Malawi

Wissenswertes über Malawi

Natur und Klima:

Malawi liegt im Bereich des ostafrikanischen Grabenbruchsystems, das das Land in seiner Längsachse durchzieht. Der nördliche und mittlere Abschnitt des Grabenbruchs wird vom Malawisee, dem drittgrößten See Afrikas, eingenommen. Der südlichen Teil wird vom Shire, dem Abfluss des Malawisees, mit seinen zahlreichen Stromschnellen und Wasserfällen durchflossen. Mit steiler Bruchstufe erheben sich westlich des Grabens weite Hochebenen (1000 bis 1500 Meter), die von einzelnen Inselbergen und Massiven überragt werden. Die höchste Erhebung ist das bis 3002 Meter hohe Mulanje-Massiv im Südosten. Vorherrschende Vegetationsformationen sind Savannen und offene Grasfluren sowie lichter Trockenwald (Miombo).

Malawi liegt im tropisch-wechselfeuchten Klimabereich. Die Niederschläge nehmen von Norden mit bis zu 1500 mm pro Jahr zum Süden hin auf Werte unter 1000 mm ab. Die im Regenschatten liegende Grabensohle erhält kaum 600 mm. Häufig treten Dürreperioden auf. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt hier bei 25 Grad, im Hochland zwischen 18 und 22 Grad.

Bevölkerung:

Malawi gehört zu den am dichtesten besiedelten Ländern Afrikas. Infolge der hohen Geburtenrate hat sich die Bevölkerung in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt. Mehr als zwei Drittel leben in den zentralen und südlichen Regionen. Der Urbanisierungsgrad ist gering. Größte Städte sind die Wirtschaftsmetropole Blantyre sowie die Hauptstadt Lilongwe. Der überwiegende Teil der Menschen wohnt im ländlichen Bereich, ohne Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung. Viele Bewohner sind unterernährt, mehr als zehn Prozent mit dem HI-Virus infiziert. Hunderttausende versuchen daher ihren Lebensunterhalt im Ausland, meist in der Republik Südafrika, zu verdienen.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1995 ist Malawi eine präsidiale Republik im Commonwealth. Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der Präsident, der für fünf Jahre direkt vom Volk gewählt wird. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Die Gesetzgebung obliegt der Nationalversammlung, deren 193 Abgeordnete nach dem einfachen Mehrheitswahlrecht für eine Legislaturperiode von fünf Jahren gewählt werden. Die beiden großen Parteien Malawi Congress Party (MCP), die frühere Einheitspartei, und United Democratic Front (UDF) unterscheiden sich weniger durch ihre politische als durch ihre regionale Ausrichtung. Die 2005 gegründete Democratic Progressive Party (DPP) ist die Partei des Präsidenten.

Wirtschaft und Verkehr:

Malawi gehört zu den 15 ärmsten Ländern der Welt und ist in hohem Maße von internationaler Hilfe abhängig. Bemühungen, die wirtschaftliche Entwicklung des hoch verschuldeten und an Ressourcen armen Binnenstaates voranzutreiben, blieben bislang ohne durchgreifenden Erfolg.

Wichtigster Wirtschaftsbereich ist der Agrarsektor. Auf etwa einem Viertel der Landfläche werden in kleinbäuerlichen Betrieben zur Deckung des Eigenbedarfs Mais, Reis, Hirse, Maniok und Hülsenfrüchte angebaut. Tabak, Tee und Zuckerrohr für den Export wachsen überwiegend auf Großplantagen, die meist im Besitz von Ausländern sind. Der Fischfang im Malawisee dient fast ausschließlich der Selbstversorgung.

Abgesehen von Kalkstein und Bauxit fehlen abbauwürdige Bodenschätze. Die ohnehin mäßig entwickelte Industrie konzentriert sich daher auf die Verarbeitung von Agrarprodukten.

Die Verkehrsinfrastruktur ist - besonders im Norden - noch unzureichend. Eine für den Außenhandel wichtige Bahnstrecke verbindet das Binnenland mit den Seehäfen Beira und Nacala in Mosambik.

Geschichte:

Britische Herrschaft:

Der Name Malawi geht auf ein vorkoloniales Reich zurück. 1859/60 erkundete der britische Forscher David Livingstone das Gebiet des heutigen Staates. 1891 wurde Malawi Teil des britischen Protektorats Zentralafrika (seit 1907 Njassaland). 1953 vereinigten die Briten Njassaland mit Nord- und Südrhodesien zur Zentralafrikanischen Föderation. Hastings Kamuzu Banda stellte sich Ende der fünfziger Jahre an die Spitze der gegen die Föderation gerichteten Nationalbewegung.

Nach Aufhebung der Föderation wurde Malawi unter Führung von Banda (seit 1963 Premierminister) am 6. Juli 1964 unabhängige Monarchie im Commonwealth.

Unabhängigkeit:

1966 wurde Malawi Republik und Banda Staatspräsident (seit 1971 auf Lebenszeit). Er etablierte mit der MCP ein autoritäres Einparteienregime und unterdrückte alle Oppositionsbestrebungen. Seine enge Anlehnung an Südafrika isolierte Malawi unter den schwarzafrikanischen Staaten.

Seit Beginn der neunziger Jahre formierte sich zunehmender Widerstand gegen die Herrschaft Bandas, der 1994 freie Wahlen zulassen musste. Der UDF-Politiker Bakili Muluzi wurde zum neuen Staatspräsidenten gewählt (Wiederwahl 1999). Die Präsidentschaftswahlen 2004, bei denen Muluzi aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht mehr kandidieren durfte, gewann Bingu wa Mutharika. Er verließ nach internen Machtkämpfen 2005 die UDF und gründete die Democratic Progressive Party (DPP). Ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn scheiterte im Parlament. 2008 beendete Malawi die diplomatischen Beziehungen mit Taiwan.

 


Dieser Text ist dem Angebot entnommen.
(C) Wissenmedia GmbH