Namibia

Wissenswertes über Namibia

Natur und Klima:

Namibia besteht zum großen Teil aus Wüste und Halbwüste. Entlang der gesamten Atlantikküste - zwischen den Grenzflüssen Kunene im Norden und Oranje im Süden - erstreckt sich die bis 130 Kilometer breite Sand- und Felswüste Namib. Die östliche Begrenzung bildet die Große Randstufe mit der höchsten Erhebung des Landes, dem 2606 Meter hohen Brandbergmassiv. Landeinwärts folgt das Binnenhochland (1000 bis 1500 Meter über dem Meeresspiegel), dessen flachwellige, savannenbedeckte Ebenen von einzelnen Inselbergen und Gebirgszügen überragt werden.

Nach Osten flacht sich das Hochland zur trockenen Beckenlandschaft der Kalahari ab, nach Norden zur abflusslosen, salzverkrusteten Etoschapfanne, dem Mittelpunkt des wildreichen Etoscha-Nationalparks. Im äußersten Nordosten, entlang des Okavango, greift Namibia in einem schmalen Landstreifen, dem Caprivizipfel, 450 Kilometer weit bis zum Sambesi vor.

In Namibia herrscht ein ausgesprochenes Trockenklima mit heißen Sommern und warmen Wintern. Durch den Einfluss des kalten Benguelastroms erhält der Küstenstreifen weniger als 50 mm Niederschläge (überwiegend als Nebel) im Jahr. Im zentralen Hochland fallen bis 400 mm, im Nordosten bis 600 mm. Die Temperaturen liegen im Jahresdurchschnitt an der Küste um 17 Grad, im Hochland bei 27 Grad.

Bevölkerung:

Namibia gehört zu den am dünnsten besiedelten Staaten der Welt. Während die Namib weitgehend unbewohnt ist, drängen sich fast 60 Prozent der Bevölkerung auf nur 14 Prozent der Fläche, überwiegend in ländlichen Gebieten im Norden. Nur jeder Dritte lebt in Städten, ein Großteil davon in der Hauptstadt Windhuk. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Bantuvölkern; die stärkste ethnische Gruppe stellen die Ovambo. Zu den Minderheiten gehören die Okavango, Herero, Damara, San und Weiße.

Aufgrund der weiten Verbreitung von Aids ist die Lebenserwartung von 58 Jahren (1960) auf 50 Jahre (2008) gesunken.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1990 ist Namibia eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt mit umfassenden exekutiven Befugnissen und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der Präsident. Er wird auf fünf Jahre direkt gewählt und ernennt die Regierung mit dem Premierminister. Das Zweikammerparlament besteht aus Nationalversammlung (72 Abgeordnete, Wahl alle fünf Jahre) und Nationalrat (26 Delegierte der Regionen, Legislaturperiode sechs Jahre). Regierungspartei ist seit der Unabhängigkeit die Südwestafrikanische Volksunion (Swapo), die frühere Befreiungsbewegung.

Wirtschaft und Verkehr

Wichtigste Grundlage für die Wirtschaft ist der Bergbau, der sich mit wenigen Ausnahmen im Besitz ausländischer, zumeist südafrikanischer Gesellschaften befindet. Außer Diamanten, dem wichtigsten Exportgut, werden Kupfer, Blei, Zink und Uran abgebaut. Der Aufbau der Industrie wird durch den begrenzten Binnenmarkt und das Fehlen von Fachkräften erschwert. Es überwiegen Klein- und Mittelbetriebe der Nahrungsmittelerzeugung und Metallverarbeitung.

Bedeutendster Erwerbszweig ist die Landwirtschaft, in der die Viehwirtschaft dominiert. Drei Viertel des Farmlands verteilen sich auf einige wenige Großbetriebe, die in der Dornsavanne des Hochlandes extensive Weidewirtschaft betreiben (Rinder und Karakulschafe). Wegen der geringen Niederschläge beschränkt sich der Ackerbau auf den regenreicheren Norden. Demgegenüber spielt die Fischerei eine bedeutende Rolle. Sie nutzt die dank des Benguelastroms reichen Fischgründe vor der Küste. Zu einem wichtigen Wirtschaftsbereich hat sich in den vergangenen Jahren der Tourismus entwickelt, der vor allem Safarireisen in den Etoscha-Nationalpark oder Abenteuerreisen in die Wüste Namib umfasst.

Das Eisenbahnnetz, das während der deutschen Kolonialzeit angelegt worden ist, dient vor allem dem Güterverkehr und ist an das Netz der Republik Südafrika angebunden. Das größtenteils unbefestigte Straßennetz gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Lüderitz und Walfischbucht sind die einzigen Naturhäfen an der verkehrsfeindlichen Küste.

Geschichte

Deutsche Kolonie und Vorherrschaft Südafrikas:

Ende des 15. Jahrhunderts landeten Portugiesen an der Küste des heutigen Staates. Der Bremer Kaufmann Adolf Eduard Lüderitz erwarb 1883 um die Bucht von Angra Pequena Ländereien, die 1884 zum Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika erklärt wurden. Aufstände der einheimischen Herero und Nama gegen die deutsche Kolonialherrschaft wurden 1904 bis 1906 in einem blutigen Vernichtungskrieg niedergeschlagen. Im Ersten Weltkrieg eroberten südafrikanische Truppen das Land, das 1919 Südafrika als Völkerbundmandat überlassen wurde. 1966 erklärte die Uno-Vollversammlung das Mandat für erloschen, 1968 gab sie dem Land den Namen Namibia.

Befreiungskampf und Unabhängigkeit:

Zum Träger des Befreiungskampfes wurde die von Samuel Nujoma geführte Swapo, die von Angola aus mit Unterstützung Kubas einen Guerillakrieg gegen die südafrikanischen Truppen in Namibia führte. Erst 1988 kam es zwischen Angola, Kuba und Südafrika zu einer Einigung über freie Wahlen in Namibia und den Abzug kubanischer Truppen aus Angola. 1989 wurde eine verfassunggebende Versammlung gewählt und 1990 erfolgte die Proklamation der Unabhängigkeit

Die Swapo stellte mit Nujoma den ersten Staatspräsidenten. Namibia wurde Mitglied des Commonwealth und der Uno. Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 1994 und 1999 gewannen Nujoma und die Swapo mit deutlicher Mehrheit. Bei den Präsidentschaftswahlen 2004 wurde der Swapo-Politiker Hifikepunye Pohamba zum Nachfolger Nujomas gewählt. Die Swapo verteidigte ihre Zweidrittelmehrheit im Parlament. Pohamba trat sein Amt im März 2005 an. Um mehr nicht-weißen Farmern Landbesitz zu ermöglichen, verfügte die Regierung Enteignungen. 2007 konnten mit der Unterzeichnung verschiedener Abkommen die Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China vertieft werden.


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