Lesotho

Wissenswertes über Lesotho

Natur und Klima:

Den überwiegenden Teil des Landes nimmt ein von mächtigen Basaltdecken überlagertes Hochplateau in über 2000 Meter Höhe ein. Das Highland wird von mehreren Bergketten durchzogen und von wasserreichen Flussläufen in bis zu 800 Meter tiefe Täler zerschnitten. Die östliche Begrenzung des Landes bilden die bis 3482 Meter hohen Drakensberge. Nach Nordwesten senkt sich das Land zum 1000 bis 1500 Meter hohen Gebirgsvorland, dem Lowland. In diesem 30 bis 40 Kilometer breiten Streifen entlang des Grenzflusses Caledon liegt der wirtschaftliche Kernraum Lesothos.

Das Klima weist infolge der Höhenlage große tägliche und jährliche Temperaturschwankungen auf. Die Extremwerte liegen zwischen 35 Grad im Südsommer und minus 15 Grad im Südwinter. Die Niederschläge fallen überwiegend im Sommer und erreichen im Vorland 500 bis 800 mm, im Hochland bis zu 2000 mm. Die natürliche Vegetation beschränkt sich in den Hochlagen auf Bergweiden und Torfmoore, in tieferen Lagen auf Grasflure mit niedrigem Gebüsch.

Bevölkerung:

70 Prozent der Bevölkerung leben im westlichen Gebirgsvorland, zumeist in kleinen Dörfern oder Streusiedlungen. Nur jeder Fünfte lebt in einer Stadt, die mit Abstand größte ist Maseru. Fehlende Arbeitsplätze führen dazu, dass fast ein Drittel der männlichen Bevölkerung als Wanderarbeiter in der Republik Südafrika beschäftigt ist. Ein großes Problem ist die Immunschwächekrankheit Aids: Mit knapp 30 Prozent hat Lesotho eine der höchsten HIV-Infektionsraten der Welt.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1993 ist Lesotho eine konstitutionelle Monarchie innerhalb des Commonwealth. Staatsoberhaupt ist der König, der im Wesentlichen repräsentative Funktion hat. An der Spitze der Exekutive steht der Premierminister. Als Legislative fungiert ein Zweikammerparlament nach britischem Vorbild. Von den 120 Abgeordneten der Nationalversammlung werden 80 nach dem einfachen Mehrheitswahlrecht und 40 nach dem Verhältniswahlrecht für fünf Jahre gewählt. Im Senat sitzen 22 Stammeshäuptlinge und 11 vom König ernannte Mitglieder. Regierungspartei ist der Lesotho Congress for Democracy (LCD). Der All Basotho Congress (ABC) steht in der Opposition.

Wirtschaft und Verkehr:

Lesotho ist wirtschaftlich weitgehend von der Republik Südafrika abhängig. So machen die Überweisungen der im Nachbarland tätigen Wanderarbeiter einen erheblichen Teil der Staatseinnahmen aus. Die Wirtschaft des Landes, das außer Diamanten keine nennenswerten Bodenschätze besitzt, wird einseitig von der Landwirtschaft geprägt. Da jedoch nur zehn Prozent der Fläche für den Ackerbau nutzbar sind, können die Ernteerträge nicht den Nahrungsmittelbedarf decken. Von Bedeutung ist lediglich die extensive Weidewirtschaft, vor allem von Angoraziegen, deren Mohairwolle in der Textilindustrie verarbeitet wird.

Wichtige Impulse werden vom Lesotho Highlands Water Project erwartet, durch das Wasser in das südafrikanische Johannesburg exportiert werden soll. Wasserkraftwerke wie am Katse-Staudamm am Oranje sollen Lesotho zudem von Stromimporten unabhängig machen bzw. den Export von Energie ermöglichen. Der Tourismus ist bereits heute eine wichtige Devisenquelle. Hauptanziehungspunkte sind die Spielkasinos in Maseru. Die Landeshauptstadt ist an das Eisenbahnnetz Südafrikas angeschlossen. Das Hochland ist dagegen teils nur mit Geländewagen oder Maultieren zu erreichen.

Geschichte:

Britische Kolonialherrschaft:

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts floh das Bantuvolk der Sotho vor den Angriffen der Zulu in die Region des heutigen Lesotho. Dort schlossen sich die verschiedenen Sotho-Gruppen unter König Moshoeshoe I. zum Volk der Basuto zusammen. Es schloss 1868 einen Protektoratsvertrag mit Großbritannien. Drei Jahre später wurde das Protektorat Basutoland der britischen Kap-Kolonie angegliedert. 1910 verweigerte Großbritannien den Anschluss Basutolands an die Südafrikanische Union. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden moderne politische Parteien gegründet.

Unabhängiges Königreich:

1966 erlangte Basutoland als Lesotho die volle Unabhängigkeit. Staatsoberhaupt wurde König Moshoeshoe II. Um einen Sieg der Opposition bei den Wahlen 1970 zu verhindern, verhängte Premierminister Leabua Jonathan (BNP) den Ausnahmezustand und regierte fortan autokratisch. 1986 wurde er vom Militär gestürzt, das Moshoeshoe II. 1990 zum Rücktritt zwang. Neuer König wurde Letsie III., ein Sohn des bisherigen Monarchen.

1993 endete die Militärherrschaft und 1995 kehrte Moshoeshoe auf den Thron zurück. Nach seinem Unfalltod 1996 wurde erneut Letsie König. Die Parlamentswahlen 1998 lösten eine Krise aus: Die Opposition erhob den Vorwurf des Wahlbetrugs und es kam zu blutigen Unruhen. Auf Wunsch der Regierung intervenierten südafrikanische und botswanische Truppen. Nach Verhandlungen verständigten sich Regierung und Opposition auf Neuwahlen für 2002. Dabei wurde die Regierung des seit 1998 amtierenden Premierministers Pakalitha Mosisili (LCD) bestätigt. Auch die vorgezogenen Parlamentswahlen 2007 konnte der durch parteiinterne Streitigkeiten geschwächte LCD für sich entscheiden.