Madagaskar

Wissenswertes über Madagaskar

Natur und Klima:

Das Landesinnere wird von einem 800 bis 1500 Meter hohen und von zahlreichen Flusstälern durchzogenen Plateau eingenommen, über das sich vulkanische Gebirgsmassive bis 2886 Meter Höhe erheben. Nach Osten hin fällt das Hochland steil zur lagunenreichen Ausgleichsküste am Indischen Ozean ab. Nach Westen neigt es sich allmählich über ein flachwelliges Stufenland zur Schwemmlandebene und buchtenreichen Küste an der Straße von Mosambik.

Das tropische Klima ist je nach Höhe und Exposition zur Windrichtung unterschiedlich ausgeprägt. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen zwischen 25 Grad in den Küstengebieten und 15 bis 19 Grad im Hochland. Durch Passatwinde fallen im Osten ganzjährig reiche Niederschläge (bis 4000 mm). In allen übrigen Gebieten regnet es nur im Sommer, der Zeit der tropischen Wirbelstürme. Dabei nehmen die Niederschlagsmengen von Norden nach Süden (unter 500 mm) deutlich ab.

Entsprechend der Niederschlagsverteilung reicht die Vegetation von Halbwüste im Südwesten bis zu tropischen Regenwäldern an den Osthängen der Gebirge. Durch Brandrodung und Beweidung sind nur noch etwa zehn Prozent der ursprünglichen Vegetation erhalten geblieben, der Großteil der Insel wird heute von Grasland bedeckt. Zahlreiche endemische Tier- und Pflanzenarten sind daher bereits verschwunden oder vom Aussterben bedroht.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung ist überwiegend malaiisch-indonesischer Abstammung und gliedert sich in 18 größere Volksgruppen mit abgegrenzten Siedlungsgebieten. Dabei bestehen traditionell starke Gegensätze zwischen den Stämmen des dicht besiedelten Hochlandes und den Küstenbewohnern mit ihren mehrheitlich afrikanischen und arabischen Wurzeln. Infolge der hohen Geburtenraten hat sich die Bevölkerung in den vergangenen 30 Jahren nahezu verdoppelt. Diesem Druck konnte die wirtschaftliche Entwicklung nicht standhalten: Mehr als 70 Prozent der Madegassen (Malagasy) leben in Armut.

Staat und Politik:

Gemäß der mehrfach geänderten Verfassung von 1992 ist Madagaskar eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der für fünf Jahre direkt gewählte Präsident, der über weitreichende Vollmachten verfügt. Er ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag hin das übrige Kabinett. Die Legislative bestand bis 2009 aus Nationalversammlung (127 Abgeordnete, Wahl alle fünf Jahre) und Senat (90 Mitglieder, zwei Drittel von den Provinzparlamenten gewählt, ein Drittel vom Präsidenten ernannt; Amtszeit sechs Jahre).

Stärkste Partei im Parlament war Tiako i Madagasikara ("Ich liebe Madagaskar", TIM). Nach dem nicht verfassungsmäßigen Machtwechsel 2009 wurde ein Übergangsparlament aus 44 Mitgliedern, davon 22 Vertreter der Regionen und 22 Repräsentanten verschiedener politischer Parteien, eingesetzt.

Wirtschaft und Verkehr:

Mit internationaler Unterstützung und marktwirtschaftlichen Reformen soll die Entwicklung der armen, hochverschuldeten Inselrepublik vorangetrieben werden. Wirtschaftspolitische Schwerpunkte sind die Förderung des Bergbaus - Madagaskar besitzt verschiedene Erze, Quarz, Gold und Bauxit - sowie der Ausbau der Infrastruktur und des Tourismus. Bislang sind die Verkehrsverhältnisse, besonders die Straßenverbindungen, noch unzulänglich und große Gebiete in der Regenzeit unerreichbar.

Ökonomische Grundlage ist noch immer der Agrarsektor; die meisten Bauern betreiben jedoch reine Subsistenzwirtschaft. Dominierende Nahrungspflanze ist Reis, der in Terrassenkultur angebaut wird. Der wachsende Bedarf kann jedoch nur durch Importe gedeckt werden. Wichtigste Exportkulturen sind Kaffee, Zuckerrohr, Gewürznelken, Pfeffer und Vanille. In geringen Mengen werden auch tropische Hölzer exportiert, doch dienen die Waldbestände vor allem der Gewinnung von Brennholz.

Geschichte:

Frühzeit, Königtum, Kolonie:

Die Insel wurde in früher Zeit von Südasien aus besiedelt. Im 10. Jahrhundert wanderten arabische Stämme ein. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erreichten portugiesische Seefahrer Madagaskar. Ein französischer Kolonisierungsversuch scheiterte im 17. Jahrhundert. Nach 1787 entwickelte sich das Königreich der Merina zum zentralen Machtfaktor. Unter König Radama I. (1810-1828) und Königin Ranavalona I. (1828-1861) dehnten die Merina ihre Herrschaft über die ganze Insel aus. 1885 errichtete Frankreich ein Protektorat über Madagaskar und erklärte es 1896 zur Kolonie. Gegen die Kolonialmacht formierte sich eine Nationalbewegung. Aufstände, zuletzt 1947/48, wurden von den Franzosen blutig niedergeschlagen. 1956 erhielt Madagaskar begrenzte Autonomie und 1960 die Unabhängigkeit.

Nach der Unabhängigkeit:

Der erste Staatspräsident, Philibert Tsiranana , lehnte sich eng an die ehemalige Kolonialmacht an. Er verlor 1972 die Macht an das Militär. Nach einer Übergangsphase übernahm 1975 Didier Ratsiraka die Herrschaft und errichtete ein sozialistisches Präsidialregime. Auf innenpolitischen Druck hin musste Ratsiraka Ende der achtziger Jahre demokratische und wirtschaftliche Reformen einleiten.

Die Präsidentschaftswahlen 1993 gewann Albert Zafy. 1997 wurde erneut Ratsiraka Präsident. Bei den Präsidentschaftswahlen 2001 beschuldigte die Opposition ihn der Wahlfälschung. Der Oppositionskandidat Marc Ravalomanana rief sich 2002 zum Präsidenten aus. Durch den Machtkampf zwischen Ratsiraka und Ravalomanana geriet das Land an den Rand eines Bürgerkrieges. Schließlich ging Ratsiraka, der den von der Wahlkommission bestätigten Wahlsieg Ravalomananas nicht anerkannte, ins Exil nach Frankreich.

Der neue Präsident Ravalomanana bemühte sich in der Folgezeit um wirtschaftliche Reformen. 2006 wurde er von den Wählern im Amt bestätigt. Die Präsidentenpartei TIM konnte auch die Parlamentswahlen 2007 klar für sich entscheiden. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung über drastische Preissteigerungen sowie die Medienpolitik des Präsidenten löste 2009 blutige Unruhen aus und führte zu einem Machtkampf zwischen Ravalomanana und Andry Rajoelina , dem Bürgermeister von Antananarivo. Die innenpolitische Krise forderte weit mehr als hundert Menschenleben.

Im März 2009 musste Ravalomanana seine Machtbefugnisse abgeben. Mit Unterstützung der Armee übernahm Andry Rajoelina die Führung des Landes.