Kenia

Wissenswertes über Kenia

Natur und Klima:

Kenia liegt in den inneren Tropen Ostafrikas beiderseits des Äquators. Kernraum ist das Hochland (1000 bis 3000 Meter) im Landesinneren. Die weiten Hochflächen werden vom durchschnittlich 50 Kilometer breiten und bis zu 1000 Meter tiefen Ostafrikanischen Grabenbruch (Rift Valley) geteilt, der das Land in Nord-Süd-Richtung durchzieht. In der Grabenzone reiht sich eine Kette von abflusslosen Seen aneinander. Zahlreiche erloschene Vulkanmassive überragen die randlichen Aufwölbungen. Ihre Krönung finden sie im 5199 Meter hohen vergletscherten Mount Kenya, dem Namensgeber des Landes und zweithöchsten Berg Afrikas.

Nach Westen fällt das Hochland zum Becken des Victoriasees ab. Den Norden und Nordosten nehmen halbwüstenhafte Tafelländer ein. Nach Osten senkt sich das Hochland über weitläufige Ebenen und Plateaus zum Küstentiefland am Indischen Ozean. Im Norden ist der Küstenstreifen bis zu 250 Kilometer breit, im Süden reichen einzelne Hügelketten fast unmittelbar an die Küste, die von kleinen Buchten und Lagunen gegliedert und von einem Korallenriff gesäumt wird.

Unterschiedliche Niederschlagsverhältnisse:

Kenia hat ein tropisch-wechselfeuchtes Klima mit durchschnittlichen Jahrestemperaturen von 26 Grad Celisius an der Küste und 17 Grad im Hochland. Die Niederschläge liegen hier bei 800 bis 1200 mm, verteilt auf zwei Regenzeiten: von Oktober bis Dezember und von März bis Mai. Mit Ausnahme der Gebirgsmassive am Rand des Ostafrikanischen Grabens, die das ganze Jahr über Niederschläge erhalten (bis 2500 mm), muss das übrige Land mehrmonatige Trockenzeiten überstehen; besonders der Norden (unter 500 mm) ist häufig Dürren ausgesetzt.

Vegetation und Naturschutz:

Der größte Teil der Landes wird von Savannen eingenommen; nur zwei Prozent der Fläche sind von Wäldern bedeckt. An den windzugewandten Berghängen finden sich Regenwälder, in größeren Höhen auch bambusreicher Nebelwald. An den Küsten wachsen Mangroven und Palmenwälder. Im niederschlagsarmen Norden liegen Wüstensteppen.

Zum Schutz der artenreichen Tier- und Pflanzenwelt wurden auf rund zehn Prozent der Landesfläche mehr als 50 Natur- und Wildreservate eingerichtet. Zu ihnen gehören der Tsavo- und der Amboseli-Nationalpark mit Elefanten, Nashörnern, Giraffen, Löwen und Leoparden. Der Nakuru-Nationalpark ist berühmt für seine riesigen Flamingoscharen. Zu den tierreichsten Reservaten zählt das Massai-Mara-Wildschutzgebiet. Der Mount-Kenya-Nationalpark wurde 1949 zum Schutz der einzigartigen Bergwelt eingerichtet.

Bevölkerung

Die Bevölkerung setzt sich aus rund 40 Völkern zusammen, die drei großen Sprachgruppen angehören: Bantu, Niloten und Kuschiten. Die fünf größten Völker - die Kikuyu, Luhya, Luo, Kamba und Kalenjin - stellen nahezu drei Viertel der Gesamtbevölkerung. Rund 500.000 Angehörige zählt das Hirtenvolk der Massai, das seine überlieferten Bräuche heute vor allem für die Touristen zelebriert.

