Kamerun

Wissenswertes über Kamerun

Natur und Klima:

Kamerun erstreckt sich von der Atlantikküste am Golf von Guinea über 1200 Kilometer bis in die trockenen Steppengebiete am Tschadsee. Das Landesinnere besteht vorwiegend aus flachen Plateauflächen, die sich nach Norden zum Hochland von Adamaoua (bis 1200 Meter) erheben. Von Feuchtsavannen bedeckt, wird es in seinem mittleren Bereich von mehreren Bergketten in West-Ost-Richtung durchzogen. Das durchschnittlich 600 Meter hohe südliche Hochland ist mit Regenwald bedeckt und senkt sich stufenartig zur bis 130 Kilometer breiten, großenteils versumpften Küstenebene ab. Hier erhebt sich der meist wolkenverhangene Kamerunberg, mit 4095 Meter (nach anderen Angaben 4070 Meter) der höchste Berg Westafrikas. Der aktive Vulkan ist Teil einer vulkanischen Gebirgskette, die entlang einer Schwächezone der Erdkruste (Kamerunlinie) den Westteil des Landes bis zum Mandaragebirge durchzieht.

Das Hochland von Adamaoua bildet eine Klimascheide zwischen dem feuchtschwülen Süden (um 26 Grad Celsius) und dem trockenheißen Norden (bis 45 Grad). Mit mehr als 10.000 mm Niederschlag im Jahr gehört der Westhang des Kamerunmassivs zu den regenreichsten Gebieten der Erde. Dagegen fallen im Norden weniger als 1000 mm.

Bevölkerung:

Die Hälfte der Bevölkerung lebt auf dem Land. Kamerun ist ein Vielvölkerstaat mit mehr als 200 Volksgruppen und Stämmen; der Großteil gehört zu den Bantuvölkern. Eine Minderheit bilden die rund 10.000 Pygmäen, die in den Urwäldern im Südosten leben. Am dichtesten bewohnt sind das fruchtbare Hochland im Westen, die Savannengebiete im Norden sowie die Küstenregion um Douala und das Gebiet um Yaoundé. Die beiden Städte haben die stärkste Anziehung auf die rasch wachsende Bevölkerung, die sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt hat.

Staat und Politik:

Gemäß der 1996 grundlegend revidierten Verfassung von 1972 ist Kamerun eine präsidiale Republik. Der mit umfangreichen Befugnissen ausgestattete Staatspräsident wird für sieben Jahre direkt gewählt. Er ernennt den Premierminister und die Regierung. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung, deren 180 Abgeordnete für eine Legislaturperiode von fünf Jahren gewählt werden. Die von der Verfassung vorgesehene zweite Kammer (Senat) wurde bislang noch nicht eingerichtet. Dominierende Partei ist die Demokratische Sammlungsbewegung des Volkes von Kamerun (RDPC).

Wirtschaft und Verkehr:

Mit dem Export von Erdöl, Kakao und Kaffee konnte die Wirtschaft viele Jahre hohe Zuwachsraten verzeichnen. Der Verfall der Weltmarktpreise, Misswirtschaft und Korruption lösten in den achtziger Jahren jedoch eine schwere Krise aus, die erst durch internationale Hilfe überwunden werden konnte.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Die meist kleinbäuerlichen Betriebe liefern unter anderem Mais, Hirse, Maniok und Reis für den Eigenbedarf sowie Kaffee, Kakao, Bananen und Baumwolle für den Export. Ausgeführt werden außerdem Palmöl, Kautschuk und Edelhölzer. Die Viehzucht ist vor allem im Norden bedeutend. Außer Erdöl besitzt Kamerun reiche Erdgasvorkommen und Bauxitlagerstätten. Die wichtigsten Großbetriebe sind die Ölraffinerie bei Limbe und das Aluminiumwerk bei Edéa; hier steht auch das größte Wasserkraftwerk des Landes. Dank reicher Wasserreserven kann Kamerun einen erheblichen Teil seines Strombedarfs aus eigenen Quellen decken.

Das wirtschaftliche Zentrum ist die Hafenstadt Douala. Sie ist Ausgangspunkt der Trans-Kamerun-Bahn, die über Yaoundé nach Ngaoundéré führt. Weiter nördlich ist das Verkehrsnetz kaum ausgebaut.

 

Geschichte

Europäische Kolonialherrschaft:

 

Als erster Europäer entdeckte 1472 der portugiesische Seefahrer Fernando Póo die nach ihm benannte Insel (heute Bioko) vor der Küste Kameruns. Die Küstenregion dominierten die Douala, mit deren Fürsten der Deutsche Gustav Nachtigal 1884 einen Schutzvertrag schloss. Im Ersten Weltkrieg eroberten französische und britische Truppen das deutsche Protektorat, das nach dem Krieg als Mandatsgebiet des Völkerbundes zwischen den Alliierten geteilt wurde: Westkamerun wurde der britischen Kolonie Nigeria angegliedert, der französische Teil erhielt eine eigenständige Verwaltung. In den fünfziger Jahren wuchs der Widerstand gegen die französische Kolonialmacht, die am 1. Januar 1960 die Unabhängigkeit gewährte.

Kamerun seit der Unabhängigkeit:

Durch ein Plebiszit in Britisch-Kamerun wurde 1961 der Forderung nach Wiedervereinigung Rechnung getragen. Der Norden Westkameruns entschied sich für den Verbleib bei Nigeria, der Süden für den Anschluss an die Republik Kamerun. So konnte am 1. Oktober 1961 die Bundesrepublik Kamerun ausgerufen werden. Ahmadou Ahidjo , der erste Präsident, errichtete ein repressives Regime. 1972 hob er die bundesstaatliche Ordnung auf und schuf einen zentralistischen Einheitsstaat. Der Gegensatz zwischen der frankophonen und der sich politisch benachteiligt fühlenden anglophonen Bevölkerung belastete die Innenpolitik.

Nachfolger Ahidjos wurde 1982 Paul Biya. Er führte unter dem Druck blutiger Unruhen zu Beginn der 1990er Jahre ein Mehrparteiensystem ein. 1995 wurde Kamerun Mitglied des Commonwealth. 1997 und 2004 bestätigte die Bevölkerung Biya im Präsidentenamt. Bei den Parlamentswahlen 2007 baute die Regierungspartei RDPC ihre führende Stellung aus. Mit einer innenpolitisch umstrittenen Verfassungsänderung wurde 2008 die Beschränkung der Regierungszeit des Präsidenten auf maximal zwei Amtszeiten aufgehoben. Die langjährigen Gebietsstreitigkeiten mit Nigeria um die ölreiche Bakassi-Halbinsel konnten im selben Jahr endgültig zugunsten Kameruns beigelegt werden.


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