Republik Kongo

Wissenswertes über Republik Kongo

Natur und Klima:

An den flachen, zum Teil mangrovengesäumten Küstenstreifen schließt sich landeinwärts das durchschnittlich 500 bis 800 Meter hohe, zur Niederguineaschwelle gehörende Batéké-Plateau an. Es wird von Schluchten und Tälern stark zergliedert und fällt in östlicher Richtung sanft auf etwa 300 Meter zum Kongobecken hin ab. Der Kongo und seine zahlreichen Zuflüsse bilden hier ausgedehnte Überschwemmungs- und Sumpflandschaften. Weite Teile des Landes sind von dichtem Regenwald bedeckt. Das Batéké-Plateau und der Küstenstreifen tragen Feuchtsavanne.

Es herrscht typisches Äquatorialklima mit Niederschlagsmengen bis 1900 mm, hoher Luftfeuchtigkeit und ganzjährig hohen Temperaturen (Monatsmittel 25 Grad Celsius).

Bevölkerung:

Die Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus Bantuvölkern, von denen die Kongo etwa die Hälfte stellen. In den Wald- und Sumpfgebieten des Nordostens lebt eine kleine Minderheit von Pygmäen. Hauptsiedlungsgebiet ist der Süden. Infolge der unvermindert anhaltenden starken Landflucht leben bereits zwei Drittel der Kongolesen in Städten, besonders in den Zentren Brazzaville und Pointe-Noire. Durch den forcierten Ausbau des Schulwesens konnte die Analphabetenrate deutlich gesenkt werden.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 2002 ist Kongo eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt und Chef der Exekutive ist der auf sieben Jahre direkt gewählte Präsident, der über umfassende Vollmachten verfügt. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament, der Nationalversammlung (137 Abgeordnete, Wahl alle fünf Jahre) und dem Senat (66 Senatoren, Legislaturperiode sechs Jahre, alle drei Jahre Teilerneuerung). Dominierende Partei ist die Kongolesische Partei der Arbeit (PCT), die frühere Einheitspartei.

Um Kongo von der benachbarten Demokratischen Republik Kongo (Kongo-Kinshasa) zu unterscheiden, wird das Land auch nach seiner Hauptstadt Kongo-Brazzaville genannt.

Wirtschaft und Verkehr:

Die wirtschaftliche Entwicklung der Republik Kongo wurde in erheblichem Maße von der Erdölförderung bestimmt. Der zwischenzeitliche Verfall der Preise, Missmanagement in der sozialistisch ausgerichteten Planwirtschaft, eine hohe Staatsverschuldung und der Bürgerkrieg brachten jedoch die anfänglich positive Entwicklung zum Stillstand. Die Mehrheit der unrentablen Staatsbetriebe musste geschlossen werden.

Der Agrarsektor wurde lange Zeit zugunsten der - wenig erfolgreichen - Industrialisierung vernachlässigt. Die Landwirtschaft dient meist der Eigenversorgung und leidet unter der geringen Fruchtbarkeit der Böden sowie veralteten Anbaumethoden, so dass nahezu die Hälfte aller Grundnahrungsmittel importiert werden muss. Einige moderne Großplantagen liefern vor allem Kaffee, Kakao, Palmöl und Tabak für den Export.

Neben Erdöl besitzt Kongo weitere Bodenschätze wie Blei- und Zinkerz, Gold, Diamanten, Bauxit und Phosphate. Die Energieversorgung wird zu 99 Prozent durch Wasserkraftwerke sichergestellt. Zu den wichtigen Ressourcen gehören die tropischen Regenwälder, die wertvolle Edelhölzer für den Export liefern. Die Wälder im Norden des Landes sind aufgrund der schlechten Erschließung - Flüsse sind dort die einzigen Verkehrswege - noch weitgehend unberührt. Insgesamt sind etwa 2600 Kilometer Wasserwege ganzjährig schiffbar. Einziger Seehafen ist Pointe-Noire, das durch eine Eisenbahnstrecke mit Brazzaville verbunden ist.

Geschichte:

Koloniale Herrschaft:

Im Gebiet der heutigen Republik Kongo existierten in vorkolonialer Zeit mehrere Bantu-Königreiche, so das Batéké-Reich. 1880 schloss der französische Afrikaforscher Pierre Savorgnan de Brazza mit dem König der Batéké einen Protektoratsvertrag. Die Berliner Kongokonferenz bestätigte 1885 die französischen Ansprüche. Das Gebiet wurde 1891 französische Kolonie und 1910 Teil von Französisch-Äquatorialafrika mit der Hauptstadt Brazzaville. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Kongo französisches Überseeterritorium. Am 15. August 1960 entließ Paris das Land als Kongo-Brazzaville in die Unabhängigkeit.

Sozialismus und Bürgerkrieg:

1963 wurde der erste Staatspräsident Fulbert Youlou gestürzt. In der Folgezeit geriet das Land auf einen sozialistischen Kurs. 1968 brachte ein Putsch marxistisch orientierte Offiziere unter Führung von Marien Ngouabi an die Macht. Sie proklamierten die Volksrepublik Kongo und gründeten die Einheitspartei PCT. 1977 wurde Ngouabi ermordet. Nach Machtkämpfen übernahm 1979 David Sassou-Nguesso die Staats- und Parteiführung. Er leitete zu Beginn der neunziger Jahre eine Demokratisierung ein. Die PCT verzichtete auf ihr Machtmonopol.

Die Präsidentschaftswahlen 2002 gewann Pascal Lissouba. Spannungen zwischen Anhängern Sassou-Nguessos und regierungsnahen Kräften entluden sich in blutigen Bürgerkriegswirren, die 1997 zum Sturz Lissoubas und zur erneuten Machtübernahme Sassou-Nguessos führten. 1999 schlossen die Bürgerkriegsparteien ein Friedensabkommen. 2002/03 kam es erneut zu Kämpfen mit rebellierenden Milizen. 2002 und 2009 bestätigte die Bevölkerung Sassou-Nguesso in umstrittenen Wahlen im Präsidentenamt.


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