Die Bevölkerung ist sehr unterschiedlich verteilt, rund drei Viertel aller Kenianer leben auf nur einem Viertel der Landesfläche. Infolge des starken Bevölkerungswachstums - die Einwohnerzahl hat sich seit der Unabhängigkeit verzehnfacht - drängen immer mehr Menschen in Gebiete, die sich landwirtschaftlich nur bedingt nutzen lassen. Die höchste Bevölkerungsdichte weisen das Hochland und die südliche Küstenregion auf. Größter Ballungsraum ist Nairobi, das sich immer weiter ausdehnt, denn für die meisten Neuankömmlinge endet die Flucht vor Armut und Dürre in den ausufernden Slums am Rand der Metropole.

Schulsystem:

Es besteht eine allgemeine Schulpflicht zwischen dem 7. und 15. Lebensjahr. Das britisch beeinflusste Schulsystem gliedert sich in eine kostenfreie achtjährige Grundschule (Primary School), die jedoch sehr an überfüllten Klassen und Lehrermangel leidet, und eine kostenpflichtige weiterführende vierjährige Sekundarstufe (Secondary School). Die Unterrichtssprache an höheren Schule ist Englisch. Die Hochschulbildung, die sich nur sehr wenige leisten können, umfasst ein vierjähriges Studium. Die Plätze an den sechs staatlichen Hochschulen werden nach einer Rangliste des landesweiten Abschlussexamens verteilt.

Politik und Staat

Nach der Verfassung vom 12. Dezember 1963 (mit mehrfachen Revisionen) ist Kenia eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident des Landes, der auf fünf Jahre direkt von der Bevölkerung gewählt wird. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. An der Spitze der Regierung steht der Premierminister. Das Parlament (Nationalversammlung) hat 224 Abgeordnete (darunter 210 gewählte und zwölf vom Präsidenten nach Parteienproporz ernannte Abgeordnete sowie zwei Mitglieder kraft Amtes) und eine Legislaturperiode von fünf Jahren.

Wichtige politische Kräfte sind das Bündnis Partei der Nationalen Einheit (Party of National Unity, PNU), dem auch die ehemalige Einheitspartei Afrikanische Nationalunion Kenias (Kenya African National Union, KANU) angehört, sowie die Gruppierung Orange Demokratische Bewegung (Orange Democratic Movement, ODM). Das Rechtswesen orientiert sich am britischen Vorbild.

Wirtschaft und Verkehr

Zwar ist die Wirtschaft Kenias für ostafrikanische Verhältnisse weit entwickelt, doch gefährden das hohe Bevölkerungswachstum mit einhergehender hoher Arbeitslosigkeit und die weit verbreitete Korruption weitere Fortschritte.

Das Rückgrat der Wirtschaft ist die Landwirtschaft, die für drei Viertel der Bevölkerung die Existenzgrundlage bildet. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Exportprodukte sind Kaffee und Tee.

Letzterer wird noch zur Hälfte in kleinbäuerlichen Betrieben angebaut, während Kaffee, Sisal, Zuckerrohr und Schnittblumen auf riesigen Plantagen angepflanzt werden. In den für Ackerbau nicht geeigneten Trockengebieten hat die nomadische Weidewirtschaft eine traditionell starke Bedeutung. Daneben gibt es im Hochland Milchfarmen und Rinderzuchtbetriebe.

An Bodenschätzen werden Sodaasche, Salz, Magnesit und Gold gewonnen; eigene Energierohstoffe besitzt Kenia nicht. Dennoch ist die Industrialisierung unter allen ostafrikanischen Staaten am weitesten fortgeschritten. Außer der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte werden vor allem Textilien, Papierwaren und Zement produziert. Größere Bedeutung haben auch die chemische und die Metallindustrie. Das traditionelle Handwerk hat durch den Tourismus neuen Aufschwung genommen.

Mit jährlich rund einer Million Besuchern (vor allem aus Deutschland und Großbritannien) ist der Tourismus der wichtigste Devisenbringer. Er umfasst nicht nur den Badetourismus an den weißen Sandstränden der Küste, sondern auch die Safarireisen in die zahlreichen Wildreservate und Nationalparks.

