts senkt sich das Land zu einer savannenbedeckten Hochfläche (1500 bis 1700 Meter über dem Meeresspiegel) mit zahlreichen abflusslosen Seen und tief eingeschnittenen Tälern. Die weitgehend versumpfte Senke des Kagera, des Quellflusses des Weißen Nils, markiert die östlich Grenze zu Tansania.

Der Großteil der früheren Savannenlandschaft ist heute Kulturland. Nur im westlichen Gebirgsland existieren noch dichte Regen- und Bambuswälder. Die jährlichen Niederschlagsmengen betragen hier - auf zwei Regenzeiten verteilt - mehr als 2000 mm; Richtung Osten nehmen sie bis auf 800 mm ab. Die Temperaturen sind trotz der Nähe zum Äquator infolge der Höhenlage gemäßigt.

Bevölkerung:

Ruanda weist eine der höchsten Siedlungsdichten Afrikas auf. Rund 80 Prozent der Menschen leben in ländlichen Streusiedlungen, meist ohne ausreichende medizinische Versorgung. Die Bevölkerungsmehrheit stellt das Bantuvolk der Hutu, rund 14 Prozent sind Tutsi; beide Gruppen haben eine gemeinsame Sprache und Kultur. Die pygmäischen Twa bilden nur noch eine kleine Minderheit.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 2003 ist Ruanda eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt mit weit reichenden Vollmachten ist der Präsident, der für sieben Jahre direkt vom Volk gewählt wird. Er ernennt auch den Premierminister. Die Legislative liegt beim Abgeordnetenhaus mit 86 Abgeordneten, die auf fünf Jahre gewählt werden, und dem Senat mit 26 Mitgliedern, die eine Amtszeit von acht Jahren haben. Die Patriotische Front Ruandas (FPR), die Sozialdemokratische Partei (PSD) und die Liberale Partei (PL) sind die stärksten parteipolitischen Kräfte.

Wirtschaft und Verkehr:

Ruanda ist ein armes Entwicklungsland und nicht zuletzt wegen des Bürgerkriegs und dessen Folgen auf internationale Hilfe angewiesen. Dominierender Wirtschaftssektor ist die Landwirtschaft. Die meisten Menschen leben von den Erträgen ihrer kleinbäuerlichen Betriebe. Angebaut werden vor allem Maniok, Batate, Hirse, Hülsenfrüchte und Bananen. Nur wenige Bauern kultivieren darüber hinaus Kaffee und Tee, die wichtigsten Exportprodukte des Landes. Angesichts des hohen Bevölkerungswachstums müssen sich jedoch immer mehr Menschen den knappen Boden teilen, der durch Übernutzung ausgelaugt oder von Erosion bedroht ist. Schon jetzt genügen die Ernten nicht mehr für eine ausreichende Ernährung.

Der überwiegende Teil des Energiebedarfs wird durch Holz gedeckt. Große Waldbestände wurden dadurch bereits vernichtet. Eine nachhaltige Verbesserung der Energieversorgung versprechen die im Kivusee vorhandenen Methangasvorkommen. Die wichtigsten Bodenschätze Ruandas sind Coltan (Ausgangsstoff für die Tantalgewinnung) und Zinn. Größter Industriebetrieb ist eine Brauerei in Gisenyi.

Der Außenhandel wird teils über die mehr als 1500 Kilometer entfernten Häfen in Kenia oder Tansania abgewickelt. Durch diesen langen und teuren Transportweg wird dem Binnenland Ruanda der Zugang zum Welthandel erschwert.

Geschichte:

Ruanda bis zum Ende der Kolonialzeit:

Im 14. Jahrhundert begannen die Tutsi, ein Volk von Rinderhirten, in das Gebiet des heutigen Ruanda einzuwandern. Sie dominierten bald die dort bereits ansässigen Hutu-Ackerbauern und errichteten seit dem 15. Jahrhundert einen aristokratischen Staat mit dem Mwami (König) an der Spitze. Von 1884 bis 1916 war Ruanda Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika und stand anschließend zusammen mit Burundi als Mandatsgebiet des Völkerbundes bzw. der UN unter belgischer Verwaltung. 1962 erlangte Ruanda unter Abtrennung von Burundi die Unabhängigkeit. Erster Staatspräsident wurde Grégoire Kayibanda, Vorsitzender der Hutu-Partei Parmehutu, die den amtierenden Tutsi-König bereits vor der Erlangung der Unabhängigkeit gestürzt hatte.

Unabhängigkeit und Bürgerkriege:

Seit 1973 regierte der durch einen Putsch an die Macht gekommene Hutu Juvénal Habyarimana. 1990 drang von Uganda aus eine Rebellenarmee von im Exil lebenden Tutsi, die Patriotische Front Ruandas (Front patriotique rwandais, FPR), in Ruanda ein und verwickelte die Regierungstruppen in schwere Kämpfe. Trotz zwischenzeitlicher Friedensgespräche eskalierte der Konflikt, nachdem Habyarimana 1994 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Innerhalb weniger Wochen ermordeten Hutu-Milizen rund eine Million Tutsi und Oppositionelle der eigenen Volksgruppe.

Inzwischen konnte die FPR unter Führung von Paul Kagame den Bürgerkrieg zu ihren Gunsten entscheiden und die Macht in Ruanda übernehmen. Während die Innenpolitik in jüngster Zeit von der Aufarbeitung des Völkermords von 1994 bestimmt wurde, beherrschten die Konflikte im Nachbarland Demokratische Republik Kongo die Außenpolitik. Staatspräsident ist seit 2000 Paul Kagame. Die vergangenen Parlamentswahlen 2008 gewann die FPR mit großer Mehrheit.


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