Libyen

Wissenswertes über Libyen

Natur und Klima:

Im Westen des Landes erstrecken sich die einförmigen, nur von wenigen Oasen und Wadis belebten Becken und Tafelländer der nördlichen Sahara, darunter die Sand- und Steinwüsten des Fessan sowie die felsige Hammada al-Hamra. Nach Norden leitet das Bergland von Nafusah (bis 968 Meter) zur 30 bis 70 Kilometer breiten, fruchtbaren Küstenebene Tripolitaniens über. Im Nordosten liegt die Cyrenaica mit dem steil zum Meer abfallenden Karstgebirge Akhdar (bis 865 Meter), das nach Süden allmählich zum Sanddünenmeer der Libyschen Wüste abfällt.

Im zentralen Landesteil folgt dem küstennahen und erdölreichen Syrtebecken im Hinterland das vulkanische, 1200 Meter hohe Gebirgsmassiv Harudsch al-Aswad. Die höchste Erhebung Libyens liegt im Tibesti-Gebirge (2286 Meter) im südlichen Grenzgebiet.

Abgesehen vom mediterran geprägten Küstensaum mit Winterregen bis zu 400 mm im Jahr herrscht subtropisches Wüstenklima mit oft mehrere Jahre völlig ausbleibenden Niederschlägen, hohen tages- und jahreszeitlichen Temperaturschwankungen und häufigen Sand- und Staubstürmen.

Bevölkerung:

Libyen gehört zu den am dünnsten besiedelten Staaten der Welt. 90 Prozent der Bevölkerung leben in den Städten der schmalen Küstenregion, das Landesinnere ist weitgehend unbewohnt. Nur noch wenige Beduinen leben als Nomaden in der Wüste. Seit Beginn des Erdölzeitalters vollzieht sich, gefördert durch den Ausbau des Bildungswesens, ein rasanter sozialer Wandel der muslimisch geprägten, jungen Gesellschaft.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 1977 ist Libyen eine sozialistische, arabische, islamische Volksrepublik. Das politische System ist durch volksdemokratische Institutionen (Volkskongresse, Volkskomitees) organisiert. Höchstes Legislativorgan ist der Allgemeine Volkskongress (AVK) mit rund 3000 Delegierten. Staatsoberhaupt ist de jure der Generalsekretär des AVK. Das Allgemeine Volkskomitee fungiert als Exekutivorgan mit einem Generalsekretär an der Spitze. Tatsächlicher politischer Machthaber ist Muammar al-Gaddafi als "Führer der Revolution".

Wirtschaft und Verkehr:

Libyens Wirtschaft basiert auf der Förderung und dem Export von hochwertigem Erdöl, Erdölprodukten und Erdgas. Durch das Uno-Handelsembargo geriet das Land in den neunziger Jahren in finanzielle Schwierigkeiten. Daraufhin wurde die Wirtschaft liberalisiert; kleine Privatunternehmen wurden zugelassen.

Besonders gefördert wird die Landwirtschaft, die bislang nur 1,5 Prozent der Gesamtfläche für den Ackerbau nutzt; der Großteil der Lebensmittel muss importiert werden. Durch die Erschließung fossiler Grundwasserreserven unter der Wüste entstanden zunächst künstlich bewässerte Felder in der Kufra-Region. Seit 1991 wird das Wasser über eine 1900 Kilometer lange Pipeline ("Großer Künstlicher Fluss") direkt zu den Hauptanbaugebieten in der Küstenregion geleitet.

Hauptverkehrsader des Landes ist die 1825 Kilometer lange Küstenstraße von der ägyptischen bis zur tunesischen Grenze. Verschiedene Stichstraßen, die teilweise in Pisten übergehen, zweigen in das Landesinnere ab. Mehrere Ölpipelines führen von den Bohrfeldern im Syrtebecken zu den Raffinerien und Verschiffungshäfen an der Küste.

Geschichte:

Von der Antike bis zur osmanischen Herrschaft:

Der östliche Teil des heutigen Libyen, die Cyrenaica , wurde in der ersten Hälfte des 1. vorchristlichen Jahrtausends von Griechen kolonisiert; der westliche Teil, Tripolitanien, war bis 200 v. Chr. karthagische Provinz. Beide Landesteile wurden im 1. Jahrhundert v. Chr. Provinzen des Römischen Reiches, später fielen sie an Byzanz. Mitte des 7. Jahrhunderts setzten die arabische Eroberung und die Islamisierung ein. Nachdem mehrere arabische Dynastien (unter anderem Aghlabiden, Fatimiden, Almoraviden, Almohaden) einander in der Herrschaft abgelöst hatten, konnte im 16. Jahrhundert das Osmanische Reich seine Herrschaft durchsetzen.

20. und 21. Jahrhundert:

1911/12 begann Italien mit der Eroberung Tripolitaniens und der Cyrenaica. 1934 wurde die italienische Kolonie Libia gebildet. Während des Zweiten Weltkriegs war Libyen heftig umkämpfter Kriegsschauplatz zwischen Alliierten und Italienern bzw. Deutschen. Italien verzichtete 1947 auf Libyen und am 24. Dezember 1951 wurde es selbständiges Königreich unter König Idris I. 1969 stürzten Offiziere unter Führung von Oberst Muammar al-Ghadafi die Monarchie.

Gaddafi verstaatlichte die Industrie, verwies die Ausländer des Landes und verfolgte eine Außenpolitik, die ihn nicht nur in Konfrontation zu westlichen Ländern, besonders den USA, brachte, sondern aufgrund häufiger Richtungswechsel auch innerhalb des arabischen Lagers umstritten blieb. So unterstützte Libyen eine Reihe von Untergrundbewegungen in afrikanischen und außerafrikanischen Ländern. Es war auch in terroristische Anschläge verwickelt (Lockerbie-Attentat). Die Uno verhängte deswegen 1992 Sanktionen, die erst 2003 nach einem libyschen Schuldanerkenntnis und Entschädigungsleistungen aufgehoben wurden. Das Verhältnis zum Westen entspannte sich weiter, als Gaddafi den Verzicht auf Massenvernichtungswaffen erklärte und das Land 2004 das Zusatzprotokoll des Atomwaffensperrvertrages unterzeichnete.