Ghana

Wissenswertes über Ghana

Natur und Klima:

Ghana erstreckt sich von der 540 Kilometer langen, wenig gegliederten Küste über die Küstenebene und das waldreiche Hochland von Ashanti (300 bis 800 Meter) landeinwärts bis in die Savannengebiete des westlichen Sudan. Das Landesinnere wird vom flachen Voltabecken eingenommen, einer etwa 150 bis 300 Meter hohen, von weiten Ebenen und welligen Hügeln bestimmten Tafel- und Stufenlandschaft. Bevor der Volta bei Ada in einer langen Trichtermündung ins Meer mündet, wird sein Unterlauf bei Akosombo durch einen Damm zu einem der größten künstlichen Seen der Erde aufgestaut.

Im Süden herrscht ein tropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und durchschnittlichen Temperaturen von 26 bis 28 Grad an der Küste und 23 bis 31 Grad im Landesinneren vor. Die Niederschläge nehmen von Süden mit zwei Regenzeiten nach Norden mit nur noch einer Regenzeit rasch ab. Im Winter weht von Norden her ein heißer Wüstenwind, der Harmattan, die übrige Zeit herrschen vom Meer kommende Südwinde vor. Die ursprüngliche Vegetation mit Mangroven an der Küste, tropischen Regenwäldern im Südwesten, Feuchtsavannen im Voltabecken und Trockensavannen im Norden wurde durch Ackerbau und Viehzucht größtenteils verdrängt.

Bevölkerung:

Ghana gehört zu den dichter besiedelten Ländern Afrikas. Die Hauptsiedlungsgebiete liegen in der Ashanti-Region und an der Küste. Die Bevölkerung setzt sich aus mehr als 50 Ethnien zusammen. Die größte Gruppe stellen die Akan, zu denen die Ashanti und die Fanti gehören, gefolgt von den Ewe. Durch die dichte Besiedlung verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Völkern jedoch zunehmend. Rund 40 Prozent der Ghanaer hängen traditionellen Religionen an, je 30 Prozent bekennen sich zum Islam und zum Christentum.

Ghana ist von einer starken Landflucht betroffen. In den rasch wachsenden Städten fehlt es jedoch an Arbeitsmöglichketen. Viele, gerade junge Menschen suchen ihr Glück daher im Ausland.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 1993 ist Ghana eine präsidiale Republik. Der auf vier Jahre direkt gewählte Präsident ist zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Die Legislative liegt beim Parlament, dessen 230 Abgeordnete für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt werden. Wichtige Parteien sind die New Patriotic Party (NPP) und der National Democratic Congress (NDC).

Wirtschaft und Verkehr:

Ghana zählt trotz günstiger Voraussetzungen zu den ärmsten Ländern der Welt. Die hohe Auslandsverschuldung konnte jedoch durch Schuldenerlasse verringert werden. Große Hoffnung setzt das Land auf die im Golf von Guinea gefundenen Erdöl- und Erdgasvorkommen und den staatlich geförderten Tourismus.

Das Land verfügt über reiche Bodenschätze, darunter Gold, das rund ein Drittel des Gesamtexports stellt, Silber, Diamanten, Mangan, Bauxit, Erdöl und Erdgas. Die Wasserkraftwerke am Volta-Stausee decken nicht nur den nationalen Energiebedarf, sondern produzieren auch Strom für den Export. In Dürrejahren kommt es allerdings regelmäßig zu großen Engpässen bei der Energieversorgung. Die Wälder erbringen wertvolle Edelhölzer; der Holzeinschlag erfolgt jedoch zu rund 60 Prozent illegal und gefährdet die Regenwaldbestände. Das Hauptagrarprodukt ist Kakao (Ghana ist weltweit der zweitgrößte Produzent). Bemühungen um eine Industrialisierung waren bislang wenig erfolgreich.

Das Verkehrsnetz ist für afrikanische Verhältnisse gut ausgebaut; es konzentriert sich jedoch auf die Gebiete im Süden. Viele Straßen sind während der Regenzeit nicht passierbar.

 

Geschichte

Britische Herrschaft:

 

Ende des 17. Jahrhundert entstand im zentralen Hochland Ghanas das Reich der Ashanti. Die Könige bestimmten zum Großteil den Gold- und Sklavenhandel mit den Europäern, die seit Ende des 15. Jahrhunderts an der Goldküste Niederlassungen errichtet hatten. 1874 wurde die Goldküste britischen Kronkolonie. Der Widerstand der Ashanti konnte bis 1901 in mehreren Kriegen gebrochen werden. Kwame Nkrumah setzte sich 1949 an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung. 1954 erhielt die Goldküste innere Autonomie und 1957 unter dem Namen Ghana als erste britische Kolonie Afrikas die Unabhängigkeit.

Von der Diktatur zur Demokratie:

1960 wurde Ghana Republik, blieb aber Mitglied des Commonwealth. Nkrumah wurde Präsident mit diktatorischen Vollmachten. 1966 wurde er vom Militär gestürzt. Die folgenden Militär- und Zivilregierungen trieben Ghana durch Misswirtschaft und Korruption immer tiefer in die Krise. Mit dem Anspruch, diese Probleme zu lösen, übernahm Jerry Rawlings 1981 durch einen Staatsstreich die Macht. Anfangs mit diktatorischen Vollmachten regierend und wirtschaftlich ähnlich erfolglos wie seine Vorgänger, leitete er zu Beginn der neunziger Jahre in Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds umfassende Wirtschaftsreformen und die Demokratisierung des Landes ein. 1992 und 1996 wurde er wiedergewählt.

Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2000 siegte die Oppositionspartei NPP unter John A. Kufuor, der sich als neuer Präsident um eine weitere Demokratisierung und die Bekämpfung der Armut bemühte. Die Bevölkerung bestätigte den politische Kurs der Regierung in den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2004. Um die Dezentralisierung des Landes zu verstärken, erhöhte die Regierung 2008 die Anzahl der regionalen Gebietskörperschaften. Im selben Jahr fanden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Dabei wurde John Evans Atta Mills (NDC) im Stichentscheid mit knapper Mehrheit zum Nachfolger von John A. Kufuor im Präsidentenamt gewählt.

 


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