Mauretanien

Wissenswertes über Mauretanien

Das Staatsgebiet gehört größtenteils zur Sahara, der Süden zur Sahelzone. Von der rund 600 Kilometer langen Atlantikküste steigt das Land über die teils mit Dünen bedeckte Küstenebene in Steilstufen zu den weithin ebenen, 300 bis 500 Meter hohen Sandsteinplateaus von Adrar und Tagant an, die von einzelnen Inselbergen überragt werden. Nach Nordosten senken sich die überwiegend mit Geröllfeldern bedeckten Hochflächen zum Dünengebiet El Djouf.

Einziger Wasser führender Fluss ist der Senegal im Süden, der die Grenze zum gleichnamigen Nachbarstaat bildet. Im übrigen Land gibt es nur die kastenartigen Trockentäler der Wadis, die lediglich nach den episodisch auftretenden Regenfällen Wasser führen und meist in Salzsümpfe abflussloser Becken münden. Die Ausbreitung der Wüste nach Süden ist nicht nur durch klimatische Veränderungen, sondern auch durch menschliches Handeln verursacht worden.

In Mauretanien herrscht überwiegend subtropisches, ganzjährig heißes Wüstenklima. Nur im Süden fallen während der sommerlichen Regenzeit jährlich 300 bis 400 mm Niederschläge. Im Winter weht der Nordostpassat, oft in Form des extrem trockenen Harmattan.

Mauretanien ist trotz des hohen Bevölkerungswachstums sehr dünn besiedelt. Hauptsiedlungsgebiet ist der Süden, während das Gebiet nördlich des 18. Breitengrades, abgesehen von wenigen Oasen, praktisch menschenleer ist. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind arabisch-berberische Mauren, die ursprünglich meist als Vieh züchtende Nomaden lebten. Viele haben sich aber wegen der anhaltenden Dürren in Städten niedergelassen, vor allem in der Hauptstadt Nouakchott. In der fruchtbaren Senegalebene leben mehrheitlich Schwarzafrikaner. Als Eroberer zwangen die Mauren die Schwarzafrikaner zur Sklaverei, die erst 1980 abgeschafft wurde. Die Diskriminierung hält jedoch an und erschwert die Bildung einer Nation, deren einziges verbindendes Element der Islam ist.

Nach der Verfassung von 1991 (2006 geändert) ist Mauretanien eine Präsidialrepublik auf der Grundlage des Islams. Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählte Präsident. Er ernennt auch den Premierminister. Das Zweikammerparlament besteht aus der Nationalversammlung (Legislaturperiode fünf Jahre) mit 95 Abgeordneten und dem Senat mit sechsjähriger Amtszeit der 56 Senatoren. Die Partei Union pour la République (UPR) unterstützt den Präsidenten.

Mauretanien ist ein hochverschuldetes Entwicklungsland und auf ausländische Hilfe angewiesen. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation ist trotz der 2006 aufgenommenen Erdöl- und Erdgasförderung aufgrund der instabilen politischen Lage noch nicht eingetreten. Wichtigster Bodenschatz war bislang das Eisenerz, das im Nordwesten abgebaut und per Eisenbahn zum Hafen Nouadhibou transportiert wird.

Traditioneller Wirtschaftsbereich ist die Landwirtschaft, überwiegend als Viehzucht betrieben. Die fortschreitende Wüstenbildung (Desertifikation) hat jedoch die ohnehin kleinen Weideflächen weiter schrumpfen lassen. Der Ackerbau beschränkt sich auf die Niederungen am Senegal. Ein Großteil der Nahrungsmittel muss importiert werden. Von Bedeutung ist die Küstenfischerei und die Vergabe von Fischereilizenzen.

Im 2. Jahrhundert vor Christus drängten nomadisierende Berber die in Mauretanien ansässige schwarze Bevölkerung nach Süden. Seit dem 11. Jahrhundert islamisiert, gelangte der Norden des Landes im 12. Jahrhundert in den marokkanischen Machtbereich; der Süden war Teil des Reiches Mali. Portugiesen errichteten um die Mitte des 15. Jahrhunderts einen Handelsstützpunkt an der mauretanischen Küste. Weitere europäische Niederlassungen folgten.

In Mauretanien entwickelte sich eine Gesellschaftsordnung, deren Fundament die Ausbeutung schwarzer Sklaven durch eine arabisch-berberische Oberschicht bildete. Nach 1900 eroberten französische Truppen Mauretanien, das als Teil Französisch-Westafrikas in den Kolonialbesitz Frankreichs integriert wurde.

1960 entließ Frankreich Mauretanien in die Unabhängigkeit, die von Marokko zunächst angefochten wurde. Der erste mauretanische Staatspräsident Mokhtar Ould Daddah regierte auf der Basis eines Einparteiensystems zunehmend autokratisch. 1976 annektierte Mauretanien gemeinsam mit Marokko die ehemalige spanische Westsahara und wurde dadurch in den Konflikt mit der Befreiungsbewegung Polisario hineingezogen. Die damit einhergehende Wirtschaftskrise führte 1978 zum Sturz Daddahs und zum anschließenden Verzicht Mauretaniens auf die Westsahara.

Nach einem Putsch kam 1984 Maaouiya Ould Sidi Ahmed Taya an die Macht. Seine Regierungsübernahme verschärfte den latent schwelenden Gegensatz zwischen der arabisch-berberischen und der schwarzafrikanischen Bevölkerung. 1989 kam es zum Konflikt mit Senegal, bei dem Schwarzafrikaner aus Mauretanien und Mauretanier aus Senegal vertrieben wurden. Mit Beginn der neunziger Jahre leitete Taya demokratische Reformen ein. Bei Wahlen 1992, 1997 und 2003 wurde er im Präsidentenamt bestätigt. Nach dem Scheitern mehrerer Putschversuche wurde Taya schließlich 2005 gestürzt.

Ein "Militärrat für Gerechtigkeit und Demokratie" unter der Führung von Ely Ould Mohammed Vall übernahm die Macht. Das neue Regime bekannte sich zu einer Demokratisierung des Landes. 2006 fanden ein Verfassungsreferendum und Wahlen zur Nationalversammlung statt. Die Präsidentschaftswahlen 2007 gewann Sidi Ould Abdallahi.

Nach Protesten gegen steigende Nahrungsmittelpreise tauschte der Präsident 2008 die Regierung aus, ohne die innenpolitische Situation stabilisieren zu können. Im August 2008 putschte erneut das Militär und setzte den Präsidenten ab. Ein "Hoher Staatsrat" unter Führung von Mohammed Abd al-Asis stellte sich an die Spitze des Staates und ernannte eine neue Regierung. 2009 wurde Asis in umstrittenen Wahlen zum mauretanischen Präsidenten gewählt.