Niger

Wissenswertes über Niger

Natur und Klima:

Niger hat Anteil an den Großlandschaften Sahara, Sahelzone und Sudan. In der Landesmitte erhebt sich das schroffe Bergland Aïr, das mit seinen Vulkanen über 2000 Meter Höhe reicht. In den tief eingeschnittenen Tälern finden sich fruchtbare Oasen.

Fast von allen Seiten wird das Gebirge von Wüstenlandschaften umschlossen, die teilweise durch Trockentäler und niedrige Höhenzüge untergliedert werden. Im Osten dehnt sich das weite Sandwüstengebiet der Ténéré bis zum Djadoplateau an der Nordgrenze des Landes aus. Den äußersten Nordosten nehmen Ausläufer des Tibestigebirges ein. Im Südwesten durchquert der Niger, drittgrößter Strom Afrikas, das Land, im Südosten hat Niger Anteil am Tschadsee.

Trockenheißes Klima:

Das Klima ist im ganzen Land heiß und trocken. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 29 Grad, jedoch gibt es extreme tageszeitliche Schwankungen. Im Südwesten fallen während der sommerlichen Regenzeit bis zu 500 mm Niederschlag. Nach Nordosten nehmen die Werte rasch ab; in den nördlichen Wüstenregionen regnet es äußerst selten. Dürreperioden und bisweilen auch Heuschreckenplagen führen in Niger immer wieder zu Hungerkatastrophen.

Bevölkerung:

Entsprechend den natürlichen Gegebenheiten ist die Siedlungsdichte sehr gering, aber auch sehr ungleichmäßig. Mehr als 95 Prozent der Bevölkerung - überwiegend Hausa und andere Sudanvölker - leben im Süden und im Nigertal. Der Norden ist das traditionelle Stammesgebiet der berberischen Tuareg, die als Nomaden und Oasenbewohner in den Halbwüsten und Wüstengebieten leben. Der Sahel ist der Lebensraum der nomadisierenden Fulbe.

Die meisten Menschen leben in ländlichen Gebieten, mehr als die Hälfte ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser oder medizinische Versorgung. Entsprechend hoch ist die Sterblichkeitsrate; bei durchschnittlich 7,8 Geburten je Frau nimmt die Bevölkerung dennoch rasch zu. Schätzungen zufolge leben mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Armut. Die Analphabetenrate ist mit rund 71 Prozent extrem hoch.

Staat und Politik:

Nach der 1999 verabschiedeten Verfassung ist Niger eine präsidentiell-parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählte Präsident. Er ist mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet und ernennt den Premierminister, der dem Parlament verantwortlich ist. Die 113 Abgeordneten des Parlaments, der Nationalversammlung, sind für einen Zeitraum von fünf Jahren gewählt. Dominierende politische Kraft ist die Präsidentenpartei Nationalbewegung für die Entwicklung der Gesellschaft (MNSD). In der Opposition steht die Nigrische Partei für Demokratie und Sozialismus (PNDS).

Wirtschaft und Verkehr:

Niger ist ein wenig entwickeltes Agrarland; der Staatshaushalt wird zu einem Großteil mit ausländischer Finanzhilfe bestritten. Mehr als 85 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, die sich auf das Nigerufer und einen schmalen Landstreifen im Süden sowie auf wenige Oasen beschränkt. Angebaut werden vornehmlich Hirse, Maniok, Reis und Hülsenfrüchte für den Eigenbedarf und Erdnüsse für den Export. In den weiten Trockengebieten betreiben Nomaden extensive Viehzucht mit Rindern, Ziegen und Schafen. Die Überweidung der ökologisch labilen Sahelzone begünstigt die weitere Ausdehnung der Wüste.

Die meisten Einnahmen erzielt das Land durch den Export von Uranerz. Seit 1971 werden die reichen Vorkommen bei Arlit am Aïr ausgebeutet. Über das weitmaschige Straßennetz gibt es eine Verbindung zu den Häfen an der Oberguineaküste. Eisenbahnen gibt es nicht. In den Wüstengebieten haben Karawanen immer noch große Bedeutung.

Geschichte:

Vor der Unabhängigkeit:

Das Gebiet des heutigen Staates gehörte in vorkolonialer Zeit zum Einflussgebiet mehrerer westafrikanischer Reiche (Kanem-Bornu, Songhai). Im 19. Jahrhundert begann die Erforschung durch die Europäer. Ende des 19. Jahrhunderts besetzte Frankreich gegen heftigen Widerstand, vor allem der Tuareg, die Region. 1922 erhielt Niger den Status einer französischen Kolonie. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine Antikolonialbewegung.

Entwicklung seit der Unabhängigkeit:

1960 konnte die Unabhängigkeit proklamiert werden. Der erste Staatspräsident Hamani Diori wurde 1974 durch einen Militärputsch unter Führung von Seyni Kountché gestürzt. Nach Kountchés Tod 1987 wurde Ali Seybou Präsident. Er leitete zu Beginn der neunziger Jahre eine Demokratisierung ein. 1993 fanden erstmals freie Wahlen statt, aus denen Mahamane Ousmane als Sieger hervorging. Der 1990 ausgebrochene Konflikt mit den Tuareg konnte erst nach langwierigen Verhandlungen beigelegt werden.

1996 kam es zum Militärputsch durch Ibrahim Baré Maïnassara, der 1999 bei einem neuerlichen Staatsstreich ermordet wurde. Nachdem die Bevölkerung im selben Jahr für eine demokratische Verfassung votiert hatte, fanden Präsidentschaftswahlen statt, die Mamadou Tandja (MNSD) gewann. Er wurde 2004 im Amt bestätigt. Seit 2007 kam es im Norden des Landes zu militärischen Auseinandersetzungen mit aufständischen Tuareg. Unter Missachtung der Verfassung beschloss Tandja 2009, per Dekret zu regieren, außerdem löste er Parlament und Verfassungsgericht auf.