Das Verkehrsnetz in den südlichen Landesteilen ist relativ gut ausgebaut, der Norden hingegen kaum erschlossen. Die Hafenstadt Mombasa ist Ausgangspunkt der Ugandabahn sowie der Transafrika-Straße nach Nigeria. Dem Straßenverkehr kommt die größte Bedeutung zu; der Großteil des Straßennetzes ist das ganze Jahr über befahrbar.

Geschichte

Kolonialherrschaft:

Um das Jahr 1000 n Chr. entstanden an der Küste des heutigen Staates islamische Stadtstaaten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts brachten die Portugiesen die Küstenregion unter ihre Kontrolle, mussten diese aber nach heftigen Kämpfen 1698 dem Sultan von Oman überlassen. 1895 erklärte London Kenia zum Protektorat Ostafrika, 1920 zur Kronkolonie. Das fruchtbare Hochland wurde an weiße Siedler verteilt. Die afrikanische Nationalbewegung entzündete sich, besonders unter den Kikuyu, an der dadurch bedingten Landnot. 1952 brach der Mau-Mau-Aufstand

Die Ära Kenyatta:

Jomo Kenyatta , der Führer der Unabhängigkeitsbewegung, wurde der erste Staatspräsident des Landes. Gestützt auf die Regierungspartei Kenya African National Union (KANU) und mit prowestlicher Orientierung in der Außenpolitik betrieb er unter der Parole eines "afrikanischen Sozialismus" eine gemäßigte Reformpolitik, die Kenia wirtschaftliche Stabilität sicherte. Mit der KANU konkurrierende Gruppierungen schaltete Kenyatta bis 1969 aus. 1967 gründete er gemeinsam mit Tansania und Uganda die East African Community (bis 1977). Im Innern stützte er seine Herrschaft auf die Kikuyu und seinen Familienclan. Nach Kenyattas Tod 1978 wurde der bisherige Vizepräsident Daniel Arap Moi neuer Staatschef.

Land im Umbruch:

In der Folgezeit wuchsen die innenpolitischen Spannungen. 1982 scheiterte ein Militärputsch gegen Moi. Ämterpatronage und Korruption griffen um sich, die Kluft zwischen Arm und Reich wuchs. Auf wachsenden inneren und äußeren Druck hin musste Moi 1991 ein Mehrparteiensystem zulassen. Dennoch konnten der Präsident und die KANU bei den Wahlen 1992 und 1997 ihre Macht behaupten. Ein Terroranschlag auf die US-amerikanische Botschaft in Nairobi forderte 1998 weit mehr als 200 Todesopfer. Der wachsende Unmut über die schlechte Wirtschaftslage und die staatliche Korruption führte schließlich 2002 zu einem Machtwechsel. Mwai Kibaki, Kandidat der oppositionellen Regenbogenkoalition (NARC), gewann die Präsidentschaftswahlen mit überwältigender Mehrheit. Auch im Parlament wurde die NARC stärkste politische Kraft.

2005 beschädigten Korruptionsvorwürfe und ein verlorenes Verfassungsreferendum das Ansehen der neuen Regierung. In der Folge formierte sich die kenianische Parteienlandschaft neu. 2007 fanden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Kibaki wurde als Kandidat der PNU zum Sieger der Präsidentschaftswahlen erklärt. Sein Gegenkandidat Raila Odinga erhob den Vorwurf der Wahlfälschung. Besonders im Westen des Landes kam es zu politisch und ethnisch motivierten Gewaltausbrüchen, die zahlreiche Todesopfer forderten. Zehntausende flohen aus ihren Heimatgebieten. Nach unter Vermittlung von Kofi Annan geführten Verhandlungen einigten sich Kibaki und Odinga im Februar 2008 auf die Bildung einer Koalitionsregierung und die Einschränkung der präsidialen Befugnisse. Odinga wurde zum Premierminister ernannt.